ICE gegen Fernbus: Bahn kündigt Serviceoffensive an

ICE gegen Fernbus: Bahn kündigt Serviceoffensive an

von Christian Schlesiger

Erst bekämpft, dann ignoriert, jetzt gefürchtet. Die Deutsche Bahn stemmt sich gegen die Fernbusse und kündigt für März einen radikalen Strategieschwenk an.

Graffiti-Schmierereien sind Alltag bei der Bahn. Doch als die Lokomotivführer im November 2014 über mehrere Tage streikten, kostete die Beseitigung der Lacke extra viel Geld. Weil die Züge einfach so rumstanden und besonders gerne besprüht wurden. Auch deshalb schlugen die Lokführer-Streiks in der Bahn-Bilanz mit 150 Millionen Euro negativ zu Buche. Das sagte Vorstandschef Rüdiger Grube gestern auf dem Neujahrsempfang der Deutschen Bahn in Berlin.

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Die Graffiti- und Streik-Kosten waren nur eine von mehreren Hiobsbotschaften. Auch das Sturmtief ELA, das im Juni 2014 in Nordrhein-Westfalen wütete, und die Fernbusse kosteten zusammen fast 200 Millionen Euro. Grube räumte ein, dass 2014 ein Jahr der „gemischten Gefühle“ gewesen sei. Umsatz und operativer Gewinn bewegten sich „im Großen und Ganzen auf dem Niveau des Vorjahres“. Grube weiter: „Wir hatten uns mehr vorgenommen.“

Deutsche Bahn Bahn will neues Konzept für Fernverkehr vorstellen

Die Deutsche Bahn will den Fernverkehr umkrempeln. Dazu ist ein neues Konzept geplant, dass die Fahrgastzahlen weiter in die Höhe treiben soll.

Im Tarifkonflikt bei der Bahn hat die Gewerkschaft EVG mit Streiks noch vor Weihnachten gedroht. Ein Streik könne auch parallel zu Lokführerstreiks der GDL stattfinden. Quelle: dpa

Das ist milde ausgedrückt für ein wahrlich maues Geschäftsjahr. Und ein Eingeständnis der eigenen Unzulänglichkeit. Denn Grube erwähnt die Fernbusse im Zusammenhang mit externen Schocks wie Lokführer-Streik und Sturmtief. Dabei ist es die Bahn selbst, die darauf Antworten finden muss. Der Konzernchef gibt offen zu, dass die neuen Wettbewerber das Ergebnis der Bahn um rund 120 Millionen Euro belastet haben. Weil Fernbusse deutlich billiger sind. Und weil Bahnreisen plötzlich extrem teuer wirkt.

Die Deutsche Bahn will nun reagieren. Am 18. März dieses Jahres wird der Vorstand dem Aufsichtsrat eine neue Fernverkehrsstrategie vorstellen. „Wir sind dabei, unser Fernverkehrsangebot noch gezielter an die Veränderungen anzupassen, die sich derzeit im Mobilitätsmarkt vollziehen“, sagte Grube. Mit anderen Worten: Die Bahn wird ihre Strategie im Fernverkehr radikal neu ausrichten.

Wohin die Reise geht, verrät das Unternehmen nicht. Doch wer genau hin hört, kann die Stoßrichtung erahnen.

So teuer ist der ÖPNV in Deutschland

  • Vergleich der Verkehrsverbünde

    Die Preise für eine Fahrkarte schwanken in Deutschland stark, wie die folgende Übersicht zeigt. Angegeben sind je die Preise für den gesamten Verkehrsverbund. Weil sich die Verbünde unter anderem in Hinblick auf Größe, Taktfrequenz der Busse und Bahnen sowie Service-Angeboten unterscheiden, sind sie nur bedingt miteinander vergleichbar. Die Liste gibt aber einen Überblick über die Preisstrukturen des Nahverkehrs in Deutschlands Großstädten.

