Germanwings : Co-Pilot war allein im Cockpit der Unglücksmaschine

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Germanwings : Co-Pilot war allein im Cockpit der Unglücksmaschine

, aktualisiert 26. März 2015, 12:40 Uhr
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Olivier Cousin (M), Leiter der Bergrettungsstaffel

Nach offiziellen Angaben war der Co-Pilot der verunglückten Germanwings-Maschine vor dem Unglück allein im Cockpit. Er soll den automatischen Sinkflug bewusst ausgelöst haben.

Zum Zeitpunkt des Absturzes des Germanwings -Jets in den französischen Alpen hat sich nach offiziellen Angaben der Ermittler nur der Co-Pilot im Cockpit des Airbus aufgehalten. Wie die Auswertungen der Stimmrekorderdaten ergeben haben, hat der Flugkapitän kurz vor dem Unglück den Co-Piloten gebeten, das Kommando zu übernehmen. Anschließend verriegelte der Co-Pilot offenbar die Kabinentür und leitete bewusst den Sinkflug ein. Er reagierte weder auf die Ansprache des Piloten, noch auf Kontaktversuche der Fluglotsen, sei aber am Leben gewesen.

"Schwieriges Gelände"

An der Unglücksstelle haben die Ermittler des Germanwings-Absturzes mit dem schwer zugänglichen Gelände zu kämpfen. „Die Arbeit ist extrem schwierig, das Gelände ist gefährlich. Es ist steil und rutschig“, sagte der Chef der Bergrettungskräfte, Olivier Cousin, am Donnerstag.

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Insgesamt waren am Donnerstag rund 70 Menschen an der Unglücksstelle. Rund zwölf Ermittler waren unterwegs, um die Spuren zu sichern und die zweite Blackbox zu finden. Etwa sechs weitere suchten die Leichen.

Die Ermittler werden von erfahrenen Bergrettern an einem Seil gesichert. Sie sind mit Steigeisen und Eispickel unterwegs. Auch am Donnerstag sollten Opfer ins Tal gebracht werden.

Die Fakten zum Germanwings-Absturz

  • Der Flug

    Der Airbus A320 ist am Dienstag um 10.01 Uhr mit 150 Menschen an Bord in Barcelona gestartet. Kurz nach dem Erreichen der regulären Reiseflughöhe von 38.000 Fuß (11,5 Kilometer) ging die Maschine ohne Hinweis an die französische Flugkontrolle oder ein Notsignal in einen schnellen Sinkflug über. Das Flugzeug zerschellte in den französischen Alpen. Die Maschine flog bis zum Aufprall, ohne dass es eine Explosion gab, wie die französische Untersuchungsbehörde BEA mitteilte.

  • Die Opfer

    An Bord der Maschine waren 150 Menschen, darunter nach jüngsten Informationen 72 Deutsche und 50 Spanier. Weitere Opfer stammen nach Angaben von Regierungen und Germanwings offenbar aus den USA, Großbritannien, Kasachstan, Argentinien, Australien, Kolumbien, Mexiko, Venezuela, Japan, den Niederlanden, Dänemark, Belgien und Israel.

  • Die Unglücksstelle

    Die Germanwings-Maschine verunglückte in den französischen Alpen nahe der kleinen Ortschaft Seyne-les-Alpes. Die Bergung der Wrackteile ist schwierig. Das Gelände an der Unglücksstelle ist zerklüftet und nur schwer zugänglich. Weil die Maschine mit hoher Geschwindigkeit auftraf, sind die Trümmerteile sehr klein und weit verstreut.

    Die Bergung der Opfer wurde am 31. März abgeschlossen. Das Kriminalinstitut der französischen Gendarmerie erklärte, die eigentliche Identifizierung, also die Zuordnung zu den Vergleichsdaten der Angehörigen, könne zwei bis vier Monate dauern.

  • Die Blackbox

    Die Ermittler haben bereits auswertbare Daten aus dem ersten Flugschreiber, dem Stimmrekorder, sichergestellt und ausgewertet. Laut der französischen Staatsanwaltschaft war zum Zeitpunkt des Absturzes nur der Co-Pilot im Cockpit. Der Stimmrekorder hat bis zuletzt Atemgeräusche im Cockpit aufgezeichnet, der Co-Pilot war also am Leben. In den letzten Minuten, bevor der A320 an einer Felswand zerschellte, zeichnete der Rekorder auf, wie der ausgesperrte Kapitän und die Crew von außen gegen die Cockpit-Tür hämmern. Die Ermittler gehen daher davon aus, dass der Co-Pilot die Maschine absichtlich zum Absturz brachte.

    Der zweite Flugschreiber, der detaillierte Flugdaten aufzeichnet, wurde bislang nicht gefunden.

  • Das Flugzeug

    Der Mittelstreckenflieger A320 hatte seinen Jungfernflug 1987 und wurde ein Jahr später erstmals von Airbus an Kunden ausgeliefert. Seither hat er sich in verschiedenen Varianten zum meistverkauften Passagierjet von Airbus entwickelt. Bis Ende Februar hatte der Hersteller von seiner absatzstärksten Modellfamilie knapp 6500 Maschinen an die Kunden überstellt.

