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Immer weniger Reisebüros: L'Tur macht Vertrieb zur Chefsache

von Christian Schlesiger

Europas Marktführer für Last Minute-Reisen krempelt seine Führungsstruktur um. Der Reiseveranstalter L'Tur wird immer mehr zum Vermittler von Reisen. Die Bedeutung der eigenen Shops nimmt ab.

Der Last-Minute-Reiseveranstalter krempelt Geschäftsmodell und Führungsstruktur um. Quelle: AP
Der Last-Minute-Reiseveranstalter krempelt Geschäftsmodell und Führungsstruktur um. Quelle: AP

Reisen verkaufen sich immer mehr über das Internet. Die Erkenntnis ist nicht neu, aber treibt Unternehmen zu Veränderungen. Das jüngste Beispiel: Der Vorstandschef des Reiseveranstalters L'Tur, Markus Orth, stutzt seinen Vorstand von vier auf drei Mitglieder. Künftig übernimmt Orth auch die Verantwortung für die 165 L'Tur-Shops. Der stationäre Vertrieb war bislang als eigenständiger Vorstandsbereich organisiert.

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Die Entscheidung aus dem Nordschwarzwald zeigt, dass der Verkauf von Pauschalreisen mehr und mehr in das Internet abwandert. Sie ist auch ein weiteres Warnsignal für die Reisebüro-Landschaft in Deutschland insgesamt. Die Anzahl der Filialen sinkt seit Jahren stetig. Gab es 2002 noch weit mehr als 14.000 Verkaufsstellen, waren es Ende vergangenen Jahres nur noch rund 10.000 Reisebüros. Zwar konnte jede einzelne Filiale im Schnitt seinen Filialumsatz steigern. Dennoch ist jedem klar, dass der reine stationäre Vertrieb seine besten Zeiten hinter sich hat. L'Tur-Chef Orth will den stationären Vertrieb nun "besser in die neue digitale Welt einbinden". Die Zauberlosung heißt: der "integrierte Multi-Kanal-Ansatz".

HLX

Das jüngste Portal der Branche ist das L-Tur-Produkt hlx.com - es ging im Dezember 2011 online. HLX baut komplette Urlaubsreisen mit Flug, Übernachtung und Extras von Verpflegung bis Transfers à la Minute nach den Wünschen des Kunden zusammen und vergleicht den eigenen Preis mit den Angeboten von 160 Wettbewerbern.

Im Unterschied zu vielen anderen Reise-Portalen vergleicht HLX keine vorgeschnürten Pakete, sondern greift auf 220 Millionen mögliche Kombinationen von Flug und Hotel aus dem Bestand der Reiseanbieter zu und zimmert ein persönliches Paket.

Bild: Screenshot

Die Entscheidung aus dem Nordschwarzwald zeigt auch, dass L'Tur sein Geschäftsmodell inzwischen durch lukrative Sparten erfolgreich erweitert hat. Der Anteil der verkauften Reisen über das Internet macht heute schon mehr als 50 Prozent aus.

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Insgesamt setzte das Unternehmen, das zu 70 Prozent dem britischen Reisekonzern TUI Travel gehört, im abgelaufenen Geschäftsjahr 459 Millionen Euro um – ein Plus von sieben Prozent. Insgesamt buchten rund eine Millionen Kunden eine Reise bei L'Tur. Der Online-Anteil soll weiter steigen.

Neben dem Verkauf der eigenen Veranstalter-Produkte hat L'Tur zunehmend das Vermittlungsgeschäft für TUI übernommen. So verkauft L'Tur beispielsweise Last-Minute-Produkte des Mutterkonzerns. Außerdem laufe der Verkauf von Bahn-Reisen und Kreuzfahrten "sehr erfolgreich", wie L'Tur mitteilt. "Dieser Entwicklung tragen wir mit der neuen Führungsstruktur Rechnung", sagt Orth. Vor allem im Bereich der Last-Minute-Bahnreisen hat sich L'Tur in der jüngsten Vergangenheit bei einer wachsenden Anzahl von Kunden einen Namen gemacht.

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