In der Heimat des Erzrivalen: Wie Airbus den US-Markt erobern will

In der Heimat des Erzrivalen: Wie Airbus den US-Markt erobern will

Der europäische Flugzeugriese Airbus dringt mit der Fertigung in den Vereinigten Staaten in den Heimatmarkt des großen Rivalen Boeing vor. Die Amerikaner müssen sich nun etwas einfallen lassen, um die Attacke abzuwehren.

Jetzt rückt Airbus seinem Rivalen Boeing in dessen Heimat richtig auf die Pelle. Die Jets aus dem neuen US-Werk der Europäer soll die Vorliebe amerikanischer Airlines für Maschinen aus dem Hause Boeing brechen. Am Montag übernimmt die US-Fluglinie JetBlue im neuen Airbus-Werk Mobile (Alabama) mit einem Airbus A321 den ersten in den USA zusammengebauten Flieger der Europäer.

Geht es nach Airbus, dann muss sich Boeing bald warm anziehen. Der Konkurrent aus Seattle denkt derweil über neue Modelle nach, um den wichtigsten Wettbewerber aus Toulouse in Schach zu halten.

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Die Ziele von Airbus sind hoch gesteckt. „Wir hoffen, dass wir den US-Marktanteil auch mit Hilfe des neuen Werks auf 50 Prozent steigern können“, hatte Airbus-Chef Fabrice Brégier im September gesagt. Da lief die Produktion in Alabama gerade an. Doch Brégiers Hoffnung ließ sich bereits durch Zahlen untermauern. Seit die Entscheidung für das Werk im Jahr 2012 gefallen sei, habe sich Airbus' Marktanteil einschließlich neuer Aufträge von 20 auf 40 Prozent verdoppelt.

Wiwo-Ranking: Die beliebtesten Fluggesellschaften 2015

  • Zur Studie

    Für das Mittelständler-Ranking der WiWo wurden 5142 Entscheider, Einkäufer und Nutzer befragt. Dabei standen 192 Anbieter aus 20 Branchen zur Wahl. Abstimmen durfte nur, wer im vergangenen Jahr tatsächlich Kunde war.

    Der angegebene Wert eines Unternehmens ist ein Index-Wert auf einer Skala von 0 bis 100. Der Index-Wert ergibt sich aus zwei Mittelwerten: zum einen der Mittelwert für die Kundenzufriedenheit insgesamt und zum anderen der Mittelwert der Zufriedenheiten mehrere Leistungsmerkmale (Qualität von Produkten und Leistungen, Beratungsleistung, Betreuungsleistung, Preis-Leistungs-Verhältnis, Servicequalität, Informationen und Kompetente Mitarbeiter).

    Je höher der Index-Wert ist, desto zufriedener sind die Mittelständler mit dem Dienstleister insgesamt und desto mehr stimmen sie zu, dass der Dienstleister über eine hohe Produktqualität, eine gute Beratungsleistung etc. verfügt.

    Quelle: WirtschaftsWoche/Service-Value 2015

  • Platz 9

    Alitalia

    Gesamtindex: 59,2

  • Platz 8

    Air France

    Gesamtindex: 64,3

  • Platz 7

    Germanwings/ Eurowings

    Gesamtindex: 66,3

  • Platz 6

    British Airways

    Gesamtindex: 68,3

  • Platz 5

    KLM

    Gesamtindex: 68,5

  • Platz 4

    Airberlin

    Gesamtindex: 69,0

  • Platz 3

    Delta

    Gesamtindex: 73,7

  • Platz 2

    Lufthansa

    Gesamtindex: 76,1

  • Platz 1

    Emirates

    Gesamtindex: 79,6

Da geht noch was, denkt sich die Airbus-Führung. Denn obwohl der Flugzeugmarkt als besonders global gilt und es seit der Übernahme von McDonnell Douglas durch Boeing 1997 weltweit nur noch zwei nennenswerte Anbieter von Mittel- und Langstreckenjets gab, blieben die US-Linien dem verbliebenen US-Hersteller größtenteils verbunden.

Selbst bei den Boeing-treuen Japanern brauchte es Jahrzehnte, bis Airbus die Bastion der Amerikaner knacken konnte. Jetzt soll die Heimatverbundenheit der US-Wirtschaft für Airbus spielen, hofft Brégier: „In Amerika ist es wichtig zu zeigen, dass die Flugzeuge im Land gefertigt werden.“ Die Entscheidung für die Vereinigten Staaten kommt nicht von ungefähr. Sie sind der weltgrößte Markt für Maschinen mit Standard-Rumpf, also mit nur einem Mittelgang und meist sechs Sitzen je Reihe. Airbus rechnet damit, dass die Nachfrage nach diesen Modellen kräftig zunimmt.

