Investorensuche: Air Berlins Tag der Entscheidung

Investorensuche: Air Berlins Tag der Entscheidung

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Trotz der Rettung durch die arabische Fluggesellschaft Etihad kann sich Air Berlins Vorstandschef Hartmut Mehdorn nicht so recht freuen.

von Reinhold Böhmer und Rüdiger Kiani-Kreß

Es ist Air Berlins Schicksalstag. Der Verwaltungsrat muss entscheiden, ob die aggressive staatliche Fluggesellschaft Etihad aus Abu Dhabi bei Deutschlands zweitgrößter Airline einsteigt. In Freudentaumel wird Vorstandschef Hartmut Mehdorn deswegen nicht verfallen.

Äußerlich wirkt der Air-Berlin-Chef entspannt. Nur dass er sich mit jeder Menge Beratern und ausgewiesenen Krisenkommunikatoren umgibt, zeigt den Ernst der Lage.

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Denn viel größer als in den kommenden Monaten könnte die Krise kaum sein, gegen die Mehdorn seit seinem Amtsantritt im September bei Air Berlin kämpft. So hat der Weltluftfahrtverband Iata gerade prognostiziert, dass 2012 für die europäischen Fluglinien das härteste Jahr seit langem wird. So sehr Mehdorn da auch Strecken still gelegt und kostenlose Flüge für Promis streicht, die eigentliche Zitterpartie beginnt für ihn jetzt: die eher flugärmere Winterperiode bis Ende März/Anfang April kommenden Jahres, in der selbst gesunde Fluglinien wie die Lufthansa traditionell Verluste schreiben.

Weil das Eigenkapital knapp ist, muss Mehdorn darum alles tun, um über diese Dürremonate hinweg zahlungsfähig zu bleiben. Eine Art Lebensversicherung wäre da ein Investor, der Geld ins Unternehmen steckte - zum Beispiel die expansionssüchtige Airline Etihad aus dem ölreichen arabischen Emirat Abu Dhabi, die acht Jahre nach ihrer Gründung bereits zu den 40 größten Linien der Welt gehört.

Unter Wert verkaufen

Doch richtig glücklich kann Mehdorn über die Rettung aus dem Übermorgenland nicht werden. Zwar sind Verluste dank der dicken Taschen des Emirats für Etihad kein Problem. Immerhin hat die Linie nach Aussage von Insidern mehrere Milliarden Dollar Verlust aufgehäuft. Doch auch wenn Etihad einen strategischen Preis zahlen sollte, am Ende muss sich Mehdorn angesichts des mageren Börsenkurses eigentlich viel zu billig verkaufen.

Nachdem die Auslastung der Flugzeuge im November gegenüber dem Vorjahresmonat von 74,9 auf 74,2 Prozent gefallen und beim Konkurrenten Eisert um 2,6 Punkte auf 88,3 Prozent gestiegen war, stürzte die Aktie trotz der Gerüchte um den Etihad-Einstieg zeitweise tief ins Minus. Zwar gerappelte sich der Kurs heute wieder. Doch mit rund 2,50 Euro pro Aktie ist Air Berlin weit von den rund 8 Euro entfernt, die Mehdorn intern als fairen Preis für das Unternehmen sieht. Dass Etihad hier ein Notopfer Air Berlin brächte, ist unwahrscheinlich.

Ebenso hätte Mehdorn von den Arabern bei einer Zusammenarbeit kaum mehr als Geld zu erwarten. Denn letztlich bringt die Verbindung keinem der Partner große Synergien. Air Berlin könnte Etihad bestenfalls Passagiere für deren Flüge ab München oder dem in der kommenden Woche gestarteten Düsseldorf zuführen, die dann über Abu Dhabi in Richtung Asien weiterfliegen.

Doch das bringt unter dem Schnitt wenig, weil Kunden solche Verbindungen, bei denen sie zweimal umsteigen müssen, nur  dann buchen, wenn sie deutlich billiger sind als Reisen mit nur einem Flugzeugwechsel wie sie Lufthansa oder Emirates anbieten.  

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