Airport Berlin: Jetzt soll ein Beamter den BER retten

ThemaLuftfahrt

Hauptstadtflughafen BER: Jetzt soll ein Beamter den Berliner Flughafen retten

von Simon Book

Der neue Berliner Flughafenchef Lütke Daldrup ist ein Bilderbuchbeamter: spröde und pflichtbewusst. Bringt ausgerechnet so einer das Chaosprojekt BER endlich an den Start?

Engelbert Lütke Daldrup mag nicht lachen. Die Aufsichtsratssitzung der Berliner Flughafengesellschaft ist gerade zu Ende gegangen, aber der BER-Chef muss noch zur Pressekonferenz im Mercure Airport Hotel nahe dem Flughafen Tegel. Die roten Stühle und der beige-schwarz gestreifte Teppich wirken wie ein Relikt aus den Achtzigerjahren. Es ist ein schwüler Julitag. Gestern habe der Blitz eingeschlagen, sagt Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider. Die Klimaanlage sei ausgefallen. Es wurde eine „erwärmende Sitzung“, witzelt er. Lütke Daldrups Mundwinkel zuckt kein Stück.

Humor? Nicht so seine Sache. Der 60-Jährige trägt einen dunklen Anzug, schwarze Schuhe und karierte Krawatte. Als er zu Wort kommt, fühlen sich seine Sätze so drückend an wie die Luft im Raum. „Wir konzentrieren uns voll auf die Fertigstellung“, sagt er. Dem Kontrollgremium habe er detailliert den „Sachstand am BER“ erklärt.

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Seit März dieses Jahres ist Lütke Daldrup neuer Chef des Flughafens Berlin Brandenburg (FBB) und damit zuständig für die Airports in Tegel und Schönefeld. Aber vor allem für die Dauerbaustelle BER. Der Job hat schon ganz anderen den Spaß verdorben.

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Der neue BER-Chef Engelbert Lütke Daldrup will alles besser machen und noch in diesem Jahr einen Eröffnungstermin nennen. Doch zunächst macht er das, was man sonst am Beginn eines Bauprojekts macht: Risiken bewerten.

Lütke-Daldrup Quelle: dpa

Seit der geplatzten Eröffnung 2012 zählt der künftige Hauptstadtflughafen mit ihm bereits den vierten Chef. Lütke Daldrup ist dabei das Gegenteil seiner Vorgänger, allen voran ein Gegenstück zum rumpeligen, ewig rauflustigen Hartmut Mehdorn (BER-Chef Nummer zwei). Karsten Mühlenfeld (Nummer drei) war zwischenmenschlich Welten weiter als der staubtrockene Lütke Daldrup.

Und noch ein Unterschied kommt hinzu: Der Neue ist von Haus aus Karrierebeamter und kein Manager: technokratisch, spröde, preußisch pflichtbewusst. Bringt ausgerechnet so einer das Chaosprojekt BER endlich an den Start?

Der Flughafenchef empfängt persönlich an einem regnerischen Sommertag in der Hauptverwaltung, einem Backsteinensemble am Airport Schönefeld. Gut zweieinhalb Wochen sind seit der Pressekonferenz vergangen, aber wieder schwankt die Stimmung zwischen ernst und angespannt. Lütke Daldrup ist misstrauisch. Er fürchtet, so scheint es, ins falsche Licht gerückt zu werden. Bilder beim Interview? Nur, wenn er sie vor Veröffentlichung freigeben darf.

Damit ist der Ton gesetzt. Seine steife, ernste Attitüde legt Lütke Daldrup fast nie ab. Nur auf die Frage, warum ausgerechnet ein Beamter wie er es besser machen solle als die erfahrenen Manager vor ihm, lehnt er sich leicht zurück, setzt kurz ein Lächeln auf. Er wiegt die Frage: Will man ihm eine Falle stellen? Dann sagt er, schon wieder gefasst: „Ich habe langjährige Bau- und Planungserfahrung, war zehn Jahre Baubürgermeister in Leipzig, vier Jahre Baustaatssekretär auf Bundesebene und habe das Projekt als Aufsichtsrat und Flughafenkoordinator mehrere Jahre begleitet. Man wird da durchaus klüger.“ Eine Antwort wie aus einem Bewerbungsgespräch.

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