Germanwings soll Notlandung vertuscht haben: Beunruhigende Untersuchungslücken

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KommentarGermanwings soll Notlandung vertuscht haben: Beunruhigende Untersuchungslücken

von Rüdiger Kiani-Kreß

Der Flug-Zwischenfall bei Germanwings vor knapp zwei Jahren ist extrem beunruhigend. Aber ebenso beunruhigend ist, wie die Tochtergesellschaft der Lufthansa und die Aufsichtsbehörde darauf reagiert haben.

Schwere Störung – das ist mit die dramatischste Beschreibung für einen Flug-Zwischenfall, der nicht mit einem Absturz endete. Und genau mit diesen Worten beschreibt die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen (BFU) jenes Ende eines Flugs der Lufthansa-Tochter Germanwings, der im Dezember 2010 laut einem Bericht des obersten Ermittlers in Sachen Flugsicherheit in Deutschland offenbar fast in einer Katastrophe geendet hätte.

Denn wegen eines Giftes in der Atemluft war von den beiden Piloten einer quasi außer Gefecht gesetzt – oder, wie es die BFU ausdrückt: "spürte, dass er die anfallenden Informationen nicht mehr verarbeiten konnte" – und der andere bereits "am Ende seiner Leistungsfähigkeit". Obwohl die Piloten Atemmasken trugen, hatten sie deutlich zu wenig Sauerstoff im Blut. Mit anderen Worten: Noch ein paar Minuten länger, und das Flugzeug wäre führerlos gewesen.

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Piloten außer Gefecht Germanwings soll Beinahe-Absturz vertuscht haben

Ende 2010 soll ein Flugzeug der Lufthansa-Tochter Germanwings bei Köln nur knapp einem Absturz entgangen sein. Beide Piloten hatten offenbar ein giftiges Gas eingeatmet.

Germanwings-Flugzeug Quelle: AP

Doch da fangen die Fragen erst an. Und sie richten sich sowohl an den Lufthansa-Konzern, als auch an die Aufsichtsbehörde.

Verharmlosender Bericht

Dass Germanwings den Vorfall nicht an die große Glocke gehängt hat, ist nachvollziehbar. Wenn die Behörde kein Problem sieht, dann muss auch die Fluglinie nicht unbedingt nachlegen. Doch am Ende hat die Linie zumindest in Teilen merkwürdig reagiert. Sie hat zwar den Flieger nach dem Vorfall gecheckt und einen Bericht an die Aufsichtsbehörde geschickt. Doch der liest sich wesentlich weniger dramatisch als die Berichte der Piloten. Da wurde aus dem Beinahe-Zusammenbruch ein "starkes Unwohlsein" und eine "Beeinträchtigung der Wahrnehmung".

Dass beide Piloten deutlich zu wenig Sauerstoff im Blut hatten, alarmierte offenbar ebenso wenig, wie die Tatsache, dass der außergewöhnliche Geruch im Cockpit auch 15 Minuten nach der Landung trotz geöffneter Fenster noch deutlich wahrnehmbar war. Und auch heute sieht die Linie merkwürdigerweise noch "keine Einschränkung der Flugtauglichkeit". Da bleibt die Frage: Hat der Pilot damals gegenüber seinem Arbeitsgeber die Sache nicht ganz richtig dargestellt – oder später gegenüber der Behörde.

Reaktion der BFU ist fragwürdig

Aber auch bei der BFU bleiben Fragen offen. Zwar hat sie sich Nachfragen bereits vorab durch die Mitteilung entzogen, "aufgrund des Umfangs des Zwischenberichts werden keine ergänzenden Erläuterungen ... abgegeben."  Doch ein paar Antworten wären sicher nicht schlecht gewesen. Denn ihr hätte aus Sicht von Experten auffallen können: Ein "Geruch elektrisch verbrannt" – so die Unfallmeldung  der Fluglinie – passt nicht so recht zu der Erklärung, es sei nur etwas Enteisungsmittel ins Triebwerk geraten. Stattdessen hat sich die BFU quasi die Sichtweise Germanwings' zu Eigen gemacht und abgehakt.

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