Im Korruptionsprozess : Formel-1-Chef Ecclestone bricht erstmals sein Schweigen

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Im Korruptionsprozess : Formel-1-Chef Ecclestone bricht erstmals sein Schweigen

Formel-1-Boss Ecclestone äußert erstmals selbst zu den Vorwürfen der Anklage. Am 18. Verhandlungstag erzählt er den Richtern ausführlich, warum er dem Ex-Bankvorstand Gribkowsky Millionen gezahlt hat.

Im Korruptionsprozess gegen Bernie Ecclestone hat sich der Formel-1-Chef<IPO-FORM.SI> erstmals persönlich geäußert. Der 83-Jährige erläuterte am Dienstag vor dem Landgericht München, wie er dem früheren BayernLB -Vorstand Gerhard Gribkowsky einen Millionenbetrag zuschanzte. Während die Anklage dem Motorsportmanager vorwirft, er habe den Banker mit 44 Millionen Dollar bestochen, handelte es sich nach Ecclestones Darstellung um Schweigegeld, weil er von Gribkowsky bedroht worden sei. "Wir müssen diesen Kerl loswerden", zitierte Ecclestone eine damalige Übereinkunft mit einem Vertrauten.

Hintergrund ist der Ausstieg der BayernLB aus der Formel 1 vor achteinhalb Jahren. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft schmierte Ecclestone Gribkowsky, damit dieser die Formel-1-Beteiligung der BayernLB an den von Ecclestone gewünschten Investor CVC verkaufte. Gribkowsky, der wegen Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung bereits zu achteinhalb Jahren Gefängnis verurteilt wurde, hat im Ecclestone-Prozess als Kronzeuge seinen Bestechungsvorwurf bekräftigt.

Die BayernLB und die Formel 1

  • Höhepunkt der New Economy

    Es war der Höhepunkt der New Economy, als das Medienunternehmen EM.TV im Jahr 2000 bei der Formel 1 einstieg. Kurz zuvor hatte EM.TV um die Gebrüder Thomas und Florian Haffa in einem ähnlich spektakulären Deal die Rechte an der „Muppets Show“ erworben.

  • Kirch und Kredite bei der BayernLB

    Mit im Boot bei der Formel 1 war auch damals schon Bernie Ecclestone, Zampano des PS-Spektakels, mit seiner Familienstiftung. Nur wenig später ging es mit EM.TV bergab. Die Kirch-Gruppe des damaligen Medienzaren Leo Kirch kam zu Hilfe, erhielt im Gegenzug den Anteil an dem Rennzirkus und stockte ihn noch auf. Dafür musste Kirch Kredite aufnehmen, unter anderem bei der BayernLB.

  • Gribkowsky wird Motorsport-Verantwortlicher

    Die Kirch-Gruppe meldete dann 2002 Insolvenz an. Dadurch wurde die Landesbank aus München unerwartet zum Anteilseigner der Formel 1 und der damalige Risikovorstand Gerhard Gribkowsky zum Motorsport- Verantwortlichen. In der Folgezeit entwickelte sich ein Streit mit den Autokonzernen, denen die tonangebende - und profitable - Rolle Ecclestones und seiner Verbündeten ein Dorn im Auge war. Auch eine Übernahme der Formel 1 durch einen oder mehrere Hersteller oder eine Konkurrenzveranstaltung standen zur Debatte.

  • Anteilsverkauf an CVC

    Vier Jahre später verkaufte Gribkowsky die BayernLB-Anteile an den Finanzinvestor CVC Capital Partners und die Wogen glätteten sich. Das Unternehmen zählt zu den weltweit größten der Private-Equity-Branche und hat europäische Wurzeln. Hauptsitze sind Luxemburg und London.

  • Ecclestone verkaufte

    Der Finanzinvestor übernahm die Formel-1-Mehrheit durch den Erwerb der Anteile der BayernLB und von Ecclestone selbst beziehungsweise seiner Familie. Dies geschah indirekt über die neu gegründete CVC-Tochter Alpha Prema, an der Ecclestone wiederum auch selbst beteiligt ist. Der heute 82-Jährige blieb auch bei diesem Deal Chef der Formel 1. Gribkowsky rückte in den Aufsichtsrat von Alpha Prema.

Ecclestone hatte zu Prozessbeginn im April lediglich von seinen Verteidigern eine Erklärung verlesen lassen, in der er die Anschuldigungen zurückwies. Damals wollte er sich erst nach einer noch ausstehenden zweiten Vernehmung von Gribkowsky selbst äußern, die mittlerweile erst im September geplant ist.

Am Dienstag schilderte Ecclestone, wie ihn Gribkowsky immer wieder bedrängt habe. Der Banker habe die BayernLB verlassen wollen und ihn für ein Immobilieninvestment gewinnen wollen. Dafür habe Gribkowsky von ihm einen Betrag von 250 Millionen verlangt, ohne aber eine Währung zu nennen. "Ich habe ihm erklärt, dass ich nicht interessiert sei", sagte Ecclestone. Doch Gribkowsky habe nicht nachgegeben und auch eine Sache angedeutet, die Ecclestone ernsthafte Schwierigkeiten mit dem Finanzamt hätte machen können: Immer wieder habe Gribkowsky angedeutet, dass Ecclestone mit der von dem Formel-1-Chef eingerichteten Familienstiftung Bambino Erbschaftsteuer hinterzogen haben könnte. In die Stiftung hatte Ecclestone seine Formel-1-Anteile zugunsten seiner Ehefrau eingebracht.

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Zwar wollte Ecclestone nicht von Erpressung sprechen. Er einigte sich schließlich nach eigener Darstellung mit dem Chef der Stiftung, Stephen Mullens, Gribkowsky mit einem Schweigegeld abzuwimmeln. Dies habe er dem Banker in einem Dreiergespräch in einem Londoner Restaurant angeboten: "Ich war ein wenig sarkastisch, als ich ihn fragte, ob ihm 50 Millionen helfen würden", sagte der Formel-1-Chef. "Das war die billigste Versicherungspolice, die ich jemals gesehen habe." Denn wenn die britischen Behörden Zweifel an seinen Steuerangelegenheiten bekommen hätten, hätte ihn das eine Nachzahlung in Milliardenhöhe kosten können.

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