Insolvenzstatistik: Zahl der Unternehmenspleiten geht zurück

ThemaKonjunktur

Insolvenzstatistik: Zahl der Unternehmenspleiten geht zurück

, aktualisiert 10. Oktober 2013, 19:30 Uhr
von Henryk Hielscher

Bildstörung bei Loewe, wankende Fundamente bei IVG und der große Suhrkamp-Verriss: gleich reihenweise kämpfen bekannte Unternehmen ums Überleben. Doch wie ist die Lage jenseits der Promi-Pleitefälle?

Kommt die Insolvenzrechtsreform in der Praxis an? Seit dem Start des neuen Insolvenzrechts (ESUG) vor eineinhalb Jahren sorgen Schutzschirmverfahren und die erleichterte Eigenverwaltung für Aufregung in der Zunft. Kritiker und Befürworter liefern sich teils hitzige Debatten.

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Doch werden die Werkzeuge überhaupt genutzt? Eine Erhebung des Karlsruher Informationsdienstleisters STP Portal, Betreiber der Online-Plattform Insolvenz-Portal, zeigt nun im Detail, wie es um die Esug-Statistik steht. Demnach wurden in den ersten neun Monaten 2013 insgesamt 205 Schutzschirm- oder Eigenverwaltungsverfahren eingeleitet. Vor allem im dritten Quartal gab es den Daten zufolge ein regelrechten Schutzschirmschub: 61 Mal flüchteten Unternehmen unter den Rettungsschirm, 28 Verfahren wurden in Eigenregie gestartet.

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Insolvenz Quelle: dpa

Im gesamten Jahr 2012 zählten die Experten des Insolvenz-Portals dagegen nur 180 entsprechende Verfahren, wobei die Reform des Insolvenzrechts allerdings auch erst zum 1. März 2012 in Kraft trat. Trotzdem ist sich STP-Portal-Geschäftsführer Jens Décieux sicher: "Die Esug-Instrumente haben sich etabliert." Beachtlich sei dabei nicht nur die reine Anzahl der Verfahren. "Interessant ist auch, dass zuletzt viele prominente Unternehmen und Konzerne einen Sanierungsversuch via Schutzschirmverfahren oder Eigenverwaltung gestartet haben", sagt Décieux.

Die Spitzenkräfte der Insolvenzexperten im dritten Quartal (Teil 1):

Name

Kanzlei

vorl. Verfahren im 3. Quartal

Ampferl, Hubert

Dr. Beck & Partner GbR

15

Bitter, Sandra

Kebekus et Zimmermann

14

d'Avoine, Marc

D'Avoine Teubler Neu Rechtsanwälte

12

Hänel, Robert

Anchor Rechtsanwälte GbR

12

Penzlin, Dietmar

Schmidt-Jortzig Petersen Penzlin Insolvenzverwaltung GbR

12

Schulte-Kaubrügger, Christoph

White & Case Insolvenz GbR

12

Hammes, Dirk

hammes. Rechtsanwälte - Insolvenzverwalter

11

Denkhaus, Stefan Ulrich

BRL BOEGE ROHDE LUEBBEHUESEN

10

Klaas, Wilhelm

Klaas & Kollegen Rechtsanwälte Rechtsanwaltsgesellschaft mbH

10

Pannen, Klaus

Dr. Pannen Rechtsanwälte

10

Seagon, Christopher

WELLENSIEK RECHTSANWÄLTE

10

Borchardt, Peter-Alexander

Reimer Rechtsanwälte Partnergesellschaft

9

Danko, Franz-Ludwig

KÜBLER

9

Flöther, Lucas F.

Flöther & Wissing

9

Schiebe, Robert

Schiebe und Collegen

9

Wallner, Jürgen

Wallner Weiß Insolvenzverwalter Gutachter GbR

9

Weitzmann, Jörn

Kilger & Fülleborn

9

Beyer, Tim

Schultze & Braun Rechtsanwaltsgesellschaft für Insolvenzverwaltung mbH

8

Fuest, Thorsten

Brinkmann & Partner

8

Habura, Natascha

Klaas & Kollegen Rechtsanwälte Rechtsanwaltsgesellschaft mbH

8

Koch, Steffen

hww wienberg wilhelm Insolvenzverwalter Partnerschaft

8

Laboga, Sebastian

KÜBLER

8

Raab, Hans

Raab & Kollegen Rechtsanwälte

8

Röpke, Andreas

HRM HENNEKE RÖPKE Partnerschaft Rechtsanwälte

8

Siemon, Klaus

Anwaltskanzlei Siemon

8

So nutzen etwa die Bonner Immobiliengesellschaft IVG, der Fernsehhersteller Loewe, der Suhrkamp-Verlag und der Windpark-Betreiber Windreich derzeit die Esug-Instrumente.

Keine Frage: Derlei Großverfahren stehen im Zentrum der Aufmerksamkeit. Klar ist aber auch: Eine Massenflucht unter die Schutzschirme blieb bislang aus. Im Vergleich zur Gesamtzahl aller Insolvenzverfahren bleiben die Esug-Fälle eher Ausnahmen. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch eine Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG), die am Mittwoch beim "Handelsblatt Symposium Insolvenzrecht" vorgestellt wurde. "Die praktische Relevanz der Eigenverwaltungsverfahren bleibt insgesamt weiterhin gering. Bei großen Insolvenzen werden sie jedoch bereits stark genutzt", lautet ein Fazit der Berater.

Die Daten von STP belegen den Trend. Nur 3,4 Prozent aller Verfahren in den ersten neun Monaten des Jahres  waren Esug-Fälle. Insgesamt wurden in dem Zeitraum 5.990 vorläufige Unternehmensinsolvenzverfahren eingeleitet. Die Pleite-Zahlen verharren damit auf einem extrem niedrigen Niveau. Im Vorjahreszeitraum hatten die STP-Experten noch 6201 vorläufige Verfahren registriert.

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