Gepäckregelung: EU sagt Billig-Fliegern den Kampf an

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exklusivGepäckregelung: EU sagt Billig-Fliegern den Kampf an

von Rüdiger Kiani-Kreß

Das Europaparlament berät aktuell, ob Fluggäste künftig zwei Handgepäckstücke mit an Bord nehmen dürfen. Einkäufe in Dutyfree-Shops würden so erleichtert. Ryan Air reagierte bereits.

Ryanair will sein schlechtes Image mit einer Kundenoffensive aufpolieren. Europas größter Billigflieger kündigte am Freitag unter anderem an, innerhalb eines halben Jahres Gebühren für das Ausdrucken der Bordpässe abzuschaffen und ein zweites Stück Handgepäck zu erlauben. Mit dem letzten Punkt kommt Ryanair-Chef Michael O’Leary der Europäischen Union zuvor. Der Verkehrsausschuss des EU-Parlaments wird nach Informationen der WirtschaftsWoche in seiner nächsten Sitzung am 14. November diskutieren, ob Fluggäste in Europa künftig zwei Handgepäckteile gratis mit an Bord nehmen können. Bei einem positiven Votum des Ausschusses wird sich das EU-Parlament im Januar mit dem Thema befassen. Widerstand gegen den Transport eines kostenlosen zweiten Handgepäcks kommt vor allem von den Billigfliegern wie easyjet.

Doch auch anderen Fluglinien käme eine Abkehr von der Ein-Koffer-Regel ungelegen. Denn in den Gepäckfächern an Bord wird es zunehmend eng, seit die Linien in ihre Maschinen dank dünnerer Sitzpolster bis zu ein Dutzend Stühle mehr montieren und die Flieger zudem im Schnitt gut zehn Prozent stärker auslasten als noch vor fünf Jahren.

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Beobachter rechnen mit liberaler Regelung

Europas Flughäfen hingegen unterstützen den Zwei-Taschen-Vorstoß. "Sonst würde fast keiner mehr in den Terminals einkaufen", fürchtet der Chef eines deutschen Flughafens. Auf die zusätzlichen Einnahmen aus Duty-free-Geschäften sind die Airports dringend angewiesen, seit die chronisch klammen Fluglinien auf immer höhere Rabatte bei den Landegebühren drängen.

Wie der Ausschuss des Europäischen Parlaments entscheidet, gilt derzeit zwar als offen. "Doch hier in Brüssel rechnen viele Beobachter eher mit einer liberaleren Regelung", sagt ein Lobbyist der Flugbranche. Er verweist dabei auf eine Reihe verbraucherfreundlicher Entscheidungen des Europäischen Gerichtshof im Reiserecht, etwa zu Entschädigungen für Passagiere bei Verspätungen.

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Bis die Neuregelung in Kraft tritt, kann es jedoch noch bis zum Jahr 2015 dauern: Nach dem Ausschusstermin wird sich im Januar zunächst noch das EU-Parlament mit dem Thema befassen, ehe sich der EU-Rat der Sache annimmt. "Dabei sind natürlich auch noch Änderungen im Sinne der Fluglinien möglich", deutet der Lobbyist an.

Spannend wird auch, wie ernst es Ryanair mit seiner Charmeoffensive meint. Die Branche hat ihre Zweifel, ob die Fluggäste künftig wirklich mit mehr Handgepäck reisen dürfen. "Die werden dann eben auch Jacken zum zweiten Gepäckstück deklarieren und die Passagiere wieder zur Kofferaufgabe drängen", sagt der Flughafen-Chef.

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