ICE 4 der Deutschen Bahn: „Der Zug geht ab wie Schmitz' Katze“

ICE 4 der Deutschen Bahn: „Der Zug geht ab wie Schmitz' Katze“

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Ein ICE 4 fährt in einen Bahnhof ein

von Christian Schlesiger

Die Deutsche Bahn stellt in Berlin ihren neuen Hochgeschwindigkeitszug vor. Die Mitarbeiter sind vom ICE 4 begeistert, die Kunden sollen es werden. Die WirtschaftsWoche hat schon mal Probe gesessen. Vieles ist gelungen, aber nicht alles wird besser.

Wenn man wissen will, wie ein neues Hightechmonster so ist, fragt man am besten die, die es am meisten nutzen. Markus Paetow fährt seit 25 Jahren als Lokomotivführer bei der Deutschen Bahn. Er hat sie alle durch: den ICE der ersten bis zur dritten Generation. Der ICE 1 sei bisher sein „Lieblingszug“, sagt er, weil er die Hochgeschwindigkeit Anfang der Neunzigerjahre auf die Schiene gebracht hat und „relativ robust“ sei.

Seit einigen Wochen testet Paetow den neuen ICE 4, den die Deutsche Bahn spätestens Ende 2017 in den Regelbetrieb übernehmen will. „Der Zug“, sagt der Bahner, „geht ab wie Schmitz' Katze“. „Er liegt wie ein Brett auf der Schiene.“ Der Zug sei luftgefedert, besser und ruhiger als jedes Vorgängermodell. „Das ist wie Schweben durch die Republik.“

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"Das Rückgrat der Fernverkehrsflotte"

Paetow ist begeistert. Seine Kollegen sind es ebenfalls. Und künftig sollen es auch die Kunden sein. Doch ob das so sein wird, hängt davon ab, ob die Fahrgäste die Innovationen, die der Bahn-Vorstand verspricht, auch wirklich schätzen werden.

Für die Deutsche Bahn ist der heutige Tag jedenfalls ein ganz wichtiger. Das Unternehmen stellt in Berlin ihren ersten ICE4 der Öffentlichkeit vor. Ein Produkt von Siemens und Bombardier. Der Zug werde „das Rückgrat der Fernverkehrsflotte“ sein, sagt Berthold Huber. Der Personenverkehrsvorstand schwärmt von der „größten und teuersten Bestellung“ in der Geschichte des Konzerns. 130 Züge im Wert von 5,3 Milliarden Euro sind geordert. Sie sollen die Metropolen im Stundentakt miteinander verbinden. „Perspektivisch zwei Mal pro Stunde“, so Huber.

Der ICE4 soll die Deutsche Bahn auch aus der Krise fahren. Er soll das Zugfahren wirtschaftlicher machen. Das könnte gelingen, weil er 22 Prozent weniger Energie verschlingt. Und er soll bis 2030 pro Jahr 50 Millionen mehr Menschen auf die Schiene bringen. „Bahnfahren ist Nutzzeit“, verspricht Huber.

Licht variiert nach Tageszeit

Innovationen gibt es einige. Viele verstecken sich im Detail. Nicht alle wirken auf den ersten Blick sinnvoll, andere durchaus. Und ob einige Verbesserungen wirklich nützlich sind, wird sich erst im Alltag zeigen.  

Ein neues Beleuchtungskonzept sieht vor, dass das Licht in Abhängigkeit der Tageszeit variiert. Ist es früh am Morgen, werden die Fahrgäste mit einem kühlen Blau empfangen. Im Laufe des Tages wechselt die Beleuchtung über hell bis orange-rot. „Das ist ein bisschen wie zu Hause, wo wir auch nicht immer das gleiche Licht haben“, sagt Fernverkehrschefin Birgit Bohle. Ihr Highlight seien jedoch die größeren Fenster. Schließlich sollen die Kunden das Zugfahren genießen, indem sie auch die Landschaft sehen.

Die Toiletten sind größer als die bisherigen Klos etwa im ICE 3. Dadurch lässt sich die Tür schließen, ohne dass man fast über den Toilettenrand steigen muss. Es ist genug Platz da, um die Tür bequem zu schließen. Besonders gut gelungen: Die Fummelei mit dem Papiertüchern soll ein Ende haben. Das Papier passt angeblich besser in den Spender. Im Test ist das der Fall.

Hochgeschwindigkeitszüge in anderen Ländern

  • Italien

    In Italien konkurrieren zwei Anbieter von Schnellzügen um die Kunden. Neben der Staatsbahn Trenitalia gibt es seit 2012 auch die privaten Italo-Züge. Italo bedient mit seinen schnellen und modernen Zügen des französischen Konzerns Alstom weniger Strecken als Trenitalia, setzt aber vor allem auf Komfort und Service. So gibt es in der ersten Klasse Essen am Platz, dazu kommen Wlan und die Möglichkeit eines eigenen Unterhaltungsprogramms. Trenitalia hat vor kurzem seinen neuen Frecciarossa 1000 präsentiert, der bis zu 400 Stundenkilometer schnell fährt. Die Freccia-Züge setzen eher auf gute Verbindungen, hohe Geschwindigkeit und wenige Haltepunkte. In den Schnellzügen beider Anbieter gilt generell eine Reservierungspflicht.