    Die Unglücksmaschine war seit mehr als 24 Jahren im Einsatz, verfügte laut Auskunft der Lufthansa jedoch über neueste Technik und habe alle Sicherheitsanforderungen erfüllt. Noch einen Tag vor der Katastrophe sei der Flieger einem Routinecheck unterzogen worden.

  • Der Pilot

    Der Kapitän des abgestürzten Flugzeugs galt als erfahren. Er hatte seit mehr als zehn Jahren für Germanwings und Lufthansa gearbeitet. Auf dem Modell Airbus hatte er mehr als 6000 Flugstunden absolviert.

    Zu den Geschehnissen im Cockpit der Germanwings-Maschine sagte der Lufthansa-Chef Carsten Spohr: „Es gab ein technisches Briefing zum weiteren Flugverlauf. Dann hat der Pilot dem Co-Piloten das Steuer überlassen.“ Zum Verlassen des Cockpits durch den Kapitän sagte Spohr: „Der Kollege (Pilot) hat vorbildlich gehandelt, er hat das Cockpit verlassen, als die Reiseflughöhe erreicht war.“

  • Der Co-Pilot

    Der Co-Pilot der Unglücksmaschine war seit 2013 bei der Lufthansa-Tochter beschäftigt. Zuvor hatte er seit etlichen Jahren für den Konzern gearbeitet, auch als Flugbegleiter. Vor sechs Jahren gab es eine mehrmonatige Unterbrechung der Pilotenausbildung, danach wurde die Eignung des Mannes nach allen Standards überprüft. „Er war 100 Prozent flugtauglich. Ohne jede Auffälligkeit“, sagte Spohr.

    Ermittler durchsuchten auf Bitte der französischen Justiz zwei Wohnungen des Co-Piloten. Dort wurde eine zerrissene Krankschreibung gefunden, die auch den Tag des Absturzes umfasste. Der 27-Jährige war vor mehreren Jahren - vor Erlangung des Pilotenscheines - über einen längeren Zeitraum wegen Depressionen und Selbstmordgefährdung in psychotherapeutischer Behandlung.

    Quellen: dpa, reuters, sha, jre

Zwei Tage nach dem Absturz der Maschine der Lufthansa-Tochter Germanwings in den französischen Alpen konzentrieren sich die Ermittlungen auf die Absturzursache. Lufthansa und die Tochter Germanwings wollen am Donnerstagnachmittag auf einer Pressekonferenz über die Ursachensuche informieren. Um 14.30 Uhr wollen am Flughafen Köln/Bonn Lufthansa-Chef Carsten Spohr und Thomas Winkelmann, Sprecher der Germanwings-Geschäftsführung, weitere Informationen mitteilen.

Hinterbliebene werden abgeschirmt

Im französischen Ort Seyne-les-Alpes nahe der Unfallstelle des verunglückten Flugzeugs bereiten sich die Menschen derweil auf die Ankunft der Angehörigen vor. Das Sportzentrum, in dem eine Art Kapelle als Trauerraum für die Angehörigen eingerichtet wurde, war am Donnerstag abgeriegelt. Gendarmen kontrollierten den Zugang. Die Familien sollten Ruhe haben für ihre Trauer. Im Rathaus erstellten Mitarbeiter eine Liste von Einheimischen, die Menschen aufnehmen können.

Flug 4U9525 Wie sich ein Pilot im A320 einsperren kann

Die Cockpit-Tür in einem A320 ist eine wichtige Barriere. Nach den Anschlägen vom 11. September wurde sie umgebaut, so dass sie sich nicht ohne Weiteres von außen öffnen lässt. Wie die Tür funktioniert.

Blick in ein Cockpit eines A320 Quelle: REUTERS

Die Lufthansa bestätigte, dass am Donnerstag rund 50 Angehörige auf dem südfranzösischen Flughafen Marseille-Provence gelandet sind. Sie waren am Morgen vom Flughafen Düsseldorf gestartet. Mit an Bord des Airbus A321 war auch ein Betreuer-Team aus Seelsorgern, Ärzten und Psychologen. Außerdem ist ein zweiter Sonderflug mit einer Germanwings-Maschine für Angehörige der Crew am Donnerstagvormittag ab Düsseldorf geplant. Auch aus Barcelona wurde am Vormittag ein Flieger mit Angehörigen spanischer Opfer erwartet.

An die Absturzstelle selbst können die Hinterbliebenen aber nicht. „Das ist nicht möglich, das ist viel zu gefährlich“, sagte am Donnerstag der Unterpräfekt von Aix-en-Provence, Serge Gouteyron.

Der A320 mit der Flugnummer 4U9525 war am Dienstag auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf, als er über Südfrankreich minutenlang an Flughöhe verlor und am Bergmassiv Les Trois Evêchés zerschellte. An Bord waren 72 Deutsche, davon kamen wiederum 64 aus Nordrhein-Westfalen, wie NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) am Donnerstag mitteilte. Aus Spanien stammten nach Angaben aus Regierungskreisen in Madrid 50 Opfer.

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