Interview mit Ronald Pörner: "Wir wollen fairen internationalen Wettbewerb"

Interview mit Ronald Pörner: "Wir wollen fairen internationalen Wettbewerb"

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"Natürlich produzieren auch europäische Hersteller erdbebensichere Züge". Ein entgleister japanischer Shinkansen-Zug nach einem Erdbeben in der Nähe der Stadt Nagaoka im Oktober 2004.

von Christian Schlesiger

Kurz vor Beginn der Verkehrsmesse Innotrans fordert der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Bahnindustrie in Deutschland von Japan mehr Marktöffnung. Die Handelshemmnisse für europäische Zughersteller müssten komplett beseitigt werden.

WirtschaftsWoche: Herr Pörner, der japanische Hersteller Hitachi hat vor kurzem den zweiten Großauftrag zum Bau von Nahverkehrszügen in Großbritannien eingesammelt. Deutsche und europäische Zughersteller sucht man hingegen in Japan vergebens. Warum?

Ronald Pörner: Für deutsche und europäische Hersteller von Triebzügen und Lokomotiven ist der japanische Markt so gut wie verschlossen. Die Regierung und auch Betreiber von Eisenbahnen in Japan setzen bewusst auf Handelshemmnisse, die heimische Zughersteller einseitig bevorteilen. Der diesbezügliche Handel ist eine Einbahnstraße von Ost nach West.

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Wo liegen die Probleme?

Ein Grund ist die so genannte ‚Operational Safety Clause‘. Die Betriebssicherheitsklausel schreibt beispielsweise vor, dass Züge erdbebensicher gebaut sein müssen. Natürlich produzieren auch europäische Hersteller erdbebensichere Züge, wie Exporte nach Taiwan und Kalifornien beweisen. Dennoch wird die Klausel als Vorwand genutzt, um europäische Zughersteller so weit wie möglich bei Ausschreibungen von vorne herein auszuschließen. Das ist aber nur ein Problem.

Welche gibt es noch?

Die Beschaffungsprozesse in Japan sind komplex und undurchsichtig. Um als Hersteller von Zügen oder Lokomotiven in Frage zu kommen, müssen sich die Unternehmen zunächst als ‚anerkannter Lieferant‘ registrieren lassen. Doch auf die Liste kommt ein Hersteller nur, wenn er früher schon mal als Lieferant tätig gewesen ist.

Haben europäische Zughersteller vor diesem Hintergrund überhaupt eine Chance in Japan?

Es ist derzeit so gut wie unmöglich, ins Geschäft zu kommen. Am Beispiel einer Beschaffung von Shinkansen-Zügen, die von 2007 bis 2011 an die großen Bahnbetreiber Japan Railway West und Japan Railway East geliefert wurden, wird dies deutlich. Der Wert dieser Hochgeschwindigkeitszüge lag bei rund drei Milliarden Euro, europäische Hersteller kamen nicht zum Zuge. Wie bereits gesagt muss der potenzielle Lieferant registriert sein. Diskriminierend können auch die technischen Anforderungen und Spezifikationen wirken, die Betreiber und Hersteller in Japan vor einer Ausschreibung gemeinsam detailliert entwickeln. Diese technischen Details sind dann stark auf die japanischen Hersteller zugeschnitten.

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