Kanzleifusion: Hww wird zur Großmacht im Krisengeschäft

Kanzleifusion: Hww wird zur Großmacht im Krisengeschäft

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Mit der Fusion von Hermann Rechtsanwälte und hww verbinden sich zwei der größten Insolvenzverwalter.

von Henryk Hielscher

Die Konsolidierung des Insolvenz-Markts beginnt: Die Sanierungsspezialisten von Hermann Rechtsanwälte und hww schließen sich zusammen.

Großfusion im Krisen-Geschäft: Die auf Insolvenzverfahren und Sanierungsberatungen spezialisierte Wirtschaftskanzlei hww schließt sich zum 1. Januar 2015 mit der Frankfurter Kanzleigruppe Hermann zusammen. In der neuen Formation arbeiten rund 400 Mitarbeiter, davon 120 Berufsträger, in 24 deutschen Städten.

Die fusionierte Kanzleigruppe soll unter dem Namen hww - hermann wienberg wilhelm in drei Geschäftsbereichen antreten: der Unternehmensberatung in Sanierungsfällen, der Rechtsberatung sowie der Insolvenzverwaltung. Gerade für letztere Disziplin dürften die Auswirkungen auf den Markt gravierend sein.

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Die Namenspartner Ottmar Hermann und Rüdiger Wienberg zählen zu den bekanntesten Insolvenzverwaltern Deutschlands. So steuerte Hermann einst den Baukonzern Holzmann und die Kaufhauskette Woolworth durch die Pleite. Wienberg wiederum war bei den Insolvenzen der Solarfirma Solon und des Online-Händlers Getgoods im Einsatz. Auch quantitativ spielt die fusionierte hww im Insolvenzgeschäft weit vorn mit.

Insolvenzkanzleien: Plätze 31 bis 21 im Überblick

  • Platz 31

    AndresSchneider Rechtsanwälte Insolvenzverwalter

    Verfahren: 20

    Quelle dieser und aller folgenden Tabellen: Insolvenz-Portal.de 

  • Platz 30

    JAFFÉ Rechtsanwälte Insolvenzverwalter

    Verfahren: 20

  • Platz 29

    Johlke, Niethammer & Partner

    Verfahren: 20

  • Platz 28

    Klaas & Kollegen Rechtsanwälte Rechtsanwaltsgesellschaft mbH

    Verfahren: 20

  • Platz 27

    NIERING STOCK TÖMP Insolvenzverwaltungen GbR

    Verfahren: 22

  • Platz 26

    Willmer & Partner

    Verfahren: 22

  • Platz 25

    Hoge Gutsche Walter

    Verfahren: 23

  • Platz 24

    Kreplin & Partner

    Verfahren: 23

  • Platz 23

    Schiebe und Collegen

    Verfahren: 23

  • Platz 22

    HERMANN RWS

    Verfahren: 24

  • Platz 21

    Piepenburg - Gerling Rechtsanwälte

    Verfahren: 24

Nach Zahlen des Datendienstleisters STP haben die beiden Kanzleien im ersten Halbjahr 2014 rund 77 vorläufige Unternehmensinsolvenzen betreut. Damit würden Hermann und hww im Verbund auf Platz vier des WirtschaftsWoche-Insolvenzverwalter-Rankings rangieren - vor Wettbewerbern wie White & Case und Görg, aber hinter Schultze & Braun, Brinkmann und Pluta.

Die Fusion sei vor allem eine Reaktion auf die Marktveränderungen nach der Reform des Insolvenzrechts im Frühjahr 2012, betonten Wienberg und Hermann bei der Vorstellung ihrer Pläne in Frankfurt.

Durch das sogenannte Gesetz zur Erleichterung der Sanierung von Unternehmen – kurz ESUG – waren damals neue Verfahrensformen geschaffen worden, die stärker auf die Sanierung von Krisenunternehmen abzielen. Doch der Gesetzgeber sortierte nicht nur den Instrumentenkasten zur Rettung maroder Unternehmen neu.