    Quelle: Unternehmen / WiWo-Recherche / Stand Dezember 2014

  • Berlin

    Verbund: Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg VBB
    Kurzstrecke: 1,60 Euro
    Tageskarte: 7,40 Euro
    Wochenticket: 36,50 Euro
    Monatsticket. 98,50 Euro

  • Hamburg

    Verbund: Hamburger Verkehrsverbund HVV
    Kurzstrecke: 1,50 Euro
    Tageskarte: 18,30 Euro
    Wochenticket: 52,50 Euro
    Monatsticket. 199,60 Euro

  • München

    Verbund: Münchner Verkehrs- und Tarifverbund MVV
    Kurzstrecke: 1,30 Euro
    Tageskarte: 11,70 Euro
    Wochenticket: 55,90 Euro
    Monatsticket. 203,90 Euro

  • Köln

    Verbund: Verkehrsverbund Rhein-Sieg
    Kurzstrecke: 1,90 Euro wie bisher
    Tageskarte: 24,40 Euro statt 23,80 Euro
    Wochenticket: 65,90 Euro statt 64 Euro
    Monatsticket. 247,40 Euro statt 240,20 Euro

  • Stuttgart

    Verbund: Verkehrsverbund Stuttgart VVS
    Kurzstrecke: 1,20 Euro wie bisher
    Tageskarte: 14,80 Euro statt 14,60 Euro
    Wochenticket: 71 Euro statt 70,20 Euro
    Monatsticket. 210 Euro statt 205,60 Euro

  • Düsseldorf

    Verbund: Verkehrsverbund Rhein-Ruhr VRR
    Kurzstrecke: 1,60 Euro statt 1,50 Euro
    Tageskarte: 26,70 Euro statt 26 Euro
    Wochenticket: 89,05 Euro statt 85,70 Euro
    Monatsticket. 239,90 Euro statt 231,50 Euro

  • Dortmund

    Verbund: Verkehrsverbund Rhein-Ruhr VRR
    Kurzstrecke: 1,60 Euro statt 1,50 Euro
    Tageskarte: 26,70 Euro statt 26 Euro
    Wochenticket: 89,05 Euro statt 85,70 Euro
    Monatsticket. 239,90 Euro statt 231,50 Euro

  • Essen

    Verbund: Verkehrsverbund Rhein-Ruhr VRR
    Kurzstrecke: 1,60 Euro statt 1,50 Euro
    Tageskarte: 26,70 Euro statt 26 Euro
    Wochenticket: 89,05 Euro statt 85,70 Euro
    Monatsticket. 239,90 Euro statt 231,50 Euro

  • Dresden

    Verbund: Verkehrsverbund Oberelbe VVO
    Kurzstrecke: -
    Tageskarte: 13,50 Euro wie bisher
    Wochenticket: 61,50 Euro statt 57,50 Euro
    Monatsticket. 166,50 Euro statt 156 Euro

  • Leipzig

    Verbund: Mitteldeutscher Verkehrsverbund MDV
    Kurzstrecke: 1,80 Euro
    Tageskarte: 16,60 Euro
    Wochenticket: 86,40 Euro
    Monatsticket. 258,60 Euro

  • Hannover

    Verbund: Großraum-Verkehr Hannover GVH
    Kurzstrecke: 1,50 Euro wie bisher
    Tageskarte: 8 Euro statt 7,70 Euro
    Wochenticket: -
    Monatsticket. 187 Euro statt 181 Euro

  • Nürnberg

    Verbund: Verkehrsverbund Großraum Nürnberg
    Kurzstrecke: 1,80 Euro statt 1,70 Euro
    Tageskarte: 18 Euro statt 17,50 Euro
    Wochenticket: 83 Euro statt 80,50 Euro
    Monatsticket. 255,50 Euro statt 247,80 Euro

  • Duisburg

    Verbund: Verkehrsverbund Rhein-Ruhr VRR
    Kurzstrecke: 1,60 Euro statt 1,50 Euro
    Tageskarte: 26,70 Euro statt 26 Euro
    Wochenticket: 89,05 Euro statt 85,70 Euro
    Monatsticket. 239,90 Euro statt 231,50 Euro

So sagte Grube, die Bahn werde „ein sehr attraktives Konzept vorlegen und umsetzen“, um schon im nächsten Satz mit einem einschränkenden „Aber“ fortzusetzen. „Jeder Zugkilometer, den einer unserer 260 ICEs oder rund 1.400 IC-Wagen zurücklegt, muss eigenwirtschaftlich erbracht werden.“

Damit wird klar, dass es die Hauptachsen sind, auf denen die Bahn künftig ihr Geld verdienen will. Auf den Strecken von Berlin nach Hamburg, ins Ruhrgebiet und nach Frankfurt erzielt das Unternehmen schon heute rund ein Viertel des Umsatzes. Hier wird sie wohl mehr Züge einsetzen, vielleicht in Stoßzeiten von Stunden- auf Halbstundentakte setzen.

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