Hauptstadtflughafen BER: Nachfolger für Flughafenchef Mehdorn gesucht

Hauptstadtflughafen BER: Nachfolger für Flughafenchef Mehdorn gesucht

Nach der überraschenden Rücktrittsankündigung wollen die Flughafen-Eigentümer in den nächsten Tagen eine Lösung beraten. Ein Mehdorn-Mitarbeiter ist schon positiv aufgefallen.

Am neuen Hauptstadtflughafen hat die Suche nach einem Nachfolger für den scheidenden Geschäftsführer Hartmut Mehdorn begonnen. Der Berliner Regierende Bürgermeister und Flughafen-Aufsichtsrat Michael Müller (SPD) zeigte sich offen für eine interne Lösung und hob von den Verantwortlichen konkret Technikchef Jörg Marks hervor.

Der stellvertretende Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider legte sich dagegen nicht fest. „Erst muss über die Struktur entschieden werden, dann klären wir Personalfragen“, sagte er dem „Handelsblatt“.

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Michael Garvens und Thomas Weyer im Gespräch

Spekuliert wird für den Chefposten seit einigen Wochen - wie schon vor Mehdorns Berufung - über den Köln-Bonner Flughafenchef Michael Garvens und den Technikchef des Münchner Flughafens Thomas Weyer. Bretschneider sagte dazu nur, dies seien „Menschen, die in der Flughafenszene eine wichtige Rolle spielen“. Müller hingegen hatte sich zuvor im RBB schon gegen Garvens ausgesprochen, weil dieser sich selbst ins Gespräch gebracht habe.

Der Flughafen München stellte klar, es habe keine Gespräche mit Weyer gegeben. Der Manager wolle Spekulationen auch nicht kommentieren. Der 54-jährige Weyer war von 2004 bis 2008 Technikchef der Berliner Flughäfen; er hat seinen Wohnsitz unweit des Neubaus in Kleinmachnow.

So stiegen die Kosten des neuen Hauptstadtflughafens

  • Mehrkosten und kein Ende in Sicht

    Schon in der 15-jährigen Planungsphase stiegen die Kosten für den neuen Hauptstadtflughafen in Schönefeld. Nach Baubeginn war es nicht anders. Ein Überblick über die Entwicklung:

  • September 2006

    Erster Spatenstich für den Airport mit einer Jahreskapazität von 22 Millionen Passagieren. Der Betreiber gibt die Kosten mit 2 Milliarden Euro an, die Bruttogeschossfläche des Terminals mit 220.000 Quadratmetern.

  • Juli 2007

    Die Kapazität steigt auf 25 Millionen Passagiere, die Investitionssumme erreicht 2,2 Milliarden Euro. Die Fläche wächst auf 300.000 Quadratmeter.

  • Juni 2009

    Der Flughafen wird erneut größer – und teurer: 27 Millionen Passagiere, 2,5 Milliarden Euro Investitionskosten. Für die Kredite von 2,4 Milliarden Euro bürgen Berlin, Brandenburg und der Bund.

  • Mai 2012

    Nach der Absage der für Juni geplanten Eröffnung sickert durch, dass der Bau in Wirklichkeit mindestens 3 Milliarden Euro kostet. Dazu tragen Umbauten nach geänderten Sicherheitsbestimmungen bei, aber auch Beschleunigungsversuche auf der Baustelle. Die Terminalfläche erreicht 340.000 Quadratmeter.

  • September 2012

    Erste Finanzspritze: Bund und Länder wollen 1,2 Milliarden Euro nachlegen, so für Baukosten, Betriebskosten des leeren Terminals und den falsch veranschlagten Schallschutz. Neuer Finanzrahmen: 4,3 Milliarden Euro.

  • Juni 2014

    Die zweite Finanzspritze steht bevor: Der Flughafen benötigt nach eigenen Angaben weitere 1,1 Milliarden Euro, um den Bau und den Schallschutz für die Anwohner fertigzustellen. Geben die Gesellschafter das Geld frei, dehnen sie den Finanzrahmen damit auf über 5,4 Milliarden Euro aus.

Müller sagte: „Ich habe das Gefühl, dass es gut wäre, wenn diejenigen, die eine gute Grundlage geschaffen haben, auch in der Verantwortung bleiben.“ Alle, die bei der Sitzung am vergangenen Freitag dabei gewesen seien, hätten gute Arbeit geleistet. Marks hatte am Freitag gemeinsam mit Mehdorn eine Terminplanung für den Hauptstadtflughafen im Aufsichtsrat durchgesetzt. Der Bund äußerte sich auf Anfrage nicht zur Neubesetzung.

BER in den Griff bekommen

Mehdorn hatte am Montag seinen Rücktritt bis spätestens Juni 2015 angekündigt. Müller will noch in dieser Woche mit Vertretern des Bundes und Brandenburgs über die Nachfolge Mehdorns sprechen.

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter, fordert zwei Chefs. Es gehe „um zwei völlig unterschiedliche Aufgabenstellungen“, sagte Hofreiter MDR Info. Einerseits gehe es darum, Tegel und Schönefeld am Laufen zu halten. Andererseits müsse man das Bauprojekt in den Griff kriegen.

Der Vorsitzende des Flughafen-Untersuchungsausschusses des Berliner Abgeordnetenhauses, Martin Delius (Piratenpartei) mahnte im Inforadio des RBB eine zügige Besetzung an. Andernfalls könne auch der Eröffnungstermin 2017 wackeln.

Weitere Artikel

Unterdessen warf die CDU in Brandenburg der rot-roten Landesregierung Wählertäuschung vor. Der Aufsichtsrat hatte vor der Landtagswahl im September eine Finanzspritze von weiteren 1,1 Milliarden Euro für den Flughafen bewilligt. Am Montag gab Bretschneider bekannt, dass bei der EU-Kommission jedoch eine Freigabe von 2,2 Milliarden Euro beantragt werde.

Der Flughafen soll nach vier abgesagten Eröffnungsterminen nun im zweiten Halbjahr 2017 in Betrieb gehen, sechs Jahre später als geplant. Auch für den Aufsichtsrat wird ein neuer Vorsitzender gesucht.

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