Hapag-Lloyd auf Börsenkurs: Hamburger Reederei widersteht dem Abwärtssog

Hapag-Lloyd auf Börsenkurs: Hamburger Reederei widersteht dem Abwärtssog

, aktualisiert 26. August 2015, 14:50 Uhr
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Die Hamburger Reederei Hapag-Lloyd steuert auf einen Börsengang zu. Doch die Bedingungen sind schwierig: Die Preise für die transportierten Container sinken weltweit.

von Jacqueline Goebel

Seit Monaten springen die Preise in der Containerschifffahrt auf und ab. Darunter leiden selbst die größten Reedereien, auch Hapag-Lloyd. Doch die Hamburger steuern gegen - und halten ihren Kurs für einen Börsengang.

Eigentlich ist die Stimmung auf den Weltmeeren schlecht. Seit Anfang des Jahres sind die Transportpreise - in der Schifffahrt Raten genannt - auf unterstem Niveau. Egal, was die Reedereien auch versuchen, nach jeder neuen Preiserhöhung stürzen die Raten wieder nach unten. Die Kurve des Preisindex für die Route zwischen Shanghai und Rotterdam hüpft deshalb auf und ab. Vor einigen Wochen lag es auf einen historischen Tiefstand. Selbst große Reedereien werden von den Schwankungen der Preise langsam seekrank.

Die Hamburger Reederei Hapag-Lloyd aber steuert gegen: Nach sieben Krisen-Jahren machte die Reederei im zweiten Quartal einen Gewinn von 157,2 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum schrieb Hapag-Lloyd noch einen Verlust von 173,3 Millionen Euro. "Auch wenn das Marktumfeld herausfordernd bleibt, sind wir sehr gut im Markt positioniert", sagte Vorstandschef Rolf Habben Jansen.

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Hapag-Lloyd galt lange als Sorgenkind der Branche. Für das vergangene Geschäftsjahr noch musste der neue Vorstandsvorsitzende Rolf Habben Jansen unter dem Strich einen Verlust von 604 Millionen Euro rechtfertigen - den zweithöchsten in der Konzerngeschichte. Seit dem hat sich die Hamburger Reederei wieder aufgerappelt. Auch wenn der durchschnittliche Preis pro transportiertem Standardcontainer um neun Prozent sank, die Reederei hielt Kurs. Damit nähert sich Hapag-Lloyd langsam einem wichtigen Ziel dem Börsengang.

Die Hamburger verkrafteten die sinkenden Ratenpreise damit weitaus besser als manche ihrer Konkurrenten, selbst als das Branchenvorbild Maersk. Bei der weltgrößte Reederei, die zum dänischen Konzern A. P. Møller-Mærsk gehört, sanken die Raten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 14 Prozent. Der Gewinn nach Steuern ging deshalb um 40 Millionen Dollar auf 507 Millionen Dollar zurück.

Schuld an den niedrigen Raten ist die Überkapazität auf den Weltmeeren. Vor allem auf den Routen zwischen Asien und Europa sind mehr Schiffe unterwegs, als benötigt werden. Die Raten auf dieser Strecke schwankten in den vergangenen Monaten besonders stark, auch weil die Reedereien immer wieder gezielt versuchten, zum Monatsanfang die Preise hochzusetzen. Der Effekt hielt meist nur ein paar Tage an. Maersk ist auf dieser Route besonders stark - Hapag-Lloyd hingegen konzentriert sich eher auf die Routen Richtung Amerika. Außerdem konzentriert sich Hapap-Lloyd unter dem neuen Chef Habben Jansen auf ertragsstärkere Transporte, zum Beispiel von besonders schweren Maschinen oder Bauteilen, aber auch von Nahrungsmitteln, die in speziellen Kühlcontainern über die Weltmeere reisen. Doch diese Geschäfte dürften keine allzu große Wirkung auf den Gewinn haben.

Hapag-Lloyd vor dem Börsengang

Der wichtigste Fakrot für die guten Zahlen von Hapag Lloyd ist jedoch der Zusammenschluss mit der chilenischen Reederei CSAV im vergangenem Jahr. Die Fusion bringt viele Vorteile: Mehr Größe, mehr Macht, niedrigere Kosten. So stieg die Menge der transportierten Container und Ladungen bei Hapag-Lloyd in diesem Quartal fast um 30 Prozent an, weil die Reederei dank der Schiffe von CSAV nun über eine größere Flotte verfügt.

Vor allem aber wollen die Unternehmen durch den Zusammenschluss ihre Kostenstruktur verschlanken: Rund 300 Millionen Dollar pro Jahr wollte Hapag-Lloyd dadurch ursprünglich einsparen. Nach den ersten beiden guten Quartalen zeigt sich die Reederei sogar noch optimistischer und verspricht bereits 400 Millionen Dollar Synergien ab dem Jahr 2017.

Der Optimismus dürfte vor allem die Großaktionäre der lange kriselnden Reederei erfreuen. Vor allem das Tourismusunternehmen Tui, das knapp 14 Prozent an Hapag-Lloyd hält, drängt auf einen schnellen Börsengang. Aber auch der Speditionsmagnat Klaus Michael Kühne, mit 20,75 Prozent beteiligt, und die Stadt Hamburg, die 23,23 Prozent hält, warten schon lange darauf, dass sich ihre Investitionen in Hapag-Lloyd auch mal auszahlen.

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Doch an einen Börsengang wage er sich erst nach drei bis fünf guten Quartalen, hat Reederei-Chef Rolf Habben Jansen oft genug gesagt. Nun kann er bereits zwei gute Quartale abhaken. Damit steigern sich die Chancen, dass die Reederei bereits in diesem Herbst den Schritt an das Parkett wagt. In Frankfurt wird darüber schon lange spekuliert, bestätigt hat die Reederei die Gerüchte bisher nicht.

Die Mitarbeiter am Hamburger Ballindamm wissen aus Erfahrung, dass bei einem Börsengang auch viel schiefgehen kann: Für die Reederei wäre es bereits der dritte Versuch. 2011 scheiterte der Plan, weil die Unsicherheit nach der Katastrophe im japanischen Fukushima die Stimmung an der Börse verdarb. Und ein Jahrzehnt zuvor sagte Großaktionär Tui den Börsengang ab, weil der Reiseveranstalter mit dem erzielten Preis nicht zufrieden war. Das könnte in diesem Jahr wieder passieren: Wegen dem Aktiencrash an den chinesischen Börsen ist auch in Europa die Unsicherheit groß. Ein Hindernis aber hat Hapag-Lloyd schon mal überwunden: In den Abwärtssog der fallenden Preise ist die Reederei nicht geraten.

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