Insolvenz : Günther Beckstein kandidiert nicht mehr für Traumschiff-Gläubiger

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MS Deutschland

von Annina Reimann

Nach der Insolvenz geht dem ZDF-Traumschiff ein prominenter Fürsprecher von Bord: Der ehemalige bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein will nicht mehr als Gemeinsamer Vertreter der Gläubiger kandidieren.

Vor nicht einmal zwei Jahren haben Anleger über eine Anleihe 50 Millionen Euro in das ZDF-Traumschiff MS Deutschland investiert. Jetzt müssen sie um ihr Geld bangen: Das Amtsgericht Eutin hat das vorläufige Insolvenzverfahren über die „MS Deutschland Beteiligungsgesellschaft“ angeordnet. Vorläufiger Insolvenzverwalter ist der Rechtsanwalt Reinhold Schmid-Sperber von der Hamburger Kanzlei Reimer Rechtsanwälte.

Die Schieflage des Kreuzfahrtdampfers hat sich abgezeichnet: Noch am 29. Oktober planten die Beteiligungsgesellschaft und die zugehörige Reederei Peter Deilmann eine Sanierung in eigener Verwaltung. Zuvor war eine erste Versammlung der Anleihegläubiger mangels ausreichender Präsenz gescheitert.

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Der Finanzinvestor Callista Private Equity hatte zu dem Treffen geladen, er wollte die Gläubiger bitten, die im Dezember anstehenden Zinsen zu stunden. Callista hat im Januar die Mehrheit an der MS Deutschland Holding und damit an der MS Deutschland Beteiligungsgesellschaft übernommen, zu der sowohl die Reederei Peter Deilmann als auch das Kreuzfahrtschiff gehören.

Auf der Versammlung in Frankfurt warb auch der ehemalige bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein um Stimmen, er kandidierte als Gemeinsamer Vertreter der Gläubiger. Beckstein war der Wunschkandidat von Callista. Doch nun wendet sich das Blatt.

„Im Insolvenzverfahren stehe ich nicht als Gemeinsamer Vertreter der Anleihegläubiger zur Verfügung“, schrieb Beckstein der WirtschaftsWoche. „In diesem Verfahren, das in Eutin läuft, ist der Gläubigerausschuss stark gefordert und das entscheidende Gremium“, so Beckstein. Ein Gemeinsamer Vertreter habe im Gläubigerausschuss „gerade anfangs viele Termine, noch dazu in Eutin. Das mute ich mir zeitlich und inhaltlich nicht zu".  

Auf der Gläubigerversammlung am 12. November in München stehen damit der Rechtsanwalt Klaus Nieding sowie Stefan Ulrich, geschäftsführender Partner von STU Management Partners, zur Wahl.

Die Geschichte um das Traumschiff nimmt erneut eine bemerkenswerte Kehrtwendung: So hatte Callista-Chef Olaf Meier keine drei Wochen vor der Insolvenz noch einen Offenen Brief veröffentlicht, darin hieß es: „Seit der ersten Gläubigerversammlung (…) ist unser Traumschiff jetzt omnipräsent in den deutschen Medien: Von Albtraum, Pleite, Verkauf und sogar Insolvenz ist die Rede. Doch ich sage Ihnen hiermit deutlich, dass wir davon weit entfernt sind!“ Das verwundert, hatte Meier doch höchst selbst nur wenige Tage zuvor auf der Gläubigerversammlung gesagt, dass eine Insolvenz schon im Dezember "nicht unrealistisch" sei. 

Ob das ZDF-Traumschiff überhaupt saniert werden kann, darf zumindest bezweifelt werden. Callista-Chef Meier selber hatte den Gläubigern am 8. Oktober in Frankfurt eröffnet, dass das Schiff im Prinzip nicht verkauft werden könne, dafür gebe es schlicht "keinen Markt". Und es zu verschrotten sei unattraktiv, das bringe nach Abzug der Kosten nur 4,5 Millionen Euro.

Frisches Geld bekomme er auch nicht rein, die Anleiheschulden verschreckten Geldgeber. Allein: Das Schiff dient als Sicherheit für die Anleiheschulden. 2012, als der ehemalige Eigner, der Finanzinvestor Aurelius, die Anleihe verkaufte, hieß es noch, der Kahn sei 100 Millionen Dollar wert. Auch die Ratingagentur Scope hatte die Anleihe 2012 zur Emission zunächst mit der Note „A“ bewertet, was ein sicheres Investment signalisierte.

Das ZDF dreht seine Folgen zur Traumschiff-Serie auf dem Schiff, ohne dafür zu bezahlen – die kostenlose Werbung für das Schiff muss reichen. Auf die Frage, ob sich der Sender an einer Sanierung beteiligen wird, antwortet ein ZDF-Sprecher  mit „nein“.

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Während es für Anleger nach wie vor unklar bleibt, ob, und wenn ja wie viel, Geld sie zurückerhalten werden, sieht die Situation für Kreuzfahrt-Kunden offenbar besser aus: Die Zurich Versicherung sicherte der WirtschaftsWoche zu, dass das Kundengeld jährlich in Höhe von 110 Millionen Euro abgesichert sei.

Im Fall der MS Deutschland würde diese „Höchsthaftungsgrenze nicht erreicht werden“. Betroffen vom Insolvenzantrag der MS Deutschland sind laut Zurich „etwa 7300 Kunden“. Die anstehenden Reisen bis zum noch in diesem Jahr geplanten Werfttermin sollen wie geplant stattfinden. „Für den Fall, dass bereits gebuchte Reisen nicht durchgeführt werden können, wird Zurich die von den Reisenden geleisteten Reisepreiszahlungen entsprechend der gesetzlichen Verpflichtungen erstatten“, teilte die Versicherung auf Anfrage mit.

Betroffene Kunden könnten sich dann an den von Zurich zur Schadenabwicklung beauftragten Abwickler wenden. Als Nachweis für die Absicherung gilt der Sicherungsschein, der den Reisenden vor Antritt der Reise ausgehändigt wird. Anleger hingegen könnten ihr Geld größtenteils versenkt haben.

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