Gewerkschaft: Verdi wirft Post Vertragsbruch vor

Gewerkschaft: Verdi wirft Post Vertragsbruch vor

, aktualisiert 28. Januar 2015, 14:14 Uhr
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Neue Zusteller sollen mit geringeren Löhnen bezahlt werden - die Gewerkschaft Verdi will das nicht hinnehmen

Im Tauziehen um niedrigere Löhne für Paketboten will Verdi sich nicht mit der Post an einen Verhandlungstisch setzen. Stattdessen wirft die Gewerkschaft der Post nun Vertragsbruch vor.

Andrea Kocsis schien keine Lust zu haben, sich sarkastische Bemerkungen zu verkneifen. „Ein Verhandlungsangebot über die Medien – auch interessant“, kommentierte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende ein Verhandlungsangebot der Deutschen Post. Melanie Kreis, die Post-Personalchefin der Post, hatte Verdi in einem Interview ein Entgegenkommen angeboten – doch die Gewerkschaft will davon nichts wissen. „Es ist für uns heute keine Option, jetzt an den Verhandlungstisch zu kommen“, erteilte Kocsis der Post eine klare Absage.

Das Tauziehen zwischen der Gewerkschaft Verdi und der Deutschen Post DHL um niedrigere Löhne geht damit in die nächste Runde. Die Stimmung ist geladen, denn Verdi will keinen Zentimeter nachgeben.

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Neue Boten, niedrigere Löhne

Seit vergangener Woche diskutieren die beiden Parteien die Pläne der Deutschen Post, neue Paketboten zu niedrigeren Löhnen als bisher einzustellen. Die Post, die über einen Haustarif mit Verdi eigentlich an bestimmte Lohnvorgaben gebunden ist, hat dazu zum Jahresanfang extra neue Gesellschaften mit dem Namen Delivery GmbH gegründet. Dort sollen die neuen Paketboten und auch die bisher nur befristet bei der Post angestellten Boten unterkommen – zu den Bedingungen der regionalen Logistiktarifverträge. Und damit zu rund 20 Prozent weniger Lohn. Wer bereits einen unbefristeten Arbeitsvertrag hat, soll hingegen weiterhin nach dem Haustarif bezahlt werden.

Die Deutsche Post begründet diesen Schritt mit dem zunehmenden Wettbewerb im Markt. Um mit den günstigeren Konkurrenten mithalten zu können, müsse das Lohnniveau gesenkt werden. Mit den neuen Gesellschaften habe die Post die Möglichkeit das „Paketgeschäft mit konkurrenzfähigen Löhnen auf eine belastbare und zukunftssichere Grundlage zu stellen, ohne die Vergütung unserer vorhandenen Beschäftigten anzutasten“, sagte der Vorstand des Paketbereichs Jürgen Gerdes.

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Verdi wirft der Post nun vor, Verträge mit der Gewerkschaft verletzt zu haben. Denn neben dem Tarifvertrag hat Verdi mit der Post auch eine Abmachung darüber, dass nicht mehr als 990 der insgesamt rund 9800 Zustellbezirke an fremde Unternehmen ausgelagert werden dürfen. Konkurrenten der Post, wie zum Beispiel Hermes oder DPD, lagern ihre Zustellung komplett an sogenannte Subunternehmer aus und sparen dadurch Geld.

In der Vereinbarung zwischen der Post und Verdi sei explizit festgehalten, dass die Post auch an eine eigene Tochterfirma keine weiteren Zustellbezirke abgeben dürfe, sagte Verdi-Experte Stephan Teuscher.

„Das ist etwas, dass die Sozialpartnerschaft im Kern erschüttert“, sagte Kocsis. Verdi müsse sich nun Gedanken darüber machen, was Verträge mit der Deutschen Post überhaupt noch Wert seien. Die Gewerkschaft werde nun beraten, welche Schritte sie ergreifen wolle.

Auch rechtliche Schritte gegen das Vorgehen der Post werden geprüft. Ein Streik, so Kocsis, sei allerdings das letzte Mittel. Und das wird Verdi wohl nur einsetzen, wenn die Post die Gewerkschaft beim Tauziehen doch noch gefährlich schnell in die falsche Richtung zieht.

Mit Material von Reuters

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