Hochtief: Keine Milliarden-Entschädigung aus Ungarn

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Hochtief glaubt nicht an Entschädigungszahlungen nach der Insolvenz der ungarischen Fluggesellschaft Malev.

von Harald Schumacher und Rüdiger Kiani-Kreß

Die Mail aus der Hochtief-Zentrale in Essen war nur für den internen Gebrauch bestimmt und ist brisant: Demnach wirkt sich die Insolvenz der nationalen ungarischen Fluggesellschaft Malev auf den deutschen Baukonzern und Flughafenbetreiber Hochtief negativer aus als bisher angenommen.

In einem internen Vermerk des Unternehmens, der der WirtschaftsWoche vorliegt, freuen sich Konzern-Verantwortliche, sie hätten infolge der Malev-Insolvenz Anfang Februar „kritischere Headlines“ erwartet. Die seien nur ausgeblieben, weil sich „hartnäckig das Gerücht hält, Hochtief habe durch die Pleite Anspruch auf Kompensationszahlungen, also eher positive Folgen“. Das Medien-Echo zur Malev-Pleite sei deshalb, feixen die Verfasser des Vermerks, „erfreulich verhalten ausgefallen“.

Verkauf von Flughafen-Beteiligungen wird erschwert

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Dabei wissen es die Manager des Unternehmens um Vorstandschef Frank Stieler besser. Der Essener Baukonzern – seit Mai 2011 in spanischer Hand - wird seine Schadensersatzansprüche in Folge der Malev-Insolvenz gegenüber der ungarischen Regierung voraussichtlich nicht durchsetzen können. In einem so genannten White Paper vom Dezember 2011 zwischen der EU-Kommission und der ungarischen Regierung hatte Budapest laut Hochtief die Berechtigung von Schadenersatzansprüchen im Fall einer Malev-Pleite bestätigt. Die Höhe der Hochtief-Ansprüche war in Medienberichten auf bis zu 3,6 Milliarden Euro geschätzt worden. Der Baukonzern wollte sich zu den Zahlen nicht äußern. Doch Hochtief rechnet nach Informationen der WirtschaftsWoche nicht mit einer Zahlung, auch nicht in viel geringerer Höhe. Ein Hochtief-Insider bestätigte gegenüber der WirtschaftsWoche, mögliche Zahlungsverpflichtungen des hoch verschuldeten Landes seien faktisch wertlos: „Es hat keinen Zweck, das zu verfolgen“, sagte der Hochtief-Manager. Grund dafür ist offenbar die desolate Finanzlage Ungarns.

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Auf einen Geldsegen aus Budapest warten die Hochtief-Aktionäre also vergebens, auf Schäden durch die Malev-Insolvenz bleibt Hochtief als Mitinhaber des Budapester Airports folglich sitzen. Malev war für fast 50 Prozent des Passagieraufkommens in Budapest verantwortlich. Die meisten Malev-Verbindungen haben Billigfluglinien übernommen, die für neu aufgelegte Strecken in der Regel kaum oder gar keine Gebühren bezahlen.

Für Hochtief wird der geplante Verkauf seiner insgesamt sechs Flughafen-Beteiligungen jetzt noch schwieriger. Zum einen weil Einnahmen in Budapest wegbrechen, zum anderen, weil in Folge der griechischen Wirtschaftskrise auch der Flughafen Athen, an dem Hochtief beteiligt, von der Misere erfasst wird. Athen verzeichnet neben Budapest den derzeit stärksten Passagierrückgang unter Europas größten Airports.

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