Griechenland-Tourismus boomt: Entspannen im Schuldenstaat

Griechenland-Tourismus boomt: Entspannen im Schuldenstaat

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In der griechischen Tourismuswirtschaft ist von der Krise nichts zu spüren.

von Hans-Jürgen Klesse

Finanzkrise und drohende Staatspleite: Politiker regagieren beim Thema Griechland derzeit reichlich angespannt. Touristen hingegen nutzen das Ägäis-Land so häufig zum Relaxen wie nie zuvor.

Schuldenstreit? Staatspleite? Rausschmiss aus dem Euro? Streit mit der EU? In der griechischen Tourismuswirtschaft ist von alle dem nichts zu spüren: Hellas boomt als Reiseland, der Abwärtstrend ist längst gestoppt, "dieses Jahr wird noch besser als das vergangene", hofft die stellvertretende griechische Wirtschaftsministerin Elena Kountoura. Auch bei deutschen Urlaubern steht das Ägäis-Land wieder hoch im Kurs.

Der Tourismus ist der erfolgreichste Wachstumstreiber des von Finanzkrise, Überschuldung und Staatspleite bedrohten Landes im Süden Europas: Nach ersten Schätzungen des Verbandes der Griechischen Tourismusunternehmen (SETE) und der Marketing-Organisation Marketing Greece werden in diesem Jahr rund 25 Millionen Gäste nach Griechenland reisen - mehr Touristen denn je. Nach Berechnungen  der SETE wird die Reiseindustrie damit rund 14 Milliarden Euro zum Bruttosozialprodukt des Landes beisteuern.

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Reiseziel für kaufkräftige Russen

Grundlage für die zum Auftakt der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin vorgestellten Prognosen ist das bestätigte Frühbucher-Aufkommen für die diesjährige Reisesaison und der deutlichen Anstieg der für 2015 geplanten Linienflüge nach Griechenland. Bleibt es bei der erwarteten Entwicklung, wird die Rekordzahl des vergangenen Jahres in Höhe von 24,5 Millionen Reisenden – inklusive der rund 2,5 Millionen Gäste, die das mit Kreuzfahrtschiffen besuchen – in der laufenden Saison nochmals um eine halbe Millionen übertroffen.

Die Urlaubs-Trends 2015

  • Urlaubssuche wird immer digitaler

    Laut einer Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK hat die Bedeutung von Katalogen leicht abgenommen. Demnach nutzen nur noch gut ein Drittel der Urlauber Reisekataloge, um sich über Angebote zu informieren. Das Internet ist für 45 Prozent das Urlaubs-Recherche-Tool. Glaubt man einer Analyse von Google und TUI, gilt das sogar für satte 80 Prozent aller Reisebuchungen.

  • Lieber individuell als massentauglich

    Ganz persönlich auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten - so wollen immer mehr Deutsche urlauben, so das Ergebnis der GfK-Umfrage. Demnach sind Zusatzleistungen wie der Privattransfer zum Hotel, individuelle Ausflugserlebnisse oder die Wahl zwischen verschiedenen Flugklassen für Reisende immer wichtiger und werden häufiger nachgefragt.

  • Alles schon drin bleibt in

    Auch wenn Individualität von vielen geschätzt wird, so machen es setzen die Deutschen trotzdem gerne auf eines: die All-Inclusive-Reisen. Laut GfK wuchs diese Urlaubsform weiter leicht - damit wird ein Trend der vergangenen Jahre fortgesetzt. Mittlerweile seien 24 Prozent aller Flug- und Autoreisen, die über ein Reisebüro oder einen Reiseveranstalter gebucht wurden, All-Inclusive-Reisen, so der Bericht.

  • Familien reisen mehr

    Familien sind mehr unterwegs - ob mit dem Auto oder dem Flugzeug. Laut GfK ist der Familienanteil bei beiden Reisetypen, die über ein Reisebüro oder einen Reiseveranstalter gebucht wurde, überproportional gestiegen. Allein im Vergleich zur vergangenen Saison 2013/14 stieg die Zahl der Buchungen um 20 Prozent an.

  • Mehr Luxus-Reisen

    Reisen im Luxussegment werden ebenfalls höher nachgefragt, so die GfK. Demnach werden besonders hohe Zuwächse bei Haushalten mit höherem Einkommen, sprich ein Haushaltsnettoeinkommen größer als 4000 Euro, mehr nachgefragt.

2014 lief für die hellenischen Hotel- und Restaurantbetreiber, Reiseveranstalter und sonstige touristische Dienstleister schon super: Im Vergleich zu 2013 erhöhte sich die Zahl der Reisenden um 23 Prozent, der Beitrag der Tourismusbranche zum griechischen Sozialprodukt stieg auf rund 13,5 Milliarden Euro. Insgesamt sichert die Branche rund 100.000 Arbeitsplätze im Land.

Die Erlöse aus dem Urlaubergeschäft hätten sogar noch höher ausfallen können, wenn mehr Flugkapazitäten zur Verfügung gestanden hätten. Dimitris Gerogiannis, Vorstandsvorsitzender der griechischen Fluggesellschaft Aegean Airlines, bietet seinen Kunden aus Deutschland darum mehr Direktflüge an als jemals zuvor.

"Wir verbinden in der Sommersaison sieben deutsche Städte mit Athen sowie mit unseren regionalen Flughäfen in Heraklion, Kalamata, Korfu, Rhodos und Thessaloniki", sagt Gerogiannis. "Insgesamt bedienen wir 25 Routen zwischen Deutschland und Griechenland. Über Athen erreichen unsere Gäste aus Deutschland 33 verschiedene Inlandszielen, darunter zahlreiche kleine Inseln.“       

Griechenland-Urlaub wird günstiger

Über den Aufschwung freut sich die auch für die Reiseindustrie ihres Heimatlandes zuständige Ministerin Kountoura um so mehr, weil es durchaus auch Probleme gibt: Griechenland war in den vergangenen Jahren immer mehr zum beliebten Reiseziel kaufkräftiger Russen geworden. Durch die Sanktionen des Westens wegen des Ukraine-Konflikts läuft die russische Wirtschaft inzwischen im Rezessionsmodus, der Rubel-Wechselkurs ist auf ein Rekordtief gesunken - viele Russen können sich keine Auslandsurlaube mehr leisten, eine Entwicklung, die auch Griechenland deutlich spürt.

"Aber wir sehen aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den USA und anderen Märkten Zuwächse", freut sich Kountoura. Die Zahl der Reisenden aus Deutschland etwa stieg 2014 gegenüber 2013 um 8,6 Prozent auf rund 2,5 Millionen Gäste. Mit rund zwei Milliarden Euro nahmen die Ausgaben deutscher Urlauber gegenüber dem Vorjahr um 4,6 Prozent zu.

Deutschland als wichtiger Quellmarkt dürfte nach den jüngsten Erhebungen des Markforschungsinstituts GfK von Ende Januar 2015 nochmal zulegen: Die Griechenland-Buchungen aus Deutschland steigen demnach im laufenden Jahr um zwölf Prozent - beflügelt wird die Entscheidung deutscher Urlauber für das Land auch, weil der durchschnittliche Reisepreis um ein Prozent günstiger ausfällt als im Vorjahr.

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