Einschließlich der Langstrecken-Flieger würden in Nordamerika in den kommenden 20 Jahren voraussichtlich über 5000 neue Jets benötigt, schätzt Airbus-Verkaufschef John Leahy. Weltweit erwartet er über 32 000. In den USA müssten die alternden und kerosindurstigen Flotten vieler Airlines dringend ersetzt werden, heißt es in Toulouse.

Die Nebeneinkünfte der Airlines abseits des Ticketverkaufs

  • Platz 10

    Alaska Air Group
    Jahresergebnis 2014: 921 Millionen US-Dollar
    Vorjahr: -

    Quelle: „Yearbook of Ancillary Revenue 2015” der IdeaWorksCompany

  • Platz 9

    Qantas Airways
    Jahresergebnis 2014: 1,4 Milliarden US-Dollar
    Vorjahr: Platz 09, 1,3 Milliarden US-Dollar

  • Platz 8

    easyJet
    Jahresergebnis 2014: 1,5 Milliarden US-Dollar
    Vorjahr: Platz 07, 1,4 Milliarden US-Dollar

  • Platz 7

    Lufthansa
    Jahresergebnis 2014: 1,6 Milliarden US-Dollar
    Vorjahr: Platz 08, 1,3 Milliarden US-Dollar

  • Platz 6

    Southwest
    Jahresergebnis 2014: 1,9 Milliarden US-Dollar
    Vorjahr: Platz 06, 1,6 Milliarden US-Dollar

  • Platz 5

    Ryanair
    Jahresergebnis 2014: 1,9 Milliarden US-Dollar
    Vorjahr: Platz 05, 1,7 Milliarden US-Dollar

  • Platz 4

    Air France/KLM
    Jahresergebnis 2014: 2 Milliarden US-Dollar
    Vorjahr: Platz 04: 1,7 Milliarden US-Dollar

  • Platz 3

    Delta
    Jahresergebnis 2014: 3,2 Milliarden US-Dollar
    Vorjahr: Platz 02, 2,5 Milliarden US-Dollar

  • Platz 2

    AirwaysAmerican/US Airways
    Jahresergebnis 2014 (Vorjahr): 4,7 Milliarden US-Dollar
    Vorjahr: Platz 03, 2 Milliarden US-Dollar (American)/ Platz 10, 1,1 Milliarden US-Dollar (US Airways)

  • Platz 1

    United
    Jahresergebnis 2014: 5,9 Milliarden US-Dollar
    Vorjahr: Platz 01, 5,7 Milliarden US-Dollar

Mit der Endmontage der Jets aus der A320-Modellfamilie beschränkt sich Airbus in Alabama auf die weltweit meistgefragte Flugzeugklasse. Mit deren spritsparender Neuauflage A320neo haben die Europäer ihren größten Verkaufsschlager im Angebot. Boeing hat seinem Konkurrenzmodell 737 als „737-MAX“ ebenfalls eine sparsamere Neuauflage spendiert. Während Airbus Anfang des Jahres die erste „Neo“ an die Lufthansa auslieferte, ist die „MAX“ noch in der Testphase. Bei den Aufträgen hat Airbus die Nase mit gut 4500 gegenüber knapp 3100 Maschinen bei Boeing vorn und kommt mit der Produktion kaum hinterher. Auch bei den US-Fluglinien holten die Europäer mit der „Neo“ deutlich auf.

In der Führungsetage von JetBlue musste Airbus aber niemanden mehr grundsätzlich überzeugen. Die Lufthansa-Partnerin aus New York betreibt schon über 150 Airbus-Jets. In Alabama übernimmt sie eine Maschine in der Langversion A321 mit Platz für 200 Fluggäste - ein Modell, das auch die Strategen bei Boeing unter Druck setzt. Denn Airbus hat inzwischen auch eine Version mit größerer Reichweite im Programm, die für Flüge über den Atlantik geeignet ist.

Seit dem vergangenen Jahr denkt nun Boeing laut über ein neues Modell in eben dieser Größe nach. Es wäre ein Nachfolger für den früheren Verkaufsschlager 757, dessen Produktion der Hersteller vor Jahren eingestellt hat. Laut dem „Wall Street Journal“ ist zudem eine kleinere Version der neuen 737-MAX mit rund 150 Sitzen im Gespräch, die gegen die neue C-Serie von Bombardier und den Airbus A319neo antreten könnte - die kleinere Variante der A320neo.

Um fehlende Bestellungen für die Mittelstrecke brauchen sich beide Hersteller aber bislang keine Sorgen zu machen. Ab Mitte 2019 will Airbus in seinen vier Werken monatlich 60 Maschinen der A320-Familie fertigstellen, davon vier in den USA. Jobs in Europa seien dadurch nicht in Gefahr, hatte das Management betont. In den USA werden die Flugzeuge nur zusammengesetzt, die großen Teile kommen fertig aus Hamburg. Und für jeden Job in Mobile entstünden vier neue in Europa.

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