Insolventer Fernbus-Pionier: Zukunft von Deinbus.de ist gesichert

exklusivInsolventer Fernbus-Pionier: Zukunft von Deinbus.de ist gesichert

, aktualisiert 23. Dezember 2014, 09:16 Uhr
von Christian Schlesiger

Die Pleite von Deinbus.de ist abgewendet. Ein mittelständischer Investor aus Süddeutschland steigt beim insolventen Fernbusanbieter ein - und will mit neuen Linien expandieren.

Am heutigen Dienstag erhalten die 25 Mitarbeiter von Deinbus.de ihr vielleicht größtes Weihnachtsgeschenk. Die Zukunft des insolventen Fernbusanbieters aus Friedrichshafen ist vorerst gesichert. Ein mittelständischer Unternehmer aus Süddeutschland kauft das angeschlagene Start-up und wird ab 2015 mit neuem Konzept im hart umkämpften Fernbusmarkt antreten. Das erfuhr die WirtschaftsWoche aus Unternehmenskreisen.


Deinbus.de soll expandieren

"Die Verträge sind unterzeichnet", sagt der Insolvenzverwalter des Unternehmens, Christian Feketija, von der Kanzlei Winterstein in Frankfurt. Nach harten Verhandlungen sei der Verkauf an den Investor perfekt, der sich selbst öffentlich noch nicht zeigen wolle. Der Investor komme aus dem Energiesektor in Süddeutschland, so Feketija, und verfüge über langjährige Erfahrungen im Netzgeschäft. "Der Investor setzt auf ein klares Expansionskonzept."

Damit bleibt der Fernbus-Markt hart umkämpft. 2009 sorgten die drei Gründer Alexander Kuhr, Ingo Mayr-Knoch und Christian Janisch dafür, dass der Markt so richtig ins Rollen kam. Sie gründeten Deinbus.de als Mitfahrplattform und brachten die Deutsche Bahn gegen sich auf. Das Personenbeförderungsgesetz sicherte der Bahn bis dahin Exklusivrechte zu. Die Bahn klagte. Doch der Kampf David gegen Goliath ging zugunsten von Deinbus.de aus. Danach sorgte die Politik für eine Liberalisierung des Marktes.

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So teuer ist ein Monatsticket in Europas Städten

  • Amsterdam

    Monatsticket (Innenstadt): 44,7 Euro

    Anteil am monatlichen Bruttoinlandsprodukt pro Kopf: 1,9 Prozent

    Quelle: Aktuelles EMTA Barometer 2014 (Werte 2012)

  • Barcelona

    Monatsticket (Innenstadt): 50,95 Euro

    Anteil am monatlichen Bruttoinlandsprodukt pro Kopf: 1,9 Prozent

  • Berlin

    Monatsticket (Innenstadt): 77 Euro

    Anteil am monatlichen Bruttoinlandsprodukt pro Kopf: 3,3 Prozent

  • Birmingham

    Monatsticket (Innenstadt): 104,8 Euro

    Anteil am monatlichen Bruttoinlandsprodukt pro Kopf: 4,3 Prozent

  • Brüssel

    Monatsticket (Innenstadt): 52 Euro

    Anteil am monatlichen Bruttoinlandsprodukt pro Kopf: 1,5 Prozent

  • Budapest

    Monatsticket (Innenstadt): 36,06 Euro

    Anteil am monatlichen Bruttoinlandsprodukt pro Kopf: 2 Prozent

  • Copenhagen

    Monatsticket (Innenstadt): 45,02 Euro

    Anteil am monatlichen Bruttoinlandsprodukt pro Kopf: 0,9 Prozent

  • Frankfurt

    Monatsticket (Innenstadt): 81 Euro

    Anteil am monatlichen Bruttoinlandsprodukt pro Kopf: 1,3 Prozent

  • Hamburg

    Monatsticket (Innenstadt): 58,9 Euro

    Anteil am monatlichen Bruttoinlandsprodukt pro Kopf: 1,4 Prozent

  • Helsinki

    Monatsticket (Innenstadt): 44 Euro

    Anteil am monatlichen Bruttoinlandsprodukt pro Kopf: 1 Prozent

  • Großraum London

    Monatsticket (Innenstadt): 138,2 Euro

    Anteil am monatlichen Bruttoinlandsprodukt pro Kopf: 3,8 Prozent

  • Madrid

    Monatsticket (Innenstadt): 52,2 Euro

    Anteil am monatlichen Bruttoinlandsprodukt pro Kopf: 1,6 Prozent

  • Oslo

    Monatsticket (Innenstadt): 84,5 Euro

    Anteil am monatlichen Bruttoinlandsprodukt pro Kopf: 1,1 Prozent

  • Paris

    Monatsticket (Innenstadt): 56,5 Euro

    Anteil am monatlichen Bruttoinlandsprodukt pro Kopf: 0,9 Prozent

  • Prag

    Monatsticket (Innenstadt): 25,11 Euro

    Anteil am monatlichen Bruttoinlandsprodukt pro Kopf: 1 Prozent

  • Sheffield

    Monatsticket (Innenstadt): 85,41 Euro

    Anteil am monatlichen Bruttoinlandsprodukt pro Kopf: 4,3 Prozent

  • Stockholm

    Monatsticket (Innenstadt): 92,03 Euro

    Anteil am monatlichen Bruttoinlandsprodukt pro Kopf: 2 Prozent

  • Stuttgart

    Monatsticket (Innenstadt): 56,9 Euro

    Anteil am monatlichen Bruttoinlandsprodukt pro Kopf: 1,1 Prozent

  • Warschau

    Monatsticket (Innenstadt): 22,06 Euro

    Anteil am monatlichen Bruttoinlandsprodukt pro Kopf: 1 Prozent

Doch der Fernbus-Pionier kam schnell ins Schlingern. Wettbewerber wie Flixbus (Daimler) und ADAC Postbus haben finanzkräftige Investoren im Rücken, die Anfangsverluste abfedern konnten. Auch MeinFernbus, der inzwischen auf einen Marktanteil von rund 45 Prozent kommt, soll starke Partner auf seiner Seite haben. Deinbus.de hingegen ging als Einzelkämpfer relativ schnell die Puste aus. Der Marktanteil sank auf zwei Prozent. Ein Verkauf an die Wettbewerber MeinFernbus und Flixbus scheiterte in diesem Jahr. Im November stellte Deinbus.de Insolvenzantrag.

Ab 2015 will sich Deinbus.de wieder aktiv am Markt beteiligen. "Ab 2015 werden wir wieder durchstarten", sagt Christian Janisch, Sprecher des Unternehmens. Deinbus.de werde weiter expandieren und sich auf seine Stärken konzentrieren. Das Unternehmen setzt vor allem auf kürzere Strecken bis 400 Kilometer.

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Damit will Deinbus.de einen stabileren Fahrplan garantieren. Die Busfahrer könnten entspannter arbeiten, so die Firmenphilosophie. "Wir sind auf vielen Verbindungen pünktlicher als andere Wettbewerber", sagt Janisch.
Der positive Verlauf des Verkaufsprozesses deutete sich bereits vor wenigen Tagen an. Trotz der schwierigen Situation erweiterte Deinbus.de noch während der Verhandlungsphase sein Liniennetz. Weitere Linien sind geplant. Für die Fernbus-Kunden wird daher auch 2015 aller Voraussicht nach ein Jahr der niedrigen Preise bleiben.

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