Hauptversammlung: Was dem Post-Chef die große Show vermiest

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Hauptversammlung: Was dem Post-Chef die große Show vermiest

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Frank Appel, Chef der Deutschen Post, muss sich am Mittwoch den Aktionären stellen.

von Nele Hansen

Post-Chef Frank Appel kann auf der Hauptversammlung hervorragende Zahlen präsentieren. Einige Gesetzesvorhaben dürften ihm allerdings Sorgen bereiten.

Eigentlich könnte es eine perfekte Hauptversammlung für Post-Chef Frank Appel werden. Die Post steht gut da, alle Geschäftsbereiche sind profitabel. Der Konzern erzielte einen Umsatz von 55,5 Milliarden Euro  -   5,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Außerdem  machte die Post einen operativen Gewinn von 2,6 Milliarden Euro. Der Aktienkurs legte in den vergangenen Monaten um rund 40 Prozent zu.

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Die Stärken der Deutschen Post

  • Profitabilität

    Alle Geschäftsbereiche arbeiten profitabel.

  • Express-Geschäft

    Besonders stark ist die Post im Express-Geschäft - der Anteil der Sparte am Gesamtgewinn (Ebit) 2012 beträgt 35,9 Prozent.

  • Briefmonopol

    Die Post hat einen Anteil am deutschen Briefmarkt von 90 Prozent.

  • Fernost

    Die Post ist Marktführer in Asien. DHL hat einen Anteil von 40 Prozent im Expressgeschäft, FedEx folgt mit 21 Prozent, EMS mit 14 Prozent, UPS mit 10 Prozent, weitere Anbieter halten 15 Prozent.

Doch ein paar Probleme könnten Appel seine perfekte Show vermiesen. Denn morgen präsentiert Appel nicht nur seine Zahlen. Morgen soll auch die Novelle des Postgesetzes vom Kabinett verabschiedet werden, das die Bundesnetzagentur stärken soll. So muss die Post Porto-Tarife für Großkunden zwei Monate im Voraus von der Bundesnetzagentur genehmigen lassen. Das Gesetz sieht nach Informationen der WirtschaftsWoche auch vor, die Missbrauchsaufsicht zu stärken. Missbrauchsverfahren sollen künftig nicht mehr nur durch die Bundesnetzagentur, sondern auch auf Antrag eines betroffenen Wettbewerbers der Post in Gang gesetzt werden können.

Die Schwächen der Deutschen Post

  • Negativer Cashflow

    Obwohl die Post 2012 deutlich mehr Gewinn machte als im Vorjahr, wuchs die Nettoverschuldung auf rund zwei Milliarden Euro. Der Grund: Die Post musste Pensionsverbindlichkeiten von rund zwei Milliarden Euro finanzieren. Hinzu kam eine Umsatzsteuernachzahlung in Höhen von 482 Millionen Euro sowie eine Beihilferückforderung  von rund 300 Millionen Euro.

    Die Beihilfen hatte der Staat nach der Post-Privatisierung für Beamtenpensionen gewährt, doch die EU-Kommission hielt sie für zu hoch.

  • Weniger Briefe

    Die Post leidet unter dem sinkenden Briefgeschäft. Im Jahr 2000 wurden an Werktagen noch 72 Millionen Briefe verschickt, 2012 waren es nur noch 64 Millionen. Statt Briefen schicken immer mehr Menschen Mails.

  • E-Postbrief

    Die Post hat erhebliche Probleme beim E-Postbrief. Das Projekt De-Mail hat sie vorerst sogar eingestellt. Der 2010 gestartete E-Postbrief soll in diesem Jahr immerhin die Umsatzmarke von 100 Millionen Euro knacken - bisher macht sie nach eigenen Angaben 20 Millionen Euro Umsatz damit. Brief-Vorstand Jürgen Gerdes will dem Produkt bis 2015 Zeit geben, sich zu entwickeln. Derzeit nutzen eine Million Privatkunden, rund 4000 Mittelständler und 150 Großkunden den E-Postbrief.

  • Kosten

    Teure Verwaltung

Die Gesetzesnovelle kommt nicht ohne Grund. In der Vergangenheit war es immer wieder zu Beschwerden von Wettbewerbern gekommen, die der Post Preisdumping insbesondere beim Porto für Geschäftskunden vorwarfen. 2011 untersagte die Bundesnetzagentur die Entgelte der Post-Tochter First Mail. Zurzeit prüft die Bundesnetzagentur weitere Dumping-Vorwürfe von Wettbewerbern. Nach der jüngsten Portoerhöhung Anfang 2013 kritisierte der Bundesverband Internationaler Express- und Kurierdienste, dass die Post die hohen Margen im Briefbereich nutze, um die Paketbeförderung im Internet-Handel zu nicht kostendeckenden Preisen anzubieten. DHL Paket Deutschland biete seine Dienstleistung zu marktgerechten Preisen an, von einer Kostenunterdeckung könne keine Rede sein, sagt die Post dazu.

Anteil der Sparten an Umsatz und Gewinn

  • Brief

    Umsatz:

    2000: 34,5 Prozent

    2012: 25,2 Prozent

    Gewinn:

    2000: 74,3 Prozent (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita))

    2012: 34,0 Prozent (Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit))

  • Express

    Umsatz:

    2000: 17,7 Prozent

    2012: 23,0 Prozent

    Gewinn:

    2000: 2,8 Prozent (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita))

    2012: 35,9 Prozent (Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit))

  • Logistik und Fracht

    Umsatz:

    2000: 24,3 Prozent

    2012: 54,0 Prozent

    Gewinn:

    2000: 4,2 Prozent (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita))

    2012: 30,1 Prozent (Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit))

  • Finanzdienstleistungen

    Umsatz:

    2000: 23,5 Prozent

    2012: 0 Prozent

    Gewinn:

    2000: 18,7 Prozent (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita))

    2012: 0 Prozent (Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit))

Die Post hat einen Anteil von 90 Prozent am deutschen Briefmarkt. Der hilft ihr bei den elektronischen Briefen indes wenig. Große Erfolge konnte der E-Post-Brief bislang nicht vorweisen. Und es könnte noch schlimmer kommen: Das sogenannte E-Government-Gesetz sieht vor, dass Bundesbehörden elektronische Kontaktmöglichkeiten anbieten müssen und sieht dafür nicht den E-Postbrief der Post, sondern das Konkurrenz-Produkt De-Mail vor.

Umsatz 2012 im Vergleich mit Wettbewerbern (in Milliarden Euro)
Deutsche Post55,5
UPS40,9
FedEx32,3
Kühne + Nagel17,2
DPD (Französische Post)4
Hermes (Otto-Versand)1,9
GLS (Britische Post)1,8

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Nach Informationen von Spiegel Online schickte Jürgen Gerdes in der vergangenen Woche einen Brief an die 16 Ministerpräsidenten und warnte sie vor den Konsequenzen für die Post. Der Bundesrat beschließt das Gesetz Anfang Juni.

Im Ausland läuft es für die Post dafür bestens. In Asien sicherte sich die Post mit Abstand die Marktführerschaft und kann hier vom boomenden Geschäft profitieren.

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