Geplatzte Übernahme: Dramatische Folgen für die Rhön-Kliniken

KommentarGeplatzte Übernahme: Dramatische Folgen für die Rhön-Kliniken

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Im ersten Halbjahr 2012 brach der Gewinn der Rhön-Kliniken um 41 Prozent auf 50, 1 Millionen Euro ein.

von Jürgen Salz

Der Bad Homburger Dax-Konzern Fresenius wird den Klinikbetreiber Rhön einstweilen nicht übernehmen. Für die Rhön-Kliniken ist das eine ganz schlechte Nachricht. Der Krankenhausbetreiber braucht dringend einen Partner.

Fresenius-Chef Ulf Schneider ist bislang noch jede Übernahme gelungen. Die Fresenius-Geschäftsbereiche – Dialysezentren, Infusionslösungen, Kliniken – hat der 47-Jährige in den vergangenen Jahren durch zahlreiche Akquisitionen ausgebaut. Die Integration klappte jeweils wie am Schnürchen. Nur einige Aktionäre meckerten hin und wieder auf der Hauptversammlung über zu hohe Kaufpreise. Ausgerechnet an den Rhön-Kliniken, die Fresenius  mit seinem hauseigenen Krankenhausbetreiber Helios zusammenführen wollte, hat sich Schneider nun die Zähne ausgebissen.

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Daraus wäre Deutschlands größter Klinikkonzern mit einem Umsatz von fast sechs Milliarden Euro und bundesweit 127 Kliniken entstanden. 3,1 Milliarden Euro war Schneider bereit zu zahlen. Einen ersten Übernahmeversuch vereitelte im Juni Bernard gr. Broermann, der Gründer des Klinik-Konkurrenten Asklepios, der es wohl nicht verwinden konnte, dass seine Krankenhauskette gegenüber dem Marktführer Helios/Rhön deutlich ins Hintertreffen geraten wäre.  

Die Rhön-Klinikum AG

  • Mitarbeiter

    Die Rhön-Klinikum AG beschäftigt mehr als 39.000 Ärzte, Schwester und Pflegepersonal.

  • Patienten

    Im ergangenen Jahr behandelten die Kliniken des Rhön-Verbunds rund 2,2 Millionen Patienten.

  • Entwicklung

    Das Unternehmen startete 1973 mit 66 Mitarbeitern. Rhön-Gründer Eugen Münch brachte das Unternehmen 1989 an die Börse. Seit 1996 ist das Unternehmen im MDax.

Broermann kaufte in großem Stil Rhön-Aktien und schaffte es so, dass Fresenius nicht den laut Rhön-Satzung vorgeschriebenen 90-Prozent-Anteil zusammenbekam. Den ganzen August über hoffte Schneider, den Deal durch Verhandlungen doch noch irgendwie retten zu können. Doch Broermann vergrößerte seinen Einfluss noch; auch der Medizintechnik-Hersteller Braun stieg mit fünf Prozent ein. Fresenius sah seine Chancen schwinden, bei Rhön wirklich  Einfluss nehmen zu können. Schneider gab auf. Es ist seine erste große Niederlage.

Viel dramatischer sind die Folgen der geplatzten Übernahme allerdings für die Rhön-Kliniken. Der Krankenhausbetreiber, der 2011 einen Umsatz von 2,6 Milliarden Euro erzielte, hätte dringend einen Partner gebraucht. Das Geschäft läuft nicht gut, die Zahlen sind mau. Im ersten Halbjahr 2012 bracht der Gewinn um 41 Prozent auf 50, 1 Millionen Euro ein. Besonders schlecht sieht es im Universitätsklinikum Gießen und Marburg aus, das seit einigen Jahren zu Rhön gehört.  

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Die Restrukturierung des Klinikum kommt nicht recht voran; Rhön rechnet mit einer Belastung des operativen Ergebnisses in Höhe von 20 Millionen Euro. Nun soll die Unternehmensberatung McKinsey die Kostenstruktur im Universitätsklinikum analysieren; die Ergebnisse sollen im Oktober vorliegen. Zusätzlich wirken sich noch „erhebliche gesetzliche Mehrleistungszuschläge“ und die übernommenen Verluste aus einer Übernahme nachteilig auf das Ergebnis aus.

Mit einem Partner würden  sich die Probleme etwas einfacher lösen lassen. Gemeinsam hätten Rhön und Helios Synergien heben können.  Rhön-Gründer Eugen Münch hatte den Bedarf auch erkannt und schon seit gut einem Jahr nach einem Partner gesucht. Mit Fresenius/Helios hoffte er, am Ziel zu sein. Ein Trugschluss, wie sich jetzt zeigt. Nach der Absage von Fresenius verlor die Rhön-Aktie zeitweise mehr als 20 Prozent ihres Wertes.

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