Hans-Otto Schrader: Darum will der Otto-Chef "Hos" genannt werden

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InterviewHans-Otto Schrader: Darum will der Otto-Chef "Hos" genannt werden

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Hans-Otto-Schrader, Chef der Otto Group rechnet mit Gewinn- und Umsatzschub.

von Henryk Hielscher

Der Chef der Otto Group, Hans-Otto Schrader, rechnet mit einem Gewinn- und Umsatzschub für den Handelskonzern und bietet seinen Mitarbeitern das Du an. Es ist der Startschuss für einen Wandel im Unternehmen.


WirtschaftsWoche Online: Herr Schrader, Sie haben Ihren 53 000 Mitarbeitern gerade das Du angeboten. Hat die Otto-Gruppe keine anderen Sorgen?
Herr Hans-Otto Schrader: Mit Sorgen hat das nichts zu tun, sondern mit Chancen. Wir wollen im Unternehmen zu einem noch stärkeren „Wir“-Gefühl kommen. Das hat viel mit flachen Hierarchien und der Bereitschaft zu tun, Verantwortung zu übernehmen. Der Weg zum „Wir“ geht einfacher über das Du. Das heißt nicht, dass es jetzt einen Duz-Zwang in der Otto Gruppe gibt, aber wer die Vorstände duzen will, der kann das tun.

Zur Person

  • Hans-Otto Schrader

    Hans-Otto Schrader, 59, übernahm 2007 die Führung über das Otto-Imperium, zu dem neben zahlreichen Handelsbeteiligungen die Finanzsparte EOS und der Logistikdienstleister Hermes gehören.

Mal ehrlich, in der Kantine sagt doch kein Mensch Hans-Otto zu Ihnen.
Stimmt. Meine Bedingung für den Duz-Vorschlag war, dass mein Kurzname Hos – für Hans-Otto Schrader – verwendet wird. Der klingt doch frischer als Hans-Otto. Und Hos höre ich jetzt tatsächlich öfter. Erst letzte Woche kam ein junger Mann vor dem Fahrstuhl auf mich zu und meinte: „Hey, ich kann jetzt Hos zu dir sagen.“ Ich sag: „Ja, klar, und wer bist du?“ „René, aus dem Social Media Team.“ Und dann kamen wir ins Gespräch, das früher so nicht zustande gekommen wäre. Das Du ist ein äußeres Zeichen, dass etwas Neues beginnt, eine Art verbaler Startschuss für unser Projekt Kulturwandel 4.0.

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Der Begriff Kulturwandel fiel zuletzt eher im Zusammenhang mit Krisenunternehmen wie der Deutschen Bank. Wie steht es um Otto?
In der Otto Group gehen wir den Wandel mit viel Rückenwind an. Unser Geschäftsjahr, das am 29. Februar endet, werden wir mindestens mit einer schwarzen Null vor Steuern abschließen. Nach den herben Verlusten im Vorjahr haben wir damit einiges erreicht, zumal wir stärker gewachsen sind als der Markt. Die Otto Group wird 2015/16 ein Plus von mehr als vier Prozent erreichen und den Umsatz auf rund 12,5 Milliarden Euro steigern.

Das klingt zwar viel, aber Onlinehändler wie Amazon oder Zalando steigerten ihre Umsätze um mehr als 20 Prozent. Warum hinken Sie so hinterher?
Wenn sie die Zahlen unserer US-Tochter Venus sehen mit rund 50 Prozent plus oder unsere Modeplattform Collins mit einem Wachstum von 240 Prozent, dann verblassen Amazon und Zalando (lacht).

Sie vergleichen die Wachstumsraten von Milliardenkonzernen mit denen Ihrer Start-ups?
Auch bei Kernunternehmen wie Otto, Bonprix oder MyToys brummt das Geschäft. Insgesamt stiegen unser E-Commerce-Umsätze um 400 Millionen Euro auf 6,6 Milliarden Euro. Aber wir sind nun mal nicht nur Händler, sondern mit Töchtern wie Hermes auch Logistiker und Dienstleister. Die dritte Säule ist unsere Finanzsparte. Insofern lässt sich die Otto Group nicht direkt mit reinen Onlineanbietern vergleichen. Zudem hatten wir in Frankreich und Russland auch in diesem Jahr erhebliche Probleme.

Werden Sie sich aus dem russischen Markt zurückziehen?
Die Inflation zieht in Russland an, die Löhne sinken, die Arbeitslosigkeit steigt. Da ist es kein Wunder, dass die Russen weniger einkaufen und die Umsätze im Handel gesunken sind. Aber wir schreiben dort operativ keine Verluste mehr und haben als Marktführer im Versandhandel eine starke Position, die wir nicht so schnell aufgeben wollen. Wir bleiben im Markt und setzen darauf, dass sich die Lage wieder aufhellt.

Ist Durchhalten die richtige Strategie? Auch in Frankreich gibt es seit Jahren Probleme. Wie lange wollen Sie sich das Drama noch ansehen?
Wir haben in Frankreich in den vergangenen Jahren sehr viel getan, um die Handelskonzepte unserer Tochter 3SI Group zu retten. Ich muss nur leider feststellen, dass unsere Pläne bisher nicht aufgegangen sind. Bis zu den französischen Sommerferien werden wir eine größere Klarheit haben.

In Deutschland hat das Erotikunternehmen Beate Uhse vor wenigen Tagen den letzten Katalog gedruckt und will nur noch in Läden und über das Internet verkaufen. Wann erscheint der letzte Otto-Katalog?
Solange unsere Kunden Kataloge wünschen, werden wir Kataloge drucken. In einigen Sortimenten erhöhen wir die Auflagen derzeit sogar, setzen die Kataloge aber verstärkt als Werbeinstrumente ein, um die Onlineumsätze zu befeuern. Bei der Einzelgesellschaft Otto erzielt der dicke Hauptkatalog gerade noch rund sieben Prozent des Umsatzes.

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