Hauptstadtflughafen BER: Aufsichtsrat billigt Finanzspritze

ThemaLuftfahrt

Hauptstadtflughafen BER: Aufsichtsrat billigt Finanzspritze

, aktualisiert 30. Juni 2014, 19:18 Uhr
von Christian Schlesiger

Der Berliner Flughafen dürfte noch teurer werden als zuletzt kalkuliert, Flughafenchef Hartmut Mehdorn fordert mehr Geld - doch diesmal aus gutem Grund. Der Bund und die Länder Berlin und Brandenburg haben dem zugestimmt.

Man stelle sich einmal folgendes Szenario vor: Der neue Hauptstadt-Flughafen wird eröffnet, 36 Millionen Passagiere können von dem schicken Airport abfliegen, doch pro Jahr kommen nur 17 Millionen nach Berlin. Die Wirtschaft in der Region lahmt, die Touristen meiden die Hauptstadt der Bundesrepublik. Die Empörung in Deutschland über einen völlig überdimensionierten Flughafen wäre gigantisch. Kassel-Calden ließe grüßen.

Doch diese Vision bleibt Vision. Der Berliner Flughafen BER, sollte er irgendwann einmal eröffnen, wird schon von Anfang an aus allen Nähten platzen. Ursprünglich sollte BER eine Kapazität für 17 Millionen Passagiere vorhalten. Doch in keiner anderen Stadt wachsen die Passagierzahlen seit Jahren so erfreulich wie in Berlin. Das Terminal wird nun auf eine Kapazität von 27 Millionen Passagiere aufgemotzt. Und selbst die wird nicht reichen. Bereits im vergangenen Jahr flogen von den beiden Berliner Flughäfen Tegel und (Alt-)Schönefeld 26 Millionen Menschen ab.

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Der neue Hauptstadt-Flughafen ist also zu klein, bevor er eröffnet. Und Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn fordert nun mehr Geld. 1,1 Milliarden Euro will er von den Gesellschaftern Anfang 2015 erhalten. Damit will Mehdorn das neue Terminalgebäude zu Ende bauen, die Lärmschutzmaßnahmen finanzieren und die Entrauchungsanlage endlich in den Griff bekommen. Die Summe sollen Bund sowie die Länder Brandenburg und Berlin auf der heutigen Aufsichtsratssitzung freigeben. Und das tun sie.

20 Jahre Hauptstadtflughafen BBI - Die wichtigsten Etappen

  • Januar 1992

    Beginn der Planungen für den Flughafen mit dem Projektnamen Berlin Brandenburg International, BBI.

  • Juni 1996

    Der Ausbau des Flughafens Schönefeld sowie die Schließung der Flughäfen Tegel und Tempelhof werden beschlossen.

  • August 2004

    Das Genehmigungsverfahren für den BBI wird mit dem Planfeststellungsbeschluss abgeschlossen.

  • April 2005

    Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhängt im Eilverfahren einen weitgehenden Baustopp.

  • März 2006

    Das Gericht genehmigt in letzter Instanz den Bau des BBI unter verschärften Lärmschutzauflagen.

  • Juli 2008

    Erster Spatenstich für das Flughafen-Terminal.

  • Oktober 2008

    Nach 85 Jahren schließt der Flughafen Tempelhof.

  • Juni 2010

    Unter anderem wegen der Pleite einer Planungsfirma wird die Eröffnung von Ende Oktober 2011 auf 3. Juni 2012 verschoben.

  • Oktober 2011

    Das Bundesverwaltungsgericht gibt grünes Licht für nächtliche Flüge in Stunden am späten Abend und am frühen Morgen.

  • Januar 2012

    Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung legt die umstrittenen künftigen Flugrouten fest.

  • Mai 2012

    Vier Wochen vor dem Termin wird wegen Problemen mit der Brandschutzanlage die Eröffnung des Flughafens erneut abgesagt. Später wird Chefplaner Manfred Körtgen entlassen.

