Güterbahn DB Cargo in der Krise: Lokführer vertrödeln die Hälfte ihrer Arbeitszeit

Güterbahn DB Cargo in der Krise: Lokführer vertrödeln die Hälfte ihrer Arbeitszeit

Bild vergrößern

Gesund schrumpfen, um ab 2018 wieder Fahrt aufzunehmen.

von Christian Schlesiger

Die Güterbahn DB Cargo ist ein Sanierungsfall. Nun streicht die Deutsche Bahn tausende Stellen und kleine Bahnhöfe. Außerdem soll die Produktivität der Mitarbeiter steigen. Konzepte aus dem Luftverkehr sollen helfen.

Eigentlich ist die Güterbahn der Deutschen Bahn eine wahre Perle. Keine andere Bahn in Europa ist größer. Die Züge, die seit diesem Jahr wieder den Namen DB Cargo tragen, verteilen Stahl, Kohle und Waren über den ganzen Kontinent. Der europäische Marktanteil der Deutschen Bahn im Gütertransport auf der Schiene liegt bei stolzen 23 Prozent. Wenn eine Güterbahn das schwierige Geschäft beherrschen sollte, dann die Deutsche Bahn, könnte man meinen.

Anzeige

Doch die Realität erzählt eine andere Geschichte. Die Güterbahn ist ein Sanierungsfall. Der Umsatz im Heimatmarkt Deutschland brach um mehr als drei Prozent ein, die transportierte Gütermenge gar um vier Prozent. Der operative Verlust lag bei einem Minus von 183 Millionen Euro.

Zur Erinnerung: Deutschland boomt, die Arbeitslosigkeit liegt unter drei Millionen, die Kunden der Deutschen Bahn schreiben fette Gewinne. Die Krise der Güterbahn DB Cargo ist deshalb in Wahrheit noch viel größer.

Nun will die Deutsche Bahn gegensteuern und den Turnaround einleiten. Leider sagt sie das nicht das erste Mal, doch dieses Mal soll es wirklich klappen.

Jürgen Wilder ist der Mann, auf den es ankommt. Er ist seit vier Monaten neuer Chef von DB Cargo. Bis Dezember 2015 war er noch bei Siemens, verkaufte Hochgeschwindigkeitszüge, Lokomotiven und Nahverkehrszüge in alle Welt. Er verantwortete auch den ICx, der ab 2017 die Fernverkehrsflotte der Deutschen Bahn verstärken soll. Daher kennt man sich. Nun soll der promovierte Physiker Wilder DB Cargo wieder flott machen.

Deutsche Bahn Letzter Ausweg: Perlenverkauf

Die Deutsche Bahn steckt in einer tiefen Krise. Frisches Geld soll der Teilverkauf erfolgreicher Sparten bringen. Wie der Plan aussehen könnte.

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG, Rüdiger Grube. Quelle: dpa

Nach Informationen der WirtschaftsWoche legt Wilder nun erst einmal die Axt an. Gesund schrumpfen, lautet die Devise, um dann ab 2018 wieder Fahrt aufzunehmen. Dem Aufsichtsrat präsentierte der Vorstand nun fünf Hebel, mit denen DB Cargo wieder auf die Erfolgsspur kommen soll:

1. Robuste Netze: Die Pünktlichkeit der Züge ist heute ein Desaster. Nur magere 74 Prozent der Güterzüge waren im vergangenen Jahr pünktlich. Künftig will DB Cargo die Umläufe so optimieren, dass ein robustes Kernnetz mit Güterzügen entsteht, die störungsfrei ihre Bahnen fahren. Die neue Philosophie: Lieber kurze Pendelverkehre von A nach B statt langer Fahrten mit komplizierten Planungen. Das kennt man aus dem Luftverkehr, etwa vom Billigflieger-Primus Ryanair. Geld wird in der Luft verdient. Ein zusätzlicher Lok-Pool soll zudem kurzfristige Einsätze von Güterzügen ermöglichen.

Die wichtigsten Firmenübernahmen der deutschen Bahn

  • Stinnes/Schenker

    Sparte: Spedition

    Deutschland 2002

    Wert: 2500 Mio. Euro

  • BAX Global

    Sparte: Spedition

    USA 2006

    Wert: 1300 Mio. Euro

  • EWS

    Sparte: Schienenverkehr

    Großbritannien 2007

    Wert: 370 Mio. Euro

  • Transfesa

    Sparte: Schienenverkehr

    Spanien 2007

    Wert: 130 Mio. Euro

  • Spain-Tir

    Sparte: Personenverkehr

    Spanien 2007

    Wert: 150 Mio. Euro

  • Laing Rail

    Sparte: Spedition

    Großbritannien 2008

    Wert: 170 Mio. Euro

  • Romtrans

    Sparte: Spedition

    Rumänien 2009

    Wert: 100 Mio. Euro

  • PCC Logistik

    Sparte: Schienenverkehr

    Polen 2009

    Wert: 450 Mio. Euro

  • Arriva

    Sparte: Personenverkehr

    Großbritannien 2010

    Wert: 3000 Mio. Euro

    Quelle: Deutsche Bahn

2. Einfache Korridore: Die Abstimmung der Disponenten, die die Güterzüge der Deutschen Bahn über das Schienennetz schieben, ist derzeit eine Katastrophe. Neun Produktionszentren gibt es heute und wenn ein Zug vom Hamburger Hafen an die österreichische oder Schweizer Grenze durchbrettern soll, stören ebenso viele Verantwortliche den reibungslosen Ablauf. Künftig sollen, so der Plan, drei Güterbahn-Korridore durch Deutschland gezogen werden. Künftig werden einzelne Züge also nicht mehr an den nächsten Regionalbereich übergeben, sondern geplant wird zentral: aus einer Hand.

3. Weniger Bahnhöfe: 215 Güterverkehrsstellen, an denen beispielsweise Waren vom Lkw auf den Zug gehoben werden, sorgten 2015 für lächerliche 0,4 Prozent des Umsatzes. Dafür verursachten sie aber enorme Kosten. Die Bahn will sich deshalb von den 215 Mini-Bahnhöfen trennen und damit von 14 Prozent der Güter-Bahnhofs-Infrastruktur. Den Umsatzverlust würde man allein schon durch die eingesparten Kosten wieder reinholen. Und überhaupt sollen die Bahnhöfe nur vorübergehend geschlossen werden. Eine Reaktivierung sei jederzeit möglich.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%