Halbjahresbilanz: Lufthansas schwerer Start aus der Krise

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KommentarHalbjahresbilanz: Lufthansas schwerer Start aus der Krise

von Rüdiger Kiani-Kreß

Die heutige Halbjahresbilanz der Lufthansa ist mäßig, aber besser als sie aussieht. Die aktuellen Zahlen vom Erzrivalen British Airways zeigen aber auch, welchen Weg Deutschlands größte Fluglinie noch vor sich hat.

Wenn sich Unternehmen von Grund auf umbauen, haben sie bei Ihren Bilanzvorstellungen immer ein kleines Problem. Einerseits müssen sie die Lage gut schildern, damit die Anleger ihre Aktie nicht abstrafen. Andererseits müssen sie ihre Krise deutlich schildern, damit das Personal bei den Sparanstrengungen nicht nachlässt.

Bei ihren heutigen Bilanzen gehen die Lufthansa und die IAG genannte Muttergesellschaft von British Airways und Iberia unterschiedliche Wege. Die Lufthansa gibt sich optimistisch und lobt trotz eines Einbruchs beim Nettoergebnis um 250 Millionen Euro die Fortschritte. Schließlich, so Lufthansa-Finanzchefin Simone Menne, seien die Ergebnisse aufgrund von Einmaleffekten nicht vergleichbar. Ohne die Kosten des aktuellen Sparprogramms Score und die Zusatzeinnahmen im Vorjahr wie den Verkauf des Verlustbringers BMI, so die Rechnung, sei das Ergebnis zur Jahreshälfte 230 Millionen Euro besser gewesen als im 2012. 

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Das wirkt ein wenig wie der extreme Optimismus beim Lufthansa-Konkurrenten Air Berlin oder beim Tourismuskonzern TUI, der gefühlt seit gut zehn Jahren keine zwei vergleichbaren Bilanzen mehr hatte. Doch am Ende sind die Probleme der Lufthansa doch recht klar zu erkennen. Es ist das Passagiergeschäft unter der Marke Lufthansa, das den Konzern nach unten zieht. Während etwa die eidgenössische Tochter Swiss immerhin eine operative Rendite von drei Prozent schafft und die Sanierung bei der extrem angeschlagenen Austrian Airlines riesige Fortschritte macht, ist die klassische Lufthansa-Fliegerei auch anderthalb Jahre nach Start des neuen Sparprogramms ein größerer Hemmschuh als das Frachtgeschäft, das trotz einer gewaltigen Krise noch zugelegt hat.

Und wer einen Blick in die Details des Fluggeschäfts wirft, wird kaum optimistischer. Der Durchschnittsertrag sinkt weiter, weil der Lufthansa die Premiumpassagiere der First- und Business Class fehlen. Zudem stehen Ausgaben für einen besseren Service an, die das Unternehmen lange aufgeschoben hat.

Insgesamt sind die Zahlen aber nicht schlecht. Trotz allem steigt der freie Mittelzufluss, das heißt, obwohl die Lufthansa mehr Geld denn je investiert, steigen die Geld-Reserven und die Verschuldung sinkt um gut ein Drittel.

Zu viel Optimismus ist allerdings nicht angebracht. Das zeigt ein Blick auf die Zahlen des Erzrivalen IAG, Mutter von British Airways (BA) und Iberia. Die schreibt zwar auch Verluste. Aber ein Vergleich lohnt sich dennoch. Denn der Verband hat mit der spanischen Iberia einen extremen Pflegefall am Bein, der mindestens 300 Millionen versenkt hat. Betrachtet man nur British Airways, hat die Hauptmarke einen operativen Gewinn von fast 250 Millionen Euro geschafft.

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Das liegt nicht nur daran, dass BA bereits wieder wächst wo die Lufthansa noch schrumpft. Zentral ist, dass British Airways den steinigen Weg der Lufthansa bereits deutlich früher gegangen ist und beispielsweise schon früh die eigene Verwaltung um- und abgebaut hat. Dazu haben die Briten den verlustträchtigen Kurzstreckenverkehr schon früher auf ein einigermaßen profitabel abfliegbares Netz reduziert und erhalten derzeit die ersten neuen besonders sparsamen Langstreckenflugzeuge der aktuellen Generation wie die Boeing 787, die Lufthansa frühestens zum Jahresende bestellen will.

Das kann Lufthansa-Finanzchefin Menne durchaus recht sein. So hat sie nämlich auch bei besseren Zahlen ein Argument, den Spardruck weiter aufrecht zu erhalten.

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