  • September 2012

    Auf Vorschlag des neuen Technikchefs Horst Amann wird die Eröffnung noch einmal verschoben und auf den 27. Oktober 2013 terminiert. Die Gesellschafter beschließen, 1,2 Milliarden Euro für Mehrkosten nachzuschießen.

  • 6. Januar 2013

    Es wird bekannt, dass der 27. Oktober als Eröffnungstermin nicht zu halten ist.

  • 16. Januar 2013

    Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) übernimmt den Aufsichtsratsvorsitz von Berlins Regierungschef Klaus Wowereit (SPD). Der Aufsichtsrat entlässt Flughafenchef Rainer Schwarz mit sofortiger Wirkung. Bis ein Nachfolger gefunden ist, soll Technikchef Amann die Betreibergesellschaft allein führen. Wann das Milliardenprojekt angesichts massiver Baumängel eröffnet werden kann, bleibt weiter ungewiss.

Der Aufsichtsrat billigte am Montag die Finanzspritze und erhöhte damit den Kostenrahmen für den drittgrößten deutschen Flughafen auf 5,4 Milliarden Euro. „Dies ist ein einstimmiger Beschluss und das ist auch Konsens“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende, Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Dabei gehen die Betreiber davon aus, dass der Neubau in Schönefeld zum Jahreswechsel 2015/2016 fertig gebaut ist - mit mehr als vier Jahren Verspätung. „Das ist noch kein Termin, das ist einfach eine Planungsannahme“, betonte Flughafenchef Hartmut Mehdorn. Er bleibe dabei, dass er am Jahresende einen Eröffnungstermin nennen wolle.

Die 1,1 Milliarden Euro teilen sich laut Mehdorn auf zu jeweils einem Drittel für den Bau, den Schallschutz und einen vorsorglichen Puffer. Das Kontrollgremium gab außerdem fünf Millionen Euro frei, um Kapazitätserweiterungen zu planen.

Die neue Kostenexplosion ist gut begründet

Mehdorn sprach von einer „ziemlich aufreibenden Sitzung“. Doch langfristig könnte selbst das noch nicht ausreichen. Inzwischen geht die Flughafengesellschaft intern offenbar davon aus, dass Berlin bis 2035 rund 50 Millionen Passagiere abfertigen können muss. Für entsprechende Investitionen etwa in den Bau einer Satelliten-Terminals wären weitere 1,4 Milliarden Euro nötig. Der Bau des neuen Airports würde dann alles in allem mit acht Milliarden Euro zu Buche schlagen.

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Das ist viel Geld. Zu viel Geld für einen neuen Flughafen. Doch anders als die Kostenexplosion in der Vergangenheit ist das zusätzliche Geld gut begründet. Die Erweiterung von Gebäuden muss finanziert werden. Mehdorn schenkt hier reinen Wein ein. Zur Erinnerung: Als die Flughafenplaner die Kapazität des BER von 17 auf 27 Millionen erweiterten, schienen alle besoffen vor Glück, den Ausbau ohne Auswirkungen auf den Kosten- und Zeitplan hinzubekommen.

Das Resultat ist ernüchternd: Vier Mal wurde der Eröffnungstermin verschoben, die Konzeption der Entrauchungsanlage ging total daneben und noch immer arbeiten die Experten an einer einheitlichen Dokumentation sämtlicher Planungs- und Bauschritte. Zudem verteuerte sich BER von 2,5 auf 5,4 Milliarden Euro.

Mehdorn handelt nicht sehr klug, wenn er den zusätzlichen Finanzbedarf als Eil-Vorlage in den mit Politikern besetzten Aufsichtsrat drückt. Vor allem Brandenburg wird wohl darauf drängen, das Thema auf eine Sonder-Sitzung zu vertagen. Doch dass BER teurer wird, daran lässt sich kaum rütteln. Als der Flughafen geplant wurde, wanderten teilweise mehr Menschen aus Berlin ab als hinzuzogen. Der künftige Passagierbedarf war schwer vorherzusehen. Man mag es deutsche Bescheidenheit nennen oder als dilettantische Fehlplanung abtun. Fakt ist: Eine Erweiterung der Flughafenkapazität kostet Geld.

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