Hessen: "Der Frankfurter Flughafen ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor"

ThemaLuftfahrt

InterviewHessen: "Der Frankfurter Flughafen ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor"

Bild vergrößern

Der Wirtschaftsminister von Hessen, Tarek Al-Wazir (Bündnis 90/Die Grünen) will beim Nachtflugverbot nicht nachgeben

von Mark Fehr

Hessens Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir über Lärmschutz am Rhein-Main-Airport, neue Pläne für den Finanzplatz Frankfurt und Maßnahmen gegen den grauen Kapitalmarkt.

Herr Al-Wazir, eine nationale Luftverkehrsinitiative will Nachflugverbote an Großflughäfen aufheben. Machen Hessen und sein für Geschäftsreisende und Touristen aus ganz Deutschland unverzichtbarer Frankfurter Flughafen mit?

Nachtflugverbote einzuschränken, ist eine alte Forderung der Luftfahrtlobby und kein offizielles Konzept für den deutschen Luftverkehr. Die hessische Landesregierung wird dabei auf keinen Fall mitmachen. Der Frankfurter Flughafen liegt in einer der am dichtesten besiedelten Regionen Deutschlands, und das Nachtflugverbot ist auch eine Kompensation für die hohen Belastungen am Tag. Das sieht an anderen Standorten ganz anders aus.

Anzeige

Halten Sie es für angemessen, einem wichtigen Drehkreuz wie dem Rhein-Main-Airport so enge Fesseln anzulegen?

Natürlich ist der Frankfurter Flughafen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor im Rhein-Main-Gebiet. Ich bestreite auch nicht, dass es bei den Fluggesellschaften auch negative Effekte durch das Nachtflugverbot geben kann. Allerdings musste allen Beteiligten von Anfang an klar sein, dass es die neue Nordwestlandebahn ohne ein Nachtflugverbot nicht geben wird. Mit mir als Verkehrsminister wird daran im Nachhinein auch nicht gerüttelt. Und so ganz nebenbei: Lufthansa Cargo baut hier ihr neues Frachtzentrum, und die Pünktlichkeitsraten haben Rekordwerte erreicht.

Ihre Partei und deren Koalitionspartnerin CDU wollen mehr Lärmschutz am Flughafen. Soll es bald noch weniger Flüge geben?

Man kann Anwohner vor Lärm schützen, ohne den Flugverkehr einzuschränken. Es geht um aktiven Lärmschutz. Ein kleines Beispiel: Bei bestimmten Flugzeugtypen wie dem A320 lassen sich zumindest die am Boden wahrgenommenen unangenehmen Pfeiftöne durch Montage eines sogenannten Wirbelgenerators mindern. Das klingt nach einer komplizierten Konstruktion, ist aber technisch relativ simpel. Die Lufthansa hat mit dem Einbau jetzt angefangen. Mein Ziel ist es, dass solche Maßnahmen belohnt werden, indem die Start- und Landegebühren nach Lärmaufkommen noch weiter gespreizt werden: Die Fluggesellschaften, die ihre Flotte leiser machen, sparen, die mit lauteren Fliegern  müssen künftig mehr zahlen.

Fluglärm Frankfurter Flughafen: Hessen will mehr Geld von lauten Fliegern

Hessens Minister für Wirtschaft und Verkehr stellt sich gegen die Forderung der Luftfahrtlobby, das strikte Nachtflugverbot an deutschen Großflughäfen wie dem Rhein-Main-Airport aufzuheben.

Flugzeug auf dem Flughafen Frankfurt Quelle: dpa

Können Sie die neuen Gebühren quantifizieren?

Um mal ein Beispiel zu nennen. Für einen A380 beträgt der lärmabhängige Anteil am Startentgelt in Frankfurter derzeit  715 Euro . Bei einer alten Boeing 747-200 liegt das Entgelt bei 2550 Euro. Damit soll jetzt schon der Anreiz bei den Fluggesellschaften erhöht werden, Frankfurt möglichst mit den leisesten Maschinen ihrer Flotte anzufliegen. Das wollen wir noch verstärken. Auch eine andere Zahl macht das Ziel deutlich: Die Gesamtsumme der lärmabhängigen Entgelte lag im Jahr 2011 bei rund 45 Millionen  Euro, im vergangenen Jahr waren es schon 100 Millionen Euro. Ich will darauf hinwirken, dass wir da nicht stehenbleiben, sondern dass der lärmabhängige Anteil an den Start- und Landegebühren möglichst groß wird. Und ich glaube, da können wir zusammen mit der Fraport, die die Gebühren vorschlägt, und uns, die die Gebühren genehmigen, auf einen guten Weg kommen.  

Sie sind seit Januar im Amt, die Luftverkehrsaufsicht des Wirtschaftsministeriums hat seither kaum Ausnahmen vom Nachtflugverbot zugelassen. Sind sie strenger als Ihr Vorgänger?

Das wird sich erst nach Ablauf des Jahres 2014 zeigen. Bisher hatten wir kaum Schnee und daher kaum Verspätungen, die spätere Starts erforderlich gemacht hätten. Die Fluggesellschaften wissen allerdings inzwischen, dass wir die Regeln ernst nehmen, und haben sich gut auf das Nachtflugverbot eingestellt: Sie sorgen etwa dafür, dass Umsteiger nicht in Duty-Free-Shops hängen bleiben, sondern schnell weitergebracht werden. Die letzte Lufthansa-Maschine hat jetzt den planmäßigen Start um 22.15 Uhr, ist also im Normalfall gegen 22.30 Uhr in der Luft. Da gibt es also inzwischen einen Puffer, um auf Verspätungen zu reagieren, ohne die Deadline zu reißen.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%