Geschäft mit der Pleite: Entern Wirtschaftsprüfer den Insolvenzmarkt?

Geschäft mit der Pleite: Entern Wirtschaftsprüfer den Insolvenzmarkt?

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Seit Jahren halten sich Gerüchte, die so genannten Big Four – KPMG, EY, PwC und Deloitte – würden mit einem Einstieg ins klassische Insolvenzgeschäft liebäugeln.

von Henryk Hielscher

Das Geschäft mit Unternehmenspleiten und Sanierungen ruft neue Wettbewerber auf den Plan: Auch Wirtschaftsprüfungsgesellschaften sind interessiert.

Der Anruf kam überraschend. Vor ein paar Monaten meldete sich die Mitarbeiterin einer großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft bei Daniel Bergner, Geschäftsführer des Verbands der Insolvenzverwalter Deutschlands (VID). Sie wolle Informationen über den Markt einholen, begann die Dame. Schließlich sei der Einstieg ihres Unternehmens ins Insolvenzgeschäft bereits beschlossene Sache, erinnert sich Bergner an das Gespräch. Auch ein renommierter Verwalter aus Süddeutschland berichtet, er sei jüngst von einer großen WP-Gesellschaft auf einen möglichen Verkauf seiner Kanzlei angesprochen worden. Er habe zwar abgelehnt, vermute aber dass auch andere Verwalterkanzleien entsprechende Angebote erhalten haben. 

Muss sich die etablierte Verwalterschar nebst der Pleiteflaute, die derzeit den Markt umkrempelt, demnächst auch noch mit neuer Konkurrenz herumschlagen?

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Die führenden Insolvenzkanzleien 2014

  • Platz 10

    Kanzlei: BBL Bernsau Brockdorff

    Zahl der Verfahren: 75

    Quelle: STP Portal; gezählt wurden Verfahren ab Stellung des Insolvenzantrags (vorläufige Verfahren)

  • Platz 9

    Kanzlei: Münzel & Böhm

    Zahl der Verfahren: 80

  • Platz 8

    Kanzlei: Henningsmeier Rechtsanwälte

    Zahl der Verfahren: 86

  • Platz 7

    Kanzlei: Reimer Rechtsanwälte

    Zahl der Verfahren: 97

  • Platz 6

    Kanzlei: hww Wienberg Wilhelm

    Zahl der Verfahren: 105

  • Platz 5

    Kanzlei: Görg Rechtsanwälte

    Zahl der Verfahren: 121

  • Platz 4

    Kanzlei: White & Case

    Zahl der Verfahren: 152

  • Platz 3

    Kanzlei: Brinkmann & Partner

    Zahl der Verfahren: 196

  • Platz 2

    Kanzlei: Pluta

    Zahl der Verfahren: 211

  • Platz 1

    Kanzlei: Schultze & Braun

    Zahl der Verfahren: 236

Auch Big Four müssen kämpfen

Seit Jahren schon halten sich Gerüchte, die so genannten Big Four – KPMG, EY, PwC und Deloitte – würden mit einem Einstieg ins klassische Insolvenzgeschäft liebäugeln. Offiziell halten sich die Gesellschaften bedeckt. Doch „die Pläne dafür liegen in den Schubladen“, sagt ein früherer Mitarbeiter einer Prüfgesellschaft.  Auch die Big Four müssten derzeit kämpfen und würden händeringend nach Zusatzeinnahmen fahnden. Denn im Kerngeschäft – der Prüfung von Jahresabschlüssen – erodieren die Margen.

Vor allem angelsächsische Partner würden daher darauf drängen, endlich auch ins deutsche Sanierungs- und Insolvenzwesen einzusteigen, um ähnlich wie in England den Markt aufzurollen. Dort dominieren die Prüfer seit Jahrzehnten das Abwicklungsgeschäft. Dass mögliche Kalkül der Prüfer: Über den Kauf einer Insolvenz-Kanzlei ist ein schneller Einstieg möglich. Anschließend könnte das Argument „Internationalität" ausgespielt werden, um sich die interessanten Fälle zu sichern. Schon ein oder zwei lukrative Großverfahren könnten ausreichen, um die Expansionskosten wieder einzuspielen.

Ihre deutschen Partner sind indes weit weniger optimistisch, dass die Rechnung aufgeht und verweisen auf die erheblichen Risiken eines Marktes, der trotz aller Reformen nach wie vor stark von der Vergabepolitik der zuständigen Gerichte abhängt. Trotzdem, der Wachstumsdruck ist erheblich. „Wenn eine der WP-Gesellschaften einsteigt, ziehen die anderen nach“, ist der ehemalige Mitarbeiter überzeugt. Zudem hat die Insolvenzrechtsreform – kurz ESUG - das Interesse am deutschen Sanierungsmarkt gesteigert. 

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