Gewinneinbruch: Bahnchef Rüdiger Grube droht mit weiteren Preiserhöhungen

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Rüdiger Grube

von Christian Schlesiger und Reinhold Böhmer

Die Deutsche Bahn wird ihr zuletzt genanntes Gewinnziel von 2,6 Milliarden Euro deutlich verfehlen. Das werden auch die Kunden spüren.

„2012 hatten wir ein Spitzenjahr. Das werden wir 2013 nicht erreichen“, sagte Bahn-Chef Rüdiger Grube im Interview mit der WirtschaftsWoche. „Beim Umsatz liegen wir zwar auf Vorjahresniveau, aber im Ergebnis zeigen sich Spuren“, so der Bahn-Chef. „Wir rechnen zum Jahresende immerhin noch mit einem Ergebnis von über zwei Milliarden Euro.“ Ursprünglich hatte die Bahn einen Gewinn auf dem Vorjahresniveau von 2,8 Milliarden Euro eingeplant und ihr Gewinnziel im Mai auf 2,6 Milliarden Euro zurückgenommen.

Das Ergebnis werde besonders durch höhere Personal- und Energiekosten sowie eine schärfere Regulierung belastet. Zudem seien die Folgen der Unwetter dieses Jahres erheblich. „Ohne Hochwasser lagen die witterungsbedingten Schäden in diesem Jahr bei mehr als 100 Millionen Euro - ein trauriger Rekord.“ Auch das Elbehochwasser habe durch Infrastrukturschäden und Umsatzausfall einen dreistelligen Millionenbetrag gekostet. „Gleichzeitig kostet uns die Energiewende bereits fast 100 Millionen Euro pro Jahr. Wenn jetzt noch für die Eisenbahn in Deutschland ein hoher dreistelliger Millionenbetrag dazukäme – was manche leider diskutieren –, würde sich das sofort in deutlich höheren Ticketpreisen niederschlagen“, drohte Grube.

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Erste Brückensperrungen drohen

Die Infrastruktur der Bahn ist in so schlechtem Zustand, dass Bahn-Chef Rüdiger Grube die ersten Brückensperrungen nicht mehr ausschließt. „Ja, leider sind wir nicht mehr weit davon entfernt“, sagte Grube im Interview mit der am Montag erscheinenden WirtschaftsWoche. „Im Schnitt hält eine Brücke 100 Jahre lang. Fast jede dritte der 25.000 Eisenbahnbrücken in Deutschland ist aber älter. Bei 1400 Brücken besteht dringender Sanierungsbedarf“, unterstreicht der Bahn-Chef. „Mit der derzeitigen Finanzausstattung schaffen wir pro Jahr aber nur 125 Brücken. Das Geld reicht nicht. Und die Folgen einer Sperrung wären dramatisch.“

Die Bahn habe das Szenario inzwischen am Beispiel einer wichtigen Brücke im Frankfurter Hauptbahnhof berechnet und verheerende Folgen für den Bahnverkehr ermittelt. „Dadurch wäre das gesamte Netz in Deutschland betroffen, weil Züge aus Hamburg, Berlin und Dresden umgeleitet werden müssten. Wir würden auf einen Schlag pro Tag 33.000 Verspätungsminuten ansammeln. Das wären rund 130 Prozent mehr als an einem durchschnittlichen Tag."

Den Sanierungsstau bei der Bahn beziffert Grube auf inzwischen 30 Milliarden Euro. „Allein ein Drittel unserer 3397 Stellwerke stammt noch aus Kaiserzeiten. Das Durchschnittsalter liegt bei 47 Jahren.“ Deshalb fordert Grube deutlich mehr Mittel vom Bund für die Sanierung der Infrastruktur. „Wir brauchen 1,2 Milliarden Euro mehr pro Jahr für das bestehende Schienennetz.“ Derzeit investieren Bund und Bahn rund drei Milliarden Euro ins Netz.

Doppelstock-Züge von Bombardier kommen erst 2015

Die Auslieferung der 27 Doppelstockzüge von Hersteller Bombardier, die die Deutsche Bahn im Fernverkehr einsetzen will, verzögert sich erneut. „Die waren eigentlich für Ende 2013 bestellt", sagte Bahn-Chef Grube im Interview. "Wenn alles gut läuft, bekommen wir die Züge Mitte 2015“, kritisiert Grube. „Wahrscheinlich wird sich die Lieferung eher in die zweite Jahreshälfte 2015 verschieben. Die Doppelstock-Züge werden uns also fast zwei Jahre später als geplant zur Verfügung stehen. Das ärgert uns sehr.“ Bislang war von einer Lieferverzögerung von mehreren Monaten die Rede.

Auch bei der Auslieferung der 17 ICEs von Siemens kommt es zu weiteren Verzögerungen. „Bis heute hat uns Siemens keinen verbindlichen Lieferplan genannt“, kritisierte Grube in demInterview. Die Bahn wartet bereits seit 2011 auf die Auslieferung von 17 ICEs. „Wir testen zwar gerade die ersten zwei Züge, aber es fehlt noch immer die Zulassung, damit wir auch Passagiere transportieren dürfen.“

Dabei gibt Grube dem Eisenbahnbundesamt eine erhebliche Mitschuld an den Verzögerungen. „Entwicklung und Bau eines Zuges dauern rund fünf Jahre, zwei Jahre davon benötigt allein die Zulassung. In Deutschland stehen zurzeit fertig produzierte Züge mit einem Wert von rund einer Milliarde Euro in den Produktionshallen und warten auf das Okay der Behörde“, so Grube. „Der Vertreter eines Zugherstellers hat bei der EU-Kommission in Brüssel kürzlich vor versammelter Mannschaft gesagt: Der beste Business-Case wäre es, sich vom Standort Deutschland zurückzuziehen.“ Die Folge sei, dass mit Siemens und Alstom überhaupt nur noch zwei Hersteller bereit seien, Schnellzüge für den deutschen Markt zu bauen. „Andere Hersteller tun sich den ­Ärger in Deutschland erst gar nicht an.“

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