Irische Billig-Airline: Ryanairs Passagiere lassen die Kasse klingeln

Irische Billig-Airline: Ryanairs Passagiere lassen die Kasse klingeln

, aktualisiert 26. Mai 2015, 12:36 Uhr

Es läuft gut bei Ryanair: Dank der steigenden Zahl an Reisenden konnte die irische Fluggesellschaft ihren Gewinn im vergangenen Geschäftsjahr um zwei Drittel erhöhen.

Europas größter Billigflieger Ryanair hat im abgelaufenen Geschäftsjahr so viel verdient wie nie zuvor. Das irische Unternehmen steigerte seinen Gewinn in den zwölf Monaten bis Ende März um fast zwei Drittel auf den Rekordwert von 867 Millionen Euro. Der Billigflieger übertraf mit seiner am Dienstag vorgelegten Bilanz auch seine eigenen, mehrfach angehobenen Prognosen. Zu dem Erfolg trugen der boomende Ticketverkauf, deutlich besser gefüllte Flieger und der gesunkene Spritpreis bei.

Die Strategie von Ryanair

  • Die Strategie

    Seit Ryanair-Chef Michael O’Leary die Vorteile der Freundlichkeit entdeckt hat, schickt er bei kitzligen Dingen seinen erst vor knapp einem Jahr eingestellten Marketingchef Kenny Jacobs vor. „Das ist unser neues freundliches Gesicht“, so das größte Raubein der Flugbranche. Doch auch wenn der früher bei Handelskonzernen Tesco und Metro tätige Jacobs nett auftritt und im Humor – anders als sein Chef – garantiert jugendfrei ist: Er agiert kaum sanfter beim Kampf um die lukrativste Passagiergruppe der Geschäftsreisenden. „Wir werden zu Europas wichtigster Fluglinie für Manager“, sagt der sportliche 40-Jährige. „Bereits ohne große Werbung verkaufen wir mehr als 10 000 unserer Geschäftsreisepakete pro Woche, und Ende 2017 werden es gut 200 000 pro Woche oder zehn Millionen im Jahr sein.“

    Um die Reiseetats der Manager kämpft Ryanair in drei Schritten.

  • Schritt 1

    Den Anfang machten die Iren vor gut einem Jahr, als die Linie auf dem europäischen Festland zusätzlich zu abgelegenen Flughäfen wie Hahn im Hunsrück vermehrt große Flughäfen wie Hamburg oder Brüssel anflog. Zwölf waren es seit Ende 2013. „Da kommen bis 2017 noch mindestens 20 hinzu“, verspricht Jacobs. In Deutschland will er neben Düsseldorf und Stuttgart sogar im Lufthansa-Drehkreuz München landen.

  • Schritt 2

    Zweiter Schritt war der Anschluss an Reisebürosysteme wie Amadeus, die ihnen direkten Zugang zu den Unternehmenskunden verschaffte.

  • Schritt 3

    Der dritte und sichtbarste Schritt ist ein verbesserter Service für Geschäftsreisende. Den Anfang machte im Herbst das Business Plus Paket, das neben Freigepäck und schnellerer Sicherheitskontrolle auch unbegrenzte Umbuchungen bietet.

  • Konzept

    Das soll nur der Anfang sein. „Die Einzelheiten stellen wir erst im Frühjahr vor“, so Jacobs. Doch erste Verträge mit Unternehmen wie der Deutschland-Niederlassung des Autobauers Ford in Köln zeigen die Richtung. Zum Paket gehören etwa Zusatzservices für die Mitarbeiter wie Gratisverpflegung sowie eine direkte Verbindung von Ryanair zu den internen Controllingsystemen, die direkte Buchungen und – ein Tabubruch – Rabatte ermöglichen. „Wir denken über Rückerstattungen für Großkunden nach“, so Jacobs.

Die Zahl der Fluggäste stieg um elf Prozent auf 90,6 Millionen. Die Auslastung der Maschinen verbesserte sich von 83 auf 88 Prozent. Dabei rechnet Ryanair auch Fluggäste ein, die Tickets gekauft haben, aber nicht zum Abflug erscheinen. Die Treibstoffkosten gingen trotz des größeren Flugangebots insgesamt leicht zurück. Hätte sich Ryanair den Treibstoff nicht schon im Voraus zu festen Preisen eingekauft, hätte der Easyjet-Rivale vom Ölpreisverfall noch stärker profitiert.

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Der Umsatz legte um zwölf Prozent auf 5,65 Milliarden Euro zu. Die Ryanair-Aktie sprang am Morgen auf ihren bisherigen Rekordstand von 11,60 Euro. Für die kommenden Monate erwartet die Ryanair-Spitze einen harten Preiskampf: „Es wäre dumm, jetzt nicht mit irrationalen Ticketpreisen von Wettbewerbern zu rechnen“, sagte Unternehmenschef Michael O'Leary. Dies werde auch bei Ryanair vor allem im Winter die Preise drücken.

Im laufenden Geschäftsjahr will das Unternehmen die Zahl seiner Fluggäste um weitere zehn Prozent steigern. O'Leary peilt einen Überschuss von 940 bis 970 Millionen Euro an. Mehr als die Hälfte des Wachstums soll im Sommer von großen Flughäfen wie Berlin, Brüssel, Köln und Rom kommen, nachdem Ryanair über Jahre vor allem auf kleinere Flughäfen in der Provinz gesetzt hatte.

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