Interview mit Max Hollein: »Lackmustest der Gesellschaft«

Interview mit Max Hollein: »Lackmustest der Gesellschaft«

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Eine Besucherin in der neueröffneten Erweiterung des Städel Museums.

von Manfred Engeser

Der Museumsdirektor über das Museum der Zukunft und die Bedeutung bürgerlichen Engagements.

Herr Hollein, jedes Jahr strömen immer mehr Besucher in die drei von Ihnen geleiteten Museen. Wie viel Luft nach oben haben Sie noch?

Hollein: Viel. Die Museumslandschaft ist im Umbruch. Die Gesellschaft will immer öfter wissen, welche Rolle eine Institution wie ein Museum für sie spielen kann. Darauf müssen wir eine Antwort geben. Um weiter vorne mitzuspielen, müssen auch wir die Rolle der Museen weiterentwickeln.

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Woran denken Sie?

Morgens das Museum aufschließen, die Besucher durchschleusen, abends wieder zusperren, fertig – das genügt nicht mehr. Unsere Verantwortung geht heute über die rein wissenschaftliche Arbeit, das Sammeln und das Organisieren von Ausstellungen hinaus.

Max Hollein, Direktor des Frankfurter Städel steht vor dem Bild "Malaktion - rot" von Hermann Nitsch Quelle: dpa

Max Hollein, Direktor des Frankfurter Städel, machte die Spendenakquise zur Chefsache

Bild: dpa

Wie meinen Sie das?

Museen müssen tief in eine Stadt und ihre Bürgerschaft hineinwirken. Wir brauchen nicht zwingend Häuser mit internationaler Strahlkraft, die mit den großen Institutionen in New York, Paris oder London konkurrieren. Sondern in erster Linie Bürgermuseen, die ihrem Bildungsauftrag nachkommen.

Liegt der nicht in erster Linie bei den Schulen und den Eltern der Kinder?

Die Beweglichkeit einer Institution ist längst nicht mehr durch die öffentliche Hand zu gewährleisten. Im Bereich der Bildung müssen wir als Museum also selbst Verantwortung übernehmen. Und, schon im eigenen Interesse, das Nötige tun, damit die Menschen an unserer Arbeit teilhaben und sie wertschätzen. Am besten schon weit vor dem Besuch, damit sich potenzielle Besucher nicht eingeschüchtert fühlen.

Wie denn?

Indem wir etwa mit jeder Zielgruppe differenziert kommunizieren – so wie ein Unternehmen unterschiedliche Zielgruppen ansprechen muss. Angefangen mit Besuchen in den Schulen, Zeichenstipendien für Hochbegabte, Programmen für arbeitslose Jugendliche, eigenen Katalogen für Schüler oder anderen Zielgruppen.

Wie soll das gehen? Der Staat kann kaum den Museumsbetrieb bezahlen.

Die Zukunft unserer Gesellschaft liegt im bürgerlichen Engagement. Übrigens nicht nur in der Kultur, auch in der Bildung, in der Gesundheit. Die Gesellschaft ist künftig immer stärker gefragt, selbst eine Antwort darauf zu finden, welche Art von Museum wir überhaupt erhalten oder weiterentwickeln, ja, wie wir leben wollen.

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Im Zweifel die Antwort, mit der sich am meisten Steuern sparen lassen.

Das sehe ich nicht so pessimistisch. Die Menschen wollen nicht Steuern sparen, sondern gestalten und etwas zurückgeben. Der Grad dieses Engagements wird zum Lackmustest für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft.

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