Halbjahresbilanz: Fernbusse bremsen die Deutsche Bahn aus

Halbjahresbilanz: Fernbusse bremsen die Deutsche Bahn aus

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Der Vorsitzende der Deutschen Bahn AG, Rüdiger Grube

von Christian Schlesiger

Die Deutsche Bahn will noch in diesem Jahr die 40-Milliarden-Euro-Grenze knacken. Fast alle Geschäfte befinden sich auf Wachstumskurs – nur nicht der Fernverkehr. Dort drohen harte Einschnitte.

Bahnchef Rüdiger Grube ist gut gelaunt. Die Präsentation der Halbjahreszahlen der Deutschen Bahn im Berliner Marriott Hotel am Potsdamer Platz steht ganz im Zeichen von Wachstum. Fast alle Geschäftsbereiche meldeten für die ersten sechs Monate dieses Jahres ein ordentliches Plus an die Konzernmutter. Unterm Strich erhöhte sich der Gesamtumsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um knapp zwei Prozent auf 19,7 Milliarden Euro, der Gewinn nach Steuern stieg gar um 16 Prozent auf 642 Millionen Euro. Die Bahn befinde sich wieder „im Aufwärtstrend“, sagte Grube auf der Pressekonferenz.

Doch das gilt nicht überall. Der Fernverkehr steht erheblich unter Druck – mehr als erwartet. Fernbusse wildern im Kerngeschäft der Deutschen Bahn. Allein im ersten Halbjahr verlor die Bahn rund 50 Millionen Euro an die neue Konkurrenz auf der Straße. Für die zweite Jahreshälfte erwartet der Vorstand eine ähnliche Entwicklung. Man habe „die Dynamik unterschätzt“, sagt Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg. Im ICE- und Intercity-Verkehr sank der Umsatz in den ersten sechs Monaten um 1,6 Prozent auf unter zwei Milliarden Euro, der operative Gewinn brach um ein Viertel ein. Ein weiterer Grund dafür war das heftige Unwetter „Ela“ in Nordrhein-Westfalen vor ein paar Wochen.

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Nun drohen in der Konzernsparte harte Einschnitte. Die Bahn will vor allem von den teils hohen Kosten in Nebengeschäften runter. So steht der Autoreisezug auf dem Prüfstand. Die Bahn zählt pro Jahr weniger als 200.000 Fahrgäste. Das Geschäft sei „saisonal“ und „unpaarig“, sagt Homburg. Die Züge führen voll hin und leer zurück. Die Bahn fahre daher pro Jahr zweistellige Millionenverluste ein. Ab 2017 soll es alternative Angebote geben. Die Idee: Die Bahn transportiert Autos per Güterzug oder Lkw und lässt die Fahrgäste im ICE nachfahren.

Nachtzüge vor ungewisser Zukunft

Auch der Nachtzug steht vor einer ungewissen Zukunft. Vor allem auf Strecken mit starken Billigfliegern „bricht das Geschäft weg“, so Homburg. Die Nachtzüge seien zudem mit hohen Investitionen verbunden. Bis Ende 2015 „wollen wir die konzeptionelle Ausrichtung beantworten“. Damit nicht genug. Bereits vor einigen Wochen kündigte Vorstand Homburg an, den Fernverkehr „strukturell neu auszurichten“.

Trotz der schwachen Zahlen im Fernverkehr peilt der Konzern in diesem Jahr einen neuen Rekord an. Erstmals wolle die Bahn 40 Milliarden Euro Umsatz erzielen. Das Wachstum wurde vor allem von der Logistik und den Infrastruktursparten Netz und Bahnhöfe getragen. Auch der Regionalverkehr und die Güterbahnsparte entwickelten sich positiv. Beim operativen Konzernergebnis wolle man Ende 2014 „mindestens das Vorjahresniveau erreichen“, sagte Grube. 2013 lag das Ebit bei 2,2 Milliarden Euro.

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Grube hält an Zielen fest

Die soliden Zahlen wecken dennoch Zweifel, ob der Konzern die ehrgeizigen Ziele erreichen kann, die er sich bis 2020 selbst gesetzt hat. Bis dahin hat Bahnchef Grube einen Umsatz von 70 Milliarden Euro ausgerufen. Das würde bedeuten, dass der Konzern pro Jahr rund fünf Milliarden Euro mehr Umsatz machen müsste – ein rechnerisches Plus von mehr als zwölf Prozent pro Jahr. Von solchen Wachstumszahlen ist der Konzern weit entfernt. Grube hält dennoch „weiter an unseren Zielen fest“. Die Bahn bewege sich in Wachstumsmärkten und befinde sich „überall in guten Marktpositionen“, so Grube.

Klar ist jedoch, dass die Bahn dafür mindestens einen weiteren Konkurrenten schlucken müsste. Die Bahn weiß, wie riskant so ein Vorgehen ist. Der Kauf der Konzernsparte DB Arriva, die sämtliche Auslandsaktivitäten im Nahverkehr vereint, kostete die Bahn 2010 rund drei Milliarden Euro. Umsatz und Gewinn stiegen in der Sparte in den ersten sechs Monaten zwar ebenfalls an, doch unterm Strich bleibt das Geschäft margenschwach: DB Arriva erreichte gerade mal ein Ebit von 86 Millionen Euro – noch weniger als der gebeutelte Fernverkehr.

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