Grenze zu Mexiko: Sie haben die Absicht eine Mauer zu bauen

Grenze zu Mexiko: Sie haben die Absicht eine Mauer zu bauen

, aktualisiert 04. April 2017, 12:52 Uhr
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Wo aktuell noch ein Grenzzaun steht, soll bald eine Mauer gebaut werden. Die ersten Unternehmen haben sich nun für das Projekt beworben und sorgen sich um Angriffe auf die Baustelle.

Quelle:Handelsblatt Online

Heute endet die Ausschreibungsfrist für den Bau der Mauer zu Mexiko. Für Unternehmen ist der Auftrag höchst lukrativ – doch fürchten sie um die Sicherheit der Arbeiter. Denn mit Attacken auf die Baustelle ist zu rechnen.

San DiegoDer geplante Bau einer Mauer an der Grenze zwischen den USA und Mexiko könnte für die beteiligten Firmen ein höchst lukratives Geschäft werden. Doch gleichzeitig bereiten sie sich auch auf das Schlimmste vor. „Was passiert, wenn die Bauarbeiter angegriffen werden?“, fragte einer der Unternehmer, der ein Angebot abgeben wollte. Ein anderer wollte wissen, ob seine Angestellten denn Waffen tragen und in einem Notfall auch ungestraft einsetzen dürften.

Die Nachrichtenagentur AP bekam exklusiven Einblick in den Bieterprozess um den Bau des Prestigeprojekts von US-Präsident Donald Trump. Um für die ersten ausgeschriebenen Bauaufträge der Regierung in Frage zu kommen, mussten Firmen eigentlich bis vergangene Woche ihre Angebote abgeben. Wegen Dutzender Fragen wie oben wurde die Frist aber um sechs Tage verlängert – bis zu diesem Dienstag. Deutsche Firmen wie Hochtief oder Bauer haben bereits erklärt, sich nicht beteiligen zu wollen.

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Damit ist die erste Phase des hochumstrittenen Projekts abgeschlossen. Aus den eingegangenen Angeboten werden bis Anfang Juni vier bis zehn Unternehmen ausgewählt, die dann Prototypen für die Mauer in Grenznähe errichten sollen, wie die AP aus informierten Kreisen erfuhr. Geplant sei derzeit, dass diese auf einem rund 400 Meter langen Streifen knapp vor der Grenze südlich von San Diego entstehen sollen.

Eine endgültige Entscheidung sei aber noch nicht gefallen. Jeder Prototyp soll 30 Meter lang und zwischen 5,5 und 9 Meter hoch sein. Allein die Prototypen sollen die Regierung nach Schätzungen schon je zwischen 200.000 und 500.000 Dollar kosten.

Die Grenzschutzbehörde und die Polizei sollten – wenn nötig – eine Pufferzone rund um die Baustelle einrichten, sagte die Gewährsperson. Einige Gruppen haben bereits Proteste gegen das Projekt angekündigt. „Es wird viele unterschiedliche Aktivitäten – Demonstrationen, Gebetsandachten – auf beiden Seiten der Mauer geben“, sagte Enrique Morones von der Organisation Border Angels. Die Polizei von San Diego kündigte an, die verfassungsmäßige Versammlungsfreiheit nicht einzuschränken.

Morones sagte, er hoffe, dass die Proteste friedlich bleiben werden. Doch die Stimmung ist aufgeheizt. Die geplante Mauer ist auch zu einem Symbol der tiefen Spaltung der USA geworden. Der Bauunternehmer Michael Evangelista-Ysasaga aus Texas sagte, er habe schon ein Dutzend Todesdrohungen erhalten, seit er Interesse an dem Auftrag zum Mauerbau signalisiert habe. Eine Frau habe ihm sogar gesagt, sie habe einen Privatdetektiv angeheuert, der ihm folgen sollte.


Kirche geißelt mexikanische Baufirmen

Evangelista-Ysasaga erklärte, er sei für eine umfassende Einwanderungsreform. Das sei auch einer der Gründe, warum er ein Gebot abgegeben habe. Eine Absicherung der Grenze sei eine Voraussetzung dafür, dass Millionen derzeit illegal in den USA lebende Ausländer irgendwann die US-Staatsbürgerschaft bekämen. „Wir sind das nicht leichtfertig angegangen“, sagte er.

Auf der anderen Seite der Grenze ist der Unmut über die Mauer ebenfalls groß. Allerdings gibt es auch einige mexikanische Baufirmen, die am lukrativen Kuchen mitnaschen wollen. Die Erzdiözese von Mexiko bezeichnete sie vergangene Woche als Landesverräter.

Nach Angaben der US-Grenzschutzbehörde wird der Auftrag am Ende an ein einzelnes Unternehmen vergeben. Laut der Ausschreibung muss es einen Sicherheitsplan vorlegen, inklusive Fluchtrouten und Strategien im Fall eines Angriffs. Außerdem wird von der Baufirma Erfahrung bei der Umsetzung „weithin sichtbarer und politisch umstrittener“ Projekte und beim Grenzschutz erwartet.

Gerade mögliche Angriffe schienen die potenziellen Auftragnehmer am meisten zu beschäftigen, die über eine Regierungswebseite ihre Fragen einreichen konnten. Die Grenzschutzbehörde versicherte ihnen, sie würde bei Attacken auf die Baustelle eingreifen, sollte das nötig sein. Für die grundlegende Sicherheit müssten die Firmen selbst sorgen, aber natürlich nur im Einklang mit dem Gesetz. Eine Ausnahme von den Waffengesetzen in dem jeweiligen US-Staat – wie sie ein Interessent angeregt hatte – werde es für die Angestellten nicht geben, hieß es.

Quelle:  Handelsblatt Online
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