Germanwings-Flug: Airbus-Absturz bleibt weiter mysteriös

Germanwings-Flug: Airbus-Absturz bleibt weiter mysteriös

, aktualisiert 29. März 2015, 16:50 Uhr

Nach dem Germanwings-Unglück suchen Bergungskräfte weiter nach dem zweiten Flugschreiber. Die Lufthansa zeigt sich nun überrascht von der Erkrankung des Co-Piloten, der für den Absturz verantwortlich sein soll.

Sechs Tage nach dem Absturz eines Germanwings-Flugzeugs in Frankreich rätseln Hinterbliebene und Öffentlichkeit weiter über die Hintergründe. Die Ermittler machten den Copiloten für die Katastrophe mit 150 Toten verantwortlich. Doch weder über mögliche Motive des 27-Jährigen noch über die Art seiner akuten Erkrankung wollten sich die Behörden bis zum Sonntag äußern. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hatte am Freitag lediglich erklärt, man habe in der Wohnung des Mannes „zerrissene, aktuelle und auch den Tattag umfassende Krankschreibungen“ gefunden.

Dennoch untersuchen französische Ermittler auch die Möglichkeit eines technischen Defekts der Germanwings-Maschine. „Derzeit kann die Hypothese eines technischen Fehlers nicht ausgeschlossen werden“, sagte der Chef der in Düsseldorf eingesetzten französischen Ermittler, Jean-Pierre Michel, am Samstag dem Sender BFMTV. Die Ermittlungen gingen voran, es fehlten aber noch „technische Details“.

Anzeige

Germanwings-Absturz Wie die Untersuchung des Unglücks weitergeht

Nach dem Absturz der Germanwings-Maschine gibt es erste Antworten - und noch mehr Fragen. Die Arbeit der Helfer und Ermittler hat erst begonnen. So geht die Spurensuche im Falle des Flugs 4U9525 weiter.

In den französischen Alpen gehen die Ermittlungen an der Absturzstelle der Germanwings-Maschine weiter. Bergungskräfte durchsuchen das Gebiet auch mit Helikoptern. Quelle: dpa

Am Absturzort liegen Trümmerteile und die sterblichen Überreste der 150 toten Insassen in einem unzugänglichen Gelände, das sich über mehrere Hektar erstreckt. Die Bergung der Toten hat absoluten Vorrang, sagte Staatsanwalt Brice Robin am Sonntag. Wenn die Leichen und Leichenteile wie erhofft binnen sieben Tagen geborgen seien, wollten die Ermittler in einer zweiten Phase dann Wrackteile sichern, die für die Recherchen nötig seien.

„Wir haben noch keine Opfer identifiziert, sondern DNA-Spuren“, sagte Robin zur Frage, ob bereits sterbliche Überreste des Copiloten der Unglücksmaschine identifiziert wurden. Bisher seien die gefundenen DNA-Informationen noch nicht mit denen der Familien verglichen worden. DNA steht für den chemischen Aufbau von Erbinformationen.

Die Identifizierung der Opfer könnte nach Einschätzung des Rechtsmediziners Michael Tsokos von der Berliner Charité mehrere Wochen dauern. „In etwa drei Wochen werden bis zu 95 Prozent der Vermissten identifiziert und somit offiziell für tot erklärt sein“, sagte er der „Bild am Sonntag“. Die Familien müssten sich vermutlich am geschlossenen Sarg von ihren Lieben verabschieden. Ein letzter Blick auf die Opfer sei ihnen nicht zuzumuten.

"Das ist Missbrauch der Medienmacht"

Noch immer wird unter Hochdruck nach dem zweiten Flugschreiber der A320 der Lufthansa-Tochter gesucht. Er könnte weitere Erkenntnisse zum Geschehen im Cockpit vor dem Absturz liefern.

Die Suche ist für die Mannschaften vor Ort extrem gefährlich. „Es ist steil und rutschig“, schildert der Chef der Bergrettungskräfte, Olivier Cousin. Sein Team sichert die Fachleute bei der gefährlichen Arbeit am Seil. Teils sind die Seilschaften mit Steigeisen und Eispickel unterwegs. Das bringt mehr Halt, auch wenn es dort oben kein Eis gibt.

Zudem gibt es eine weitere Unbekannte: das Wetter. In diesen Tagen herrschen perfekte Bedingungen für die Helikopterflüge: Sonne, wenig Wind. Aber wenn Wind, Regen oder Schnee kommen, könnten die Helikopter, die täglich Dutzende Helfer auf den Berg bringen, womöglich nicht mehr starten, sagt David Girodet.

Airbus A320 25 Passagiere bei Landung verletzt

Neuer Vorfall bei einem Airbus A320: Bei der harten Landung eines Passagierflugzeugs der Gesellschaft Air Canada in Kanada sind am Sonntag 25 Menschen verletzt worden.

Flug 624 von Air Canada: 25 Menschen sind bei der harten Landung verletzt worden. Quelle: AP

Der Vorstandsvorsitzende des Luftfahrtunternehmens Airbus, Tom Enders, hat nun scharfe Kritik an den TV-Talkshows nach dem Absturz des Germanwings-Flugzeugs geübt. "Was wir kritisch hinterfragen sollten, ist das Unwesen, das manche 'Experten' vor allem in TV-Talkshows treiben. Teilweise wurde dort ohne Fakten spekuliert, fantasiert und gelogen. Oft hanebüchener Unsinn. Das ist eine Verhöhnung der Opfer", sagte Enders der "Bild am Sonntag". Zugleich forderte Enders eine bessere Kontrolle durch die Fernsehräte. "Das ist Missbrauch der Medienmacht. Diese Leute verkaufen uns alle für dumm. Und dafür gibt es dann noch Honorare vom Geld der Gebührenzahler. Hier stimmt die Aufsicht in den Anstalten nicht."

Die Piloten verteidigte Enders hingegen. Sie seien "normalerweise sehr zuverlässig, erstklassig ausgebildet". Der Airbus-Chef: "Piloten verdienen auch weiter unser Vertrauen. Ein schwarzes Schaf macht noch keine Herde."

Trauer in Frankreich und Deutschland

In der Kathedrale Notre-Dame-du-Bourg der französischen Gemeinde Digne-les-Bains haben am Samstag Einwohner der Opfer des Flugzeugabsturzes gedacht. In dem voll besetzten romanischen Bau versammelten sich mehrere Hundert Menschen zur Andacht. Vor dem Altar brannten 150 Kerzen zur Erinnerung an die Opfer. Digne-les-Bains liegt nur wenige Kilometer von der Unglücksstelle entfernt, wo der Germanwings-Airbus am Dienstag abgestürzt war.

In Deutschland soll es für die 150 Opfer des Absturzes der Germanwings -Maschine am 17. April eine Trauerfeier im Kölner Dom geben. Neben Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel würden auch Vertreter aus Spanien, Frankreich und weiteren betroffenen Ländern erwartet, sagte eine Sprecherin der nordrhein-westfälischen Landesregierung. Auch den Bürgern solle eine Teilnahme ermöglicht werden. Weitere Einzelheiten, wie etwa die Uhrzeit, blieben zunächst offen.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%