Grüne Hölle Rock: Nürburgring-Festival vor Verlegung auf Schalke

exklusivGrüne Hölle Rock: Nürburgring-Festival vor Verlegung auf Schalke

, aktualisiert 30. März 2015, 15:24 Uhr
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Noch wirbt "Grüne Hölle Rock" mit dem Veranstaltungsort Nürburgring.

von Florian Zerfaß

Am Nürburgring zoffen sich Rennstreckenbetreiber CNG und Konzertveranstalter Deag wegen der Kosten für das Rockfestival „Der Ring – Grüne Hölle Rock“ Ende Mai. Eine Absage oder Verlegung sind im Gespräch – jetzt zeigt sich: Die Reise könnte nach Gelsenkirchen gehen.

Im Streit um die Zukunft des Rockfestivals am Nürburgring zeichnet sich eine Alternative im Ruhrpott ab: Wie die WirtschaftsWoche aus Branchenkreisen erfuhr, hat der Berliner Konzertveranstalter Deag für das letzte Mai-Wochenende die Veltins-Arena auf Schalke reserviert – das Stadion in Gelsenkirchen, in dem sonst Fußball-Bundesligist FC Schalke 04 seine Heimspiele austrägt. Nachdem Deag-Chef Peter Schwenkow die Information auf Anfrage zunächst nicht kommentieren wollte, hat das Unternehmen den Bericht der WirtschaftsWoche mittlerweile in einer Ad-Hoc-Mitteilung bestätigt.

Die Deag treibt damit eine Alternative voran, sollte es an der Rennstrecke nicht zu einer Einigung  mit dem Betreiber Capricorn Nürburgring GmbH (CNG) kommen. Beide Seiten streiten um die Kosten für das Festival, dass eigentlich vom 29.-31. Mai unter dem Namen „Der Ring – Grüne Hölle Rock“ am Nürburgring stattfinden soll. Weil der Ticketvorverkauf miserabel läuft, sind Vorkosten in Millionenhöhe zu bedienen.

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Deag-Chef Peter Schwenkow listet in einem Schreiben an die CNG vom 17. März auf, dass nur knapp 800 000 Euro an Vorverkaufserlösen für „Der Ring“ eingegangen sind. Das Schreiben liegt der WirtschaftsWoche vor. Demgegenüber stehen bereits aufgelaufene Kosten von mehr als 3,5 Millionen Euro – und Schwenkow weist darauf hin, dass bis Ende März weitere Vorauszahlungen für Künstlergagen von fast 1,27 Millionen fällig werden.

Grüne Hölle Rock Rock-Streit eskaliert, Deag-Aktie verliert

Der Zoff um "Grüne Hölle Rock" wird schmutzig: Rennstreckenbetreiber CNG und Veranstalter Deag überziehen sich mit Vorwürfen. Während die Deag einen Umzug nach Gelsenkirchen plant, wird der Festivalärger zur Belastung.

Für Peter Schwenkow, den Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutsche Entertainment AG, wird das Festival "Der Ring- Grüne Hölle Rock" immer mehr zum Problemfall. Quelle: dpa

CNG hat Vertragsauflösung vorgeschlagen

Da die Vorverkaufserlöse nicht ausreichen, um die Vorkosten zu decken, fordert Schwenkow die CNG mit einer kurzen Frist auf, „Liquidität zur Verfügung zu stellen.“ Seiner Ansicht nach muss sich die CNG an den Kosten beteiligen, weil eine hälftige Aufteilung der Kosten vereinbart sei. Die Frist lief am Freitag ab, ob die CNG gezahlt hat, ist bisher nicht bekannt.

Die CNG wiederum hat der Deag bereits ein Angebot für eine Auflösung des Fünfjahresvertrags für das Festival gemacht, was Schwenkow aber zurückweist. „Den Bedingungen der von Ihnen vorgeschlagenen Vertragsaufhebung“, heißt es in dem Schreiben, könne er nach Rücksprache mit dem Aufsichtsrat „nicht zustimmen“.

Die zehn größten Musikfestivals nach Umsatz 2014

  • Rang 10

    Das Bravalla Festival in Schweden zog im vergangenen Jahr fast 60.000 Besucher an. Die spülten 16,3 Millionen US-Dollar in die Kassen der Betreiber.

    Quelle: Pollstar

  • Rang 9

    70.000 Besucher lockten die Betreiber von Rock im Park im vergangenen Jahr nach Nürnberg. Damit machten sie einen Umsatz von 16,7 Millionen US-Dollar.

  • Rang 8

    Das Lollapalooza Chile spielte einen Umsatz von 16,8 Millionen US-Dollar ein. Verkauft wurden dafür 110.000 Tickets.