  • Spanien

    In Spanien hebt das staatliche Eisenbahnunternehmen Renfe vor allem die Pünktlichkeit der mit Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 310 Stundenkilometern fahrenden Schnellzüge hervor. Ab Herbst sollen die Waggons zunächst auf der Strecke zwischen Madrid und Barcelona mit Wlan ausgestattet werden. Der Hochgeschwindigkeitszug AVE hat im Juli 1,84 Millionen Reisende transportiert und damit einen neuen Rekord aufgestellt. Mit einem Streckennetz von knapp 3150 Kilometern ist das AVE-System im europäischen Highspeed-Sektor führend. In den kommenden Jahren soll das Netz für rund zwölf Milliarden um weitere 1850 Kilometer erweitert werden. Geplant sind außerdem 30 neue Züge im Wert von 2,65 Milliarden Euro.

  • Frankreich

    In Frankreich soll 2022 eine neue Generation des Hochgeschwindigkeitszugs TGV in Betrieb gehen. Das Modell wird vom Bahnkonzern SNCF und dem Siemens-Rivalen Alstom gemeinsam entwickelt. Der neue TGV soll billiger und sauberer werden und in der Anschaffung sowie im Betrieb mindestens 20 Prozent günstiger sein. Geplant ist außerdem, den Energieverbrauch um mindestens ein Viertel zu senken. Der erste TGV ging 1981 an den Start und war der Vorreiter der Hochgeschwindigkeitszüge in Europa. Er verbindet die wichtigsten Städte des Landes. Die mehr als 400 Kilometer von Paris bis Lyon schafft er mit teilweise über 300 Stundenkilometern in rund zwei Stunden.

  • Großbritannien

    Der wohl bekannteste Schnellzug in Großbritannien ist der Eurostar, der Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 320 Kilometern pro Stunde erreichen kann. Seit Ende 2015 ist das Modell e320 von Siemens im Einsatz und verbindet London, Paris und Brüssel. Auf der Hochgeschwindigkeitstrasse High Speed 1 (HS 1) zwischen London und dem Eurotunnel fährt aber auch der sogenannte Class 395 „Javelin“ der britischen Eisenbahngesellschaft Southeastern Railway, der 225 Stundenkilometer erreicht. Gestritten wird wegen hoher Kosten über eine Nord-Süd-Trasse (HS 2) zwischen London, Birmingham, Sheffield, Manchester und Leeds. Der Bau der Strecke soll 2017 beginnen - das Parlament hat aber bisher nur für einen Teil grünes Licht gegeben.

  • Polen

    In Polen setzt die Staatsbahn PKP auf Schnelligkeit und Komfort. Für umgerechnet etwa sieben Milliarden Euro ließ das Unternehmen seit 2012 Schienennetz, Bahnhöfe und Züge erneuern. Zum Modernisierungsprogramm gehört etwa der Kauf der elektrischen Triebzüge ED250 Pendolino des Herstellers Alstom. Sie erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von 250 Stundenkilometern. Für eine bequeme Reise sorgen ausziehbaren Sitze, individuelle Beleuchtung und Steckdosen an jedem Platz. Diesen Komfort in der Kategorie Express InterCity Premium (EIP) soll sich mittels Frühbucherrabatten jeder leisten können. Tickets gibt es ab umgerechnet 11 Euro. Ein Imbiss und sowie ein Getränk an Bord sind im Preis inbegriffen.

  • Japan

    Japans derzeit schnellster Zug ist der Shinkansen. Da der Eisenbahnbetrieb auf nationaler Ebene seit den 1980er Jahren privatisiert ist, gibt es mehrere Betreiber für die Hochgeschwindigkeitszüge. Die meist befahrene Strecke zwischen Tokio und Osaka fällt unter die Zuständigkeit des Bahnunternehmens JR Tokai. Dieses verfolgt angesichts des immer heftigeren Konkurrenzkampfes mit Billigfliegern die Ziele, schneller, komfortabler und sicherer zu werden, ohne dabei die Preise zu senken. Mit einem neuen Bremssystem sollen die rund 130 Züge zudem mit einer Höchstgeschwindigkeit von 285 km pro Stunde fahren können.

Einen komplett neuen Anstrich bekommt das Bordbistro. Künftig gibt es eine großzügige Glasvitrine, die Salate, Snacks und Kuchen in einer üppigen Auslage präsentiert. Die Mitarbeiter erhalten in der Küche mehr Platz. Der Gang zwischen Küche und Fenster wird allerdings noch schmaler. Für die Kunden wirkt das Bistro jedenfalls deutlich übersichtlicher. Das Bordrestaurant erhält einen Gepäckbereich, wo die Gäste ihre Koffer abstellen und ihre Garderobe aufhängen können.

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