Geschäftsklima-Index: Wie die Platzreservierung der Deutschen Bahn uns zu Lügnern macht

kolumneGeschäftsklima-Index: Wie die Platzreservierung der Deutschen Bahn uns zu Lügnern macht

Kolumne

Die alltäglichen Nebensächlichkeiten der Wirtschaft sind es wert, liebevoll aufgeblasen zu werden, meint unser Kolumnist Marcus Werner. Heute: die Platzreservierungen bei der Deutschen Bahn.

In einem Monat ist Weihnachten! Oh, Entschuldigung, ich wollte Sie nicht erschrecken.

Bei der Heimfahrt vor Weihnachten gibt es für Bahnfahrer ja eine lange Tradition: das adventliche Stehen im Toilettenbereich. Weil das billiger ist. Der anstehende Konsumterror wird schließlich schon teuer genug.

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Wobei: Eine Platzreservierung in einem ICE kostet ab 15. Dezember 4,50 Euro. Ich finde, da kann man nichts sagen. Für den Ärger, den man sich damit einhandeln kann, muss man bei anderen Unternehmen deutlich tiefer in die Tasche greifen.

Wie schafft die Deutsche Bahn es, das hohe Level an Unzufriedenheit bei den Fahrgästen rund um das Thema Reservierung seit Jahren relativ stabil zu halten oder gar leicht zu erhöhen - und das bei zuletzt gerade einmal 12,5 Prozent Preissteigerung für einen freigehaltenen Sitz?

In aller Bescheidenheit - ich weiß es: indem die Bahn die Arbeit auf die Fahrgäste abwälzt. Letztendlich steuert die Bahn in der ausgeklügelten Kunden-Verprellungs-Logistik nur drei Dienstleistungen bei:

Die umgekehrte Wagenreihung

Hier agiert das Unternehmen absolut zuverlässig. Das räumen mittlerweile auch Bahnhasser ein. Und dafür muss mitunter immerhin ein ganzer Doppelzug mit einem Dutzend Wagen umgedreht werden. Zugeben passiert das nicht ganz uneigennützig: Fahrgäste mit Reservierung, die im Winter bei plötzlich angezeigter umgekehrter Wagenreihung von Gleis-Abschnitt A nach F hasten müssen, brauchen es an Bord weniger warm. Und im Sommer nehmen sie mehr Getränke im Bordbistro ab.

Die ausgeschalteten Reservierungsanzeigen über den Sitzen

Hier ist die Technologie in der Vergangenheit vorangeprescht, da reibt man sich nur die Augen. Wo früher der Zugchef noch mühevoll die kleinen Zettel in den Plexiglashalterungen vertauschen oder vernichten musste, lassen sich heute sämtliche Anzeigen mit einer einzigen fehlerhaften Dateneinspielung bequem aus dem Schaffnerabteil löschen. Dank der Diskette. Darum beneidet uns die Welt. Und das spart dem Zugchef Rennerei, was nebenbei den Teppich schont. Nachhaltiger geht´s nicht.

Der verpasste Anschluss-Zug

Die unangefochtene Königsdisziplin. Ich würde wetten, die Fahrdienstleiter werden hierfür heimlich in Hannover ausgebildet. Hier kommt der ICE aus dem Süden nämlich meistens auf die Minute zu spät. Der besondere Thrill: Oft sieht man den reservierten Hamburg-ICE noch am Gleis stehen, spürt aber genau: Den schaffe ich nicht mehr.

Das kriegen Sie auf keiner Autobahn!

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