Hauptstadtflughafen: Eröffnung im März 2013 wackelt

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Hauptstadtflughafen: Eröffnung im März 2013 wackelt

von Max Haerder

Offiziell will es der Aufsichtsrat noch nicht sagen, doch der Hauptstadtflughafen wird wohl auch im März 2013 nicht eröffnen können. Der neue Chefplaner Horst Amann will sich keinem Zeitdruck beugen. Wahrscheinlich ist ein Termin im Sommer oder Herbst.

Die Absetzbewegungen der Eigentümer hatten schon vor einigen Tagen begonnen. Klaus Wowereit zeigte sich demonstrativ skeptisch, Peter Ramsauer warnte vor definitiven Festlegungen und auch Matthias Platzeck mahnte zu Sorgfalt. Wer hören und lesen konnte, ahnte schon seit geraumer Zeit, dass der 17. März 2013 als Eröffnungstermin für den neuen Hauptstadt-Flughafen namens „Berlin Brandenburg Willy Brandt“ wieder nicht zu halten sein würde.

Nach November 2011, dem 3. Juni 2012 und März 2013 muss nun also wohl bald der nächste, der vierte Starttermin gefunden werden. Der Flughafen Willy Brandt kann sich einen neuen Slogan suchen: Noch mehr Verspätung wagen.

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Offiziell absagen wollte der Aufsichtsrat den Termin nach seiner Sitzung am Donnerstag nicht. Die definitive Entscheidung soll nun am 14. September fallen. „Wir haben ein hohes Interesse daran, einen verlässlichen Termin zu haben“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Wowereit. Was für eine Überraschung nach der peinlichen Kurzfrist-Absage Anfang Mai.

Schockierende Planungsmängel

Die Empörung über den weiteren Verzug hält sich diesmal ohnehin in Grenzen, weil die Gesellschafter des Flughafens – die Länder Berlin und Brandenburg sowie der Bund – mit dem Abgang des ehemaligen Technikchefs Manfred Körtgen ein erstes Opfer für das bisherige Chaos erbracht haben. Nach der Verpflichtung von Nachfolger Horst Amann herrscht nun ein Mann auf der Baustelle, der keinerlei Rücksicht nehmen oder sein bisheriges Tun verteidigen muss. Er kann die dementsprechend schonungslose Analyse liefern.

Amann, der bislang für den Frankfurter Flughafen tätig war, soll erschrocken bis geschockt sein über die Planungsmängel in Berlin. Seit dem 1. August ist er im Amt und nun bekommt er einige Wochen zusätzlich, um sich einen umfassenden Eindruck vom Stand der Dinge zu verschaffen.

Es gilt unter Beteiligten als ausgeschlossen, dass der neue Chefplaner den März bestätigen wird. Als denkbar gilt mittlerweile eine Eröffnung zum Sommer 2013, womöglich aber erst nach den Sommerferien, wenn der Flugbetrieb wieder ruhiger wird.

Amman hat nur einmal Gelegenheit für tabula rasa und die Möglichkeit, die bisherigen Machenschaften anderen zuzuschreiben. Sollte nur der Hauch eines Zweifels bleiben, dass er einen Termin halten kann, den andere gesetzt haben, wird er ihn stoppen. Und sich die Zeit nehmen, die es braucht, um die überkomplexe Brandschutzanlage (und alle anderen Hindernisse) endlich in den Griff zu bekommen.

Missstände müssen kommuniziert werden

Geschäftsführung und Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft haben sich im bisherigen Gang der Bauarbeiten selbst so beschädigt, dass sie kaum intervenieren werden. Im Gegenteil: Sie brauchen dringend jemanden, der in Zukunft endlich offen alle Missstände und Hindernisse kommuniziert – auch ihnen gegenüber. Bisher hält sich der unangenehme Eindruck, dass die Flughafen-Planer über Monate hinweg eine heile Welt vorspielen konnten, bis die desaströsen Zustände gar nicht mehr zu kaschieren waren. Die Aufseher waren entweder zu naiv oder fachlich zu wenig versiert – oder beides.

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Hinzu kommt, dass die Gesellschafter – namentlich Berlins Bürgermeister Wowereit, Brandenburgs Ministerpräsident Platzeck und Verkehrsstaatsekretär Rainer Bomba – genug damit zu tun haben, die jüngste Finanzierunglücke von rund 1,2 Milliarden Euro zu schließen. Der Flughafen wird schließlich nicht nur immer später fertig, sondern auch immer teurer. Gegenwärtiger Stand: fast 4,3 Milliarden.

Hierzu immerhin traf der Aufsichtsrat eine erste grundsätzliche Festlegung: Mit einem Mix aus Eigenkapital, Überbrückungskrediten und Gesellschafterdarlehen soll die Zahlungsunfähigkeit vermieden werden. Allerdings brauchen alle Beteiligten erst einen belastbaren Eröffnungstermin, um die genauen Mehrkosten errechnen zu können. Zudem muss die EU-Kommission ihr Plazet geben, wenn die öffentlichen Geldgeber Beihilfen ausreichen wollen.

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