Insolvenzkanzleien: Plätze 20 bis 11 im Überblick

  • Platz 21

    Piepenburg - Gerling Rechtsanwälte

    Verfahren: 24

  • Platz 20

    Mönning & Georg

    Verfahren: 25

  • Platz 19

    Schneider, Geiwitz & Partner

    Verfahren: 25

  • Platz 18

    SCHWARTZ Rechtsanwälte

    Verfahren: 26

  • Platz 17

    Rechtsanwalt Andreas Sontopski

    Verfahren: 27

  • Platz 16

    Schwierholz Jarchow Scholz

    Verfahren: 27

  • Platz 15

    Anchor Rechtsanwälte GbR

    Verfahren: 28

  • Platz 14

    LEONHARDT RATTUNDE

    Verfahren: 29

  • Platz 13

    WuP Dienstleistungen GmbH

    Verfahren: 29

  • Platz 12

    BBL Bernsau Brockdorff

    Verfahren: 30

  • Platz 11

    Dr. Beck & Partner GbR

    Verfahren: 35

Auch für die Verwalter-Gilde selbst wurden die Karten neu gemischt. Denn der Auswahlprozess für Sanierer, Sachwalter und Insolvenzverwalter hat sich bei großen Verfahren grundlegend gewandelt. Berater von Schuldnern, aber auch Gläubiger erhielten tendenziell mehr Einfluss, die Gerichte verloren dagegen an Macht. „Seit Einführung des Esug haben sich die Spielregeln verändert", sagt Hermann. Die Folgen werden jetzt sichtbar.

Insolvenzkanzleien: Die Plätze 10 bis 1 im Überblick

  • Platz 10

    KÜBLER

    Verfahren: 37

  • Platz 9

    Reimer Rechtsanwälte Partnergesellschaft

    Verfahren: 42

  • Platz 8

    HENNINGSMEIER Rechtsanwälte

    Verfahren: 45

  • Platz 7

    Münzel & Böhm

    Verfahren: 46

  • Platz 6

    hww wienberg wilhelm Insolvenzverwalter Partnerschaft

    Verfahren: 53

  • Platz 5

    GÖRG Rechtsanwälte/Insolvenzverwalter GbR

    Verfahren: 55

  • Platz 4

    White & Case Insolvenz GbR

    Verfahren: 72

  • Platz 3

    PLUTA Rechtsanwalts GmbH

    Verfahren: 94

  • Platz 2

    Brinkmann & Partner

    Verfahren: 107

  • Platz 1

    Schultze & Braun Rechtsanwaltsgesellschaft für Insolvenzverwaltung mbH

    Verfahren: 130

So erwartet Wienberg, dass Fusionen und Übernahmen, aber auch Geschäftsaufgaben die Branche in den nächsten Jahren  "neu aufrollen" wird. "Es wird zu einer Konzentration kommen." Am Ende der Entwicklung könnten „fünf oder sechs große Player“ übrig bleiben, so Wienberg. Die Situation wäre dann fast vergleichbar mit dem Wirtschaftsprüfer-Markt, der von vier Gesellschaften dominiert wird.

Schon in der Vergangenheit hat Wienberg Gespür für Marktentwicklungen bewiesen. 2011 hatte sich die Kanzlei mit der Unternehmensberatung CMS zusammen getan. Die damals durchaus umstrittene Liaison hat sich inzwischen zum Modell für andere Insolvenzkanzleien entwickelt.

Denn das Beratungs- und Sanierungsgeschäft wird in ESUG-Zeiten auch als Türöffner immer wichtiger. Fast alle großen Wettbewerber haben ebenfalls ihr Beratungsgeschäft auf- oder ausgebaut. Burkhard Jung, Geschäftsführer der hww-Beratertruppe, geht davon aus, dass von dem Zusammenschluss mit Herman auch die Restrukturierer profitieren werden: „Wir vergrößern deutlich unser Netzwerk, werden noch präsenter und sichtbarer am Markt“, sagt Jung. Zugleich biete die Aufteilung auf drei unterschiedliche Säulen die Chance, Schwankungen in einzelnen Geschäftsbereichen auszugleichen.

So leidet das klassische Insolvenz-Geschäft seit geraumer Zeit unter einem erheblichen Rückgang der Pleite-Zahlen. Nur rund 23.800 Unternehmensinsolvenzen erwarten die Experten der Wirtschaftsauskunftei Creditreform etwa für 2014, 8,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Damit erreicht die Zahl der Firmenpleiten den niedrigsten Stand seit fünfzehn Jahren.

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Der bisherige Hermann- und neue hww-Partner Rainer Bähr erwartet indes, dass der Insolvenzmarkt 2015 wieder anzieht. Neben Branchen wie dem Maschinenbau und dem Automotive-Bereich, die besonders unter den Wirtschafts- und Währungsverwerfungen in Russland leiden, sieht Insolvenzexperte Bähr vor allem im „kommunalen Bereich“ Pleitekandidaten. So dürften  Insolvenzen öffentlicher Unternehmen von Krankenhäusern bis zu Verkehrsbetrieben im nächsten Jahr zunehmen. 2014 hatte bereits die Insolvenz der Stadtwerke Gera für Aufsehen gesorgt.

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