Griechische Flughäfen: „All-Inklusive-Paket für Fraport“

Griechische Flughäfen: „All-Inklusive-Paket für Fraport“

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Der Flughafen von Thessaloniki ist einer von 14 griechischen Flughäfen, die Fraport demnächst übernehmen wird.

von Andreas Macho

14 griechische Flughäfen werden künftig von Fraport betrieben. Doch kurz vor der Übernahme regt sich Widerstand. Der von den Griechen häufig befürchtete "Ausverkauf" werde beim Fraport-Deal Realität, so die Kritiker.

Die Flugzeit zwischen Freud und Leid beträgt eine Stunde und 45 Minuten. Auf der einen Seite, am Frankfurter Flughafen, wird Fraport-Chef Stefan Schulte am Donnerstag die aktuellen Zahlen seines Unternehmens vorlegen. Besonders erfreuen dürfte seine Aktionäre das Engagement Schultes in Griechenland. Nach zähen Verhandlungen erwarben die Frankfurter Ende vergangenen Jahres in einem Konsortium mit anderen Unternehmen für 1,2 Milliarden Euro und einer jährlichen Konzessionsabgabe von anfänglich 22,9 Millionen Euro die Betreiberkonzession für 14 griechische Flughäfen. 40 Jahre lang soll Fraport nun die größtenteils kleineren Flughäfen etwa auf Kos, Mykonos und Samos betreiben und gemeinsam mit den Minderheits-Partnern bis 2020 noch 330 Millionen Euro investieren. Bereits in wenigen Wochen soll in der griechischen Hafenstadt Thessaloniki der erste Flughafen unter der neuen Führung eröffnen.

Gewinnsprung in Sicht Fraport trotzt Passagierflaute

Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport rechnet dank hoher Sondereinnahmen aus Russland und den Philippinen in diesem Jahr mit einem dicken Gewinnsprung.

Stefan Schulte, Vorstandsvorsitzender der Fraport AG auf der Bilanz-Pressekonferenz des Flughafenbetreibers in Frankfurt am Main.

Doch in Thessaloniki und anderen griechischen Flughäfen macht sich Frust über den Deal breit. So versucht die griechische Gewerkschaft der zivilen Luftfahrt OSYPA die Übernahme durch Fraport nach wie vor mit Klagen zu vereiteln. Die Gewerkschaft kritisiert die Übernahmebedingungen scharf und spricht gar von einem „nationalen Verbrechen“. Unterstützung bekommen die griechischen Gewerkschafter auch aus Deutschland. Der Verkehrsexperte von Die Linke, Herbert Behrens, bezeichnet den Konzessions-Vertrag als „Sieg für Fraport“, aber als „Niederlage der Demokratie in Europa.“

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Privatisierung von Staatseigentum sollte Griechenland eigentlich einen Weg aus der Schuldenkrise weisen und Investoren in das gebeutelte Land locken. So machten die internationalen Geldgeber Griechenland anlässlich des dritten Hilfspakets die Auflage zu umfassenden Privatisierungen etwa von Häfen und Flughäfen. Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras, der noch zu seinem Amtsantritt sämtliche Privatisierungsprojekte stoppen wollte, wirbt nun aktiv um Investoren. Seine Parteikollegen und weite Teile der griechischen Bevölkerung hat er davon allerdings noch nicht überzeugen können, denn die Furcht vor einem „Ausverkauf“ sitzt tief. Und Verträge wie jener zwischen Griechenland und Fraport dürften diese Ängste nicht eben mildern.

Fraport Weniger Passagiere durch Terrorangst

Die Terrorangst hat Fraport in den vergangenen Monaten belastet. Der Frankfurter Flughafenbetreiber streicht seine Erwartungen für das Passagiergeschäft zusammen.

Der Frankfurter Flughafen Quelle: REUTERS

Denn der Vertrag, der der WirtschaftsWoche in Auszügen vorliegt, teilt Freud und Leid in sehr ungleichem Maße auf. So können sich Fraport und seine Miteigentümer, etwa das Land Hessen, über ein nahezu risikofreies Investment freuen. Möglich wird das, indem unzählige Risiken für den Betrieb der Flughäfen beim griechischen Staat und damit dem griechischen Steuerzahler verbleiben.

  • So hat Fraport keine Verpflichtung, Flughafenmitarbeiter zu übernehmen. Für etwaige Kündigungsentschädigungen kommt laut Vertrag nicht Fraport auf, sondern der griechische Staat.
  • Auch wenn Flughafenmitarbeiter bei Arbeitsunfällen verletzt oder getötet werden, muss nicht Fraport zahlen, sondern der griechische Staat.
  • Gegen etwaige Risiken am Standort hat sich Fraport in dem Vertrag umfassend abgesichert: So hat Fraport bei Flugausfällen aus technischen Gründen oder wegen Streiks etwa Anspruch auf Entschädigung. Ebenfalls entschädigt wird Fraport, wenn dem Unternehmen aufgrund einer Gesetzesänderung zusätzliche Betriebskosten erwachsen.
  • Wegen etwaiger veralteter Maschinen an den Flughäfen ist Fraport ebenfalls frei von Risiken: Für Reparaturen oder den Ersatz alter Maschinen muss der griechische Staat aufkommen.
  • Von zahlreichen Steuerabgaben ist Fraport in Griechenland weitgehend befreit. So muss das Frankfurter Unternehmen weder Steuern auf Immobilien zahlen, noch für die Abwasserentsorgung, Müllabfuhr oder kommunale Beleuchtung aufkommen.

Fraport bezeichnet die Konzessionsverträge auf Nachfrage der WirtschaftsWoche als „angemessen gestalteten Rahmen“ und ist „unverändert davon überzeugt, dass das Projekt der Privatisierung der 14 griechischen Regionalflughäfen für alle Beteiligten Vorteile und langfristigen Nutzen bringen wird“. Fraport spricht von Vorteilen sowohl für die lokale Wirtschaft, die Tourismusindustrie als auch die Touristen selbst.

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