Geschmacksache: Umstrittene Sterneköche

Geschmacksache: Umstrittene Sterneköche

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Auch Gourmetführer haben ihre Lieblinge. Das dieses Jahr wohl auffälligste Beispiel ist Tim Raue. Der Berliner ist Koch des Jahres beim Feinschmecker.

von Thorsten Firlus-Emmrich

Die Gourmetführer sind sich in vielen Fällen uneinig über die Qualität eines Restaurants. Einzelne haben einen schweren Stand bei den Testern - die auch mal über den Porsche des Chefkochs lästern.

Sie mögen ihn einfach nicht. 2008 heißt es, dass sie „geduldig auf seine weitere Entwicklung warten“ nachdem sie ihm seine erfolgreiche Nachbarn aufgezählt haben – so wie Eltern Kinder wissen lassen, dass ihr Geschwister doch immer artig sei. 2010 schreiben sie, dass „man sich nicht wundert, dass es hier mittags oft so leer ist“ und 2012 mokieren sie sich über die Wahl seines Fahrzeugs, ein Porsche Cayenne und orakeln über die psychologischen Hintergründe dieser Wahl und was wohl für ein Gefährt herauskäme, dass so wäre wie seine Speisenkombinationen. Langjährige Leser des Gault Millau wissen: Claus-Peter Lumpp vom Restaurant Bareiss im Hotel Bareiss kann bei den Testern mit der Fähigkeit messerscharf am Tatbestand der Beleidigung vorbeizuschreiben, nicht landen. Bei allen anderen schon. Drei Sterne im Guide Michelin, 4,5 von 5 Punkten beim Feinschmecker, und bei allen anderen: Höchstnote.

Einige Köche spalten die Geister

Was wie eine bemerkenswerte Ausnahme wirkt, ist nicht so selten. Die sieben konkurrierenden Gastroführer haben ihre Lieblinge. Einige mögen alle. Andere spalten die Geister. Das dieses Jahr wohl auffälligste Beispiel ist Tim Raue. Der Berliner mit der schweren Kindheit, der dicken gefällig geschriebenen Biographie, der Kodderschnauze und den zahlreichen Auftritten in Talkshows ist Koch des Jahres beim Feinschmecker. Der Gault Millau verleiht ihm erstmals vier Mützen und 19 von 20 Punkten. Dem Varta-Führer ist’s wohl zu unfestlich und vergibt gerade mal zwei von fünf Diamanten, auch der Feinschmecker mag nicht mehr als 4 von 5 F vergeben und der Michelin wedelt Raue mit dem 2. Stern nur vor der Nase herum – bekommen hat er ihn als Hoffnungsträger auch in der Ausgabe 2012 noch nicht. Raue polarisiert, als Mensch, aber auch mit seiner Küche. Und wer den Kopf mit einer sehr persönlichen Note weit aus dem Fenster steckt, der kann nicht Everybody’s Darling sein – obwohl alle in seinem Restaurant das gleiche Essen bekommen. Eine asiatisch inspirierte Hochküche, die auf Mehl, Kristallzucker und Sättigungsbeilagen verzichtet. Die ist einzigartig in Deutschland und immer eine Aromenachterbahn mit viel Schärfe. Das bricht so sehr aus den üblichen Mustern, dass darüber die Meinungen auseinandergehen.

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