Innovationen: Deutschland wird 3D-Druck-Land

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Innovationen: Deutschland wird 3D-Druck-Land

von Rebecca Eisert

Jetzt sind sie da: In Großstädten eröffnen 3D-Drucker-Läden für Jedermann und deutsche Maschinenbauer beweisen, dass sie auch bei der neuen Technik die Nase vorn haben. 

In der James-Bond-Parodie Austin Powers zeigt sich Bösewicht Dr. Evil überall mit einer geklonten Schrumpfausgabe seiner selbst – dem Mini-Me. Bald kann jeder einen solchen Mini Me haben – wenn auch keinen lebendigen, sondern als Mischung aus Gips, Kreide und Kunststoff. Für die originalgetreue Kopie ist kein Bildhauer notwendig, kein Maßnehmen mit Meterband und Zollstock. Der Mini-Me kommt aus dem 3D-Drucker.

Manfred Ostermeier macht es möglich. Er betreibt einen der ersten 3D-Drucker-Läden in Deutschland. „Als Fernsehjournalisten für populärwissenschaftliche Magazine wie Galileo und Abenteuer Wissen, sind wir im Rahmen einer Recherche vor zwei Jahren auf das Thema 3D-Druck gestoßen – und es hat uns nicht mehr losgelassen“, erzählt Ostermeier, den nun mit Kumpan Thomas Strenger die Geschäftsführung des neunköpfige Botspot-Team leitet.

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Hier sollen Kunden „aus nächster Nähe die Welt des 3D-Drucks in allen Facetten erleben können“, sagt er, „von Lieschen Müller bis hin zum versierten 3D-Druck-User“. Ostermeier druckt alles, was sich die Kunden wünschen – selbstkreierten Schmuck, Kunstobjekte, Häusermodelle. Und eben die Miniaturausgaben der eigenen Person. Die 15 cm Figur für 220 Euro, danach geht es in 5-cm-Schritten aufwärts bis zu 35 cm für 690 Euro. Wer eigene Entwürfe drucken lassen will, muss pro Stunde Druckzeit 22 Euro rechnen, fürs Erstellen der Druckdatei sind 65 Euro die Stunde fällig.

Übernahme im 3-D-Drucker-Markt Adelsschlag für die Nerds

Der auf Profimaschinen für 3-D-Druck spezialisierte Hersteller Stratasys will den Konkurrenten Makerbot übernehmen. Angebot und Kaufpreis belegen, welch ökonomische Bedeutung der Spielkram für Nerds bekommen hat.

In Zukunft immer öfter von Privatleuten hergestellt? Objekte aus dem 3D-Drucker. Quelle: dpa

Vieles ist möglich, aber nicht alles: „Keine Waffen, keine verfassungsfeindlichen Zeichen und Gegenstände, und nichts, was  wir für moralisch verwerflich halten“, zeigt der ehemalige Journalist die Grenzen auf. Auf den Geräten des Botspot wäre ohnehin kein Druck einer Schusswaffe möglich, weil mit Gips und Kunststoff gearbeitet wird.  Außerdem ist bei Bauteilen, die größer als  38x25x20 cm sind Schluss. So groß ist der Bauraum des Druckers.  „Aber“, verspricht Ostermeier, „nächstes Jahr kommen deutlich größere Geräte auf den Markt.“ Wer mit druckbaren Dateien ins Geschäft kommt, muss schriftlich bestätigen, dass er das Copyright besitzt. Den Druck offensichtlicher Kopien wie etwa von Lego-Steine lehnt Ostermeier prinzipiell ab.

Wer eine Kopie seiner selbst à la Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett möchte, stellt sich in den mit 60 Kameras bestückten Scanner.  Das Abtasten der Proportionen dauert weniger als eine Sekunde. „Den Scanner gibt es so nicht zu kaufen“, erzählt Ostermeier stolz, „das ist eine reine Eigenentwicklung unseres Teams. Und er ist einer der größten Europas.“  Was die Entwicklung gekostet hat, kann er kaum beziffern – insgesamt war der Invest für den Laden an der Prinzenstraße deutlich sechsstellig, allein der Drucker kostet rund 85.000 Euro. Der erledigt nach dem blitzschnellen Scan die eigentliche Arbeit. Sind die Druckdateien aufbereitet, trägt der Drucker Schicht für Schicht das Gips-Kreide-Polymer-Gemisch auf, bis nach drei bis vier Stunden das eigene kleine Ich herauskommt. Was früher nur  Kaisern und Diktatoren vorbehalten war, kann heute dank 3D-Drucker jeder Normalsterbliche in 180 Minuten bekommen: Sich selbst als Statue.

Die Idee kommt gut an. „Die Lieferzeit liegt wegen der großen Nachfrage schon bei drei bis vier Tagen“, berichtet der Chef. Im besten Fall wird die Figur über Nacht gefertigt und kann am nächsten Tag abgeholt werden. Läuft es weiter wie bisher, will das Botspot-Team bereits im ersten Geschäftsjahr schwarze Zahlen schreiben. „Wir sind auf dem besten Weg dahin“, freut sich Ostermeier. 

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