IAG und Aer Lingus: "Die Fleischeraxt" Walsh kehrt nach Irland zurück

IAG und Aer Lingus: "Die Fleischeraxt" Walsh kehrt nach Irland zurück

von Rüdiger Kiani-Kreß

Mit der Übernahme von Aer Lingus gelingt der British-Airways-Mutter IAG erneut ein Lehrstück, wie Traditions-Fluglinien Golf-Airlines und Billigflieger abwehren können. Mit der Rückkehr in seine irische Heimat erhöht Unternehmenslenker Willie Walsh zudem den Druck auf Lufthansa.

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Die British-Airways-Mutter IAG ist nach monatelangem Gezerre bei der geplanten Übernahme der irischen Fluggesellschaft Aer Lingus einen großen Schritt voran gekommen. 

Auf den ersten Blick zeigt sich IAG-Chef Willie Walsh auch im Geschäftsleben als typischer Ire: hellwach, rauflustig und mit Bindung an seine alte Heimat. Immerhin ist der 53-Jährige aus Dublin mit Abschluss an der Oberschule Ardscoil Rís gerade auf dem besten Weg, mit der Muttergesellschaft von British Airways (BA) seinen alten Arbeitgeber Aer Lingus zu übernehmen. Nachdem die irische Regierung bereits zugestimmt hat, muss nur noch Ryanair seinen Anteil von knapp 30 Prozent veräußern. Tatsächlich stehen die Chancen gut und Walsh ist kurz davor, ein langjähriges Ziel zu vollenden.

Tatsächlich ist der Deal zu seinem zehnjährigen Jubiläum bei BA und IAG so wenig emotional wie Walshs bisheriges hartes Wirken im Airlinegeschäft, das ihm den Spitznamen „Slasher“, also Fleischeraxt, eingebracht hat. Aer Lingus soll eine weitere Mauer beim Bau einer Festung sein, die British Airways, den profitabelsten und wichtigsten Teil der IAG-Gruppe, vor aggressiven Konkurrenten schützt.

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Manche nennen ihn "The Slasher", die Fleischeraxt: British-Airways-Übervater Willi Walsh. Quelle: REUTERS

Manche nennen ihn "The Slasher", die Fleischeraxt: British-Airways-Übervater Willi Walsh.

Bild: REUTERS

Mit der Übernahme beherrscht Walsh nun den Westen Europas: Der IAG-Gürtel beginnt von Spanien mit den Linien Iberia sowie Vueling und führt über Irland mit Aer Lingus bis nach Großbritannien mit BA. Das bringt IAG neben mehr Umsatz vor allem einen Vorteil im Verkehr über den Atlantik über die Drehkreuze Dublin, London und Madrid. Das macht sich bezahlt: Das Geschäft mit Flügen in die USA ist groß, der Verkehr gen Lateinamerika wachstumsstark. In beiden Märkten fehlen weitgehend die Plagegeister von Europas Traditionslinien: Billigflieger und Golfairlines wie Emirates aus Dubai.

Die Ausrichtung von IAG

Die Stärke im Atlantik-Verkehr erlaubt Walsh eine Neuausrichtung des Konzerns. IAG ist groß genug, um sich auf zwei Felder zu konzentrieren: Zum einen den Amerika-Verkehr zu Lasten von Linien wie Lufthansa und Air France. Und zum anderen auf jene Flüge in Richtung Asien, mit denen BA wie in Japan oder China die Kunden schneller ans Ziel bringt als die Golflinien, die Umwege und Umsteigezeiten in Dubai oder Abu Dhabi in Kauf nehmen. Die Routen ohne diesen Zeitvorteil, darunter etwa Thailand, kann Walsh getrost Emirates & Co. überlassen.

Die wichtigsten Billigflieger in Deutschland

  • Platz 10

    Air Baltic

    Starts pro Woche: 61

    Sitze: 5990

    Strecken: 10

    Quelle: DLR: Low Cost Monitor 2/2017

  • Platz 9

    Transavia

    Starts pro Woche: 64

    Sitze: 9616

    Strecken: 19

  • Platz 8

    Vueling

    Starts pro Woche: 67

    Sitze: 12.160

    Strecken: 11

  • Platz 7

    Aer Lingus

    Starts pro Woche: 71

    Sitze: 12.354

    Strecken: 8

  • Platz 6

    Norwegian Air Shuttle

    Starts pro Woche: 106

    Sitze: 19.929

    Strecken: 33

  • Platz 5

    flybe

    Starts pro Woche: 130

    Sitze: 10.800

    Strecken: 16

  • Platz 4

    Wizz

    Starts pro Woche: 208

    Sitze: 38.590

    Strecken: 73

  • Platz 3

    Easyjet

    Starts pro Woche: 531

    Sitze: 86.868

    Strecken: 90

  • Platz 2

    Ryanair

    Starts pro Woche: 1058

    Sitze: 199.962

    Strecken: 243

  • Platz 1

    Euro-/Germanwings

    Starts pro Woche: 2595

    Sitze: 390.692

    Strecken: 516

Dazu stärkt Walsh mit der Übernahme der Iren sein bisher noch recht kleines Billiggeschäft. Aer Lingus halten zwar viele wegen ihres Alters, der vielen aggressiven Scherze von Ryanair-Chef Michael O’Leary und der Langstreckenflüge mit Business Class für eine Traditionslinie. Doch nicht zuletzt dank Walshs Vorarbeit beim Sparen hält die Linie innerhalb Europas mit den Billigfliegern recht gut mit.

In Kombination mit dem starken BA-Vielfliegerprogramm Executive Club und mehr Umsteigern im Drehkreuz Dublin kann Walsh nun nicht nur leichter Geschäftsreisende auf der Langstrecke für IAG zurückgewinnen, die bislang in Amsterdam oder Frankfurt umgestiegen sind. Mit den Billigtarifen von Aer Lingus erhöht die neue IAG auch den Druck auf die Billigkonkurrenten auf den britischen Inseln.

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