  • Rang 7

    Zum Stagecoach in den USA kamen 190.000 Besucher. Die Betreiber machten damit im vergangenen Jahr einen Umsatz von 18,6 Millionen US-Dollar.

  • Rang 6

    Das Outside Lands Music & Arts Festival in San Francisco lockte mehr als 200.000 Besucher. Der Umsatz betrug 19 Millionen US-Dollar.

  • Rang 5

    Rock am Ring ist das größte deutsche Festival. Im vergangenen Jahr kamen 82.000 Besucher zum Nürnburgring und sorgten für einen Umsatz von mehr als 20 Millionen US-Dollar.

  • Rang 4

    Das Lollapalooza in den USA lockte vergangenes Jahr 300.000 Festival-Besucher. Die Betreiber machten einen Umsatz von 28,8 Millionen US-Dollar.

  • Rang 3

    Zehn Millionen US-Dollar mehr spielte Austin City Limits Music in den USA ein. 450.000 Tickets verkauften die Veranstalter.

  • Rang 2

    Das zweit-umsatzstärkste Festival der Welt ist das Mysteryland – ein Festival das ebenfalls in den USA stattfindet. 48 Millionen US-Dollar betrug der Umsatz 2014. Verkauft werden mussten dafür nur 40.374 Tickets.

  • Rang 1

    Das umsatzstärkste Festival der Welt ist das Coachelle Valley Music & Arts Festival. 579.000 Besucher generierten vergangenes Jahr einen Umsatz von 78 Millionen US-Dollar.

Angesichts des Zerwürfnisses mit der CNG hatte Schwenkow der WirtschaftsWoche in der vergangenen Woche bereits bestätigt, dass er eine Verlegung des Festivals in Erwägung zieht und alternative Ausrichtungsorte prüft. Ob es zu einer Absage oder Verlegung kommt, wird sich voraussichtlich in dieser Woche entscheiden. 

Arena ist konzerttauglich – aber auch für Festivals?

Mit der Arena in Gelsenkirchen bereitet die Deag aber eine Option vor. Sollte es zur Verlegung kommen, würde das Festival im Ruhrgebiet deutlich zentraler veranstaltet als in der abgelegenen Eifel, im Einzugsgebiet des Ruhrpotts leben Millionen Menschen. Die Hoffnung dürfte sein, damit den lahmenden Ticketvorverkauf ankurbeln zu können.

Probleme mit dem Fußballclub dürfte es nicht geben: Der FC Schalke 04 bestreitet sein letztes Bundesligaspiel eine Woche vor dem Festival gegen den Hamburger SV – und das auch noch auswärts. Das letzte Heimspiel in der Arena findet bereits zwei Wochen vor dem Festival gegen den SC Paderborn statt.

Deag und Capricorn Rockfestival am Nürburgring droht das Aus

Weil der Rennstreckenbetreiber Capricorn Nürburgring (CNG) und Konzertveranstalter Deag auf keinen gemeinsamen Nenner kommen, könnte der Vertrag für das Festival "Der Ring – Grüne Hölle Rock" bald aufgelöst werden.

Das bisherige Nürburgring-Festival "Rock am Ring" ist abgewandert. Quelle: obs

Auch als Konzertstätte hat die Arena ihre Tauglichkeit bereits unter Beweis gestellt. Zahlreiche Konzerte fanden hier bereits statt, im Juni tritt Schlagerstar Helene Fischer in der Arena auf, im Juli die Rocklegenden von AC/DC. Ob die Arena deswegen für ein dreitägiges Festival zieht, bleibt aber dennoch abzuwarten.

Für viele Fans gehört das Campen zum Festival wie die Gitarre zum Rock. Campingplätze rund um die Arena bereit zu stellen dürfte schwierig werden. Zudem war es bei „Der Ring“ geplant, die zahlreichen Bands auf drei Bühnen zu verteilen. Drei Spielorte für parallel laufende Auftritte zu finden stellt bei der Arena ebenfalls eine Herausforderung dar.

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1 Kommentar zu Grüne Hölle Rock: Nürburgring-Festival vor Verlegung auf Schalke

  • Und wieder ein Schadenersatzprozess gegen den Nürburgring. Gefühlt der derzeit wohl Einhundertste ! Man kann das Landgericht in Koblenz in Nürburgring-Gericht umbenennen ! Gäbe es einen Masterplan - wie zerstöre ich den Nürburgring in 24 Monaten - würde dieser genau so aussehen !
    Dank Mainz geht am Ring in wenigen Monaten das Licht endgültig aus ! Herr Beck und Fr. Dreyer zerstörten in wenigen Monaten was Generationen vorher aufgebaut haben ! Super Leistung - Danke !

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