Kartellamtsabmahnung für HRS: Das könnte für Hoteliers nach hinten losgehen

KommentarKartellamtsabmahnung für HRS: Das könnte für Hoteliers nach hinten losgehen

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Das Hotelbuchungsportal HRS verstößt gegen die Gebote des fairen Wettbewerbs. Ob der Fall der Best-Preis-Klausel für die Hoteliers tatsächlich Vorteile bringt, ist längst nicht sicher.

von Hans-Jürgen Klesse

Das Hotelbuchungsportal HRS hat eine neue Abmahnung vom Kartellamt erhalten. Die Kartellwächter sehen vor allem in der von HRS verlangten Best-Preis-Klausel eine Behinderung des Wettbewerbs zwischen den Portalen. Die Hotelverbände begrüßen die Entscheidung. Aber eine Abschaffung der Klausel könnte für die Hotellerie auch leicht nach hinten losgehen.

Schon zum zweiten Mal haben die Kartellwächter das Kleingedruckte in den Verträgen zwischen HRS und den über die Plattform angebotenen Hotels unter die Lupe genommen und beanstandet. Sie monieren Bedingungen, die den Wettbewerb zwischen HRS und seinen Konkurrenten wie Expedia, Booking oder ehotel behindern.

Die Abmahnung betrifft zum einen die sogenannte Best-Preis-Klausel, die die Vertragshotels verpflichtet, nirgendwo niedrigere Zimmerpreise anzubieten als auf der HRS-Seite, und zum anderen die Verfügbarkeitsregeln. Mit dieser Vertragsbedingung verhindert HRS, dass auf anderen Portalen oder auf der Hotel-Homepage noch Zimmer verfügbar sind, wenn das HRS-Kontingent schon restlos ausgeschöpft ist.

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Die Branchenlobbyisten vom Hotelverband Deutschland begrüßen die Entscheidung, sie hatten sich schon nach der ersten Abmahnung vom Februar 2012 an das amtliche Verfahren angehängt. „Das ist für die Hoteliers in Deutschland ein enorm wichtiger Zwischenschritt zur Wiedererlangung ihrer unternehmerischen Entscheidungsfreiheit in Distributionsfragen“, jubelte der IHA-Vorsitzende Dreesen.

Die Häuser müssen voll werden - egal wie

Aber haben die Hoteliers tatsächlich Grund zum Jubeln? Tatsache ist, dass kein Hotelier gezwungen wird, seine Zimmer über die Internet-Buchungsplattform zu vermarkten. Wer sich als Hotelier dennoch dazu entschließt, wird seine guten Gründe haben. Natürlich könnten das Marriott in Hamburg, das InterConti in Düsseldorf oder das Radisson in Berlin ihre Zimmer auch ausschließlich über ihre eigene Homepage oder die ihrer Hotelkette vermarkten – aber das reicht bei dem bestehenden Überangebot an vielen Standorten höchstens zu Messezeiten aus, um das Haus voll zu bekommen. Genau darum lassen sich die großen Kettenhotels trotz schlagkräftiger eigener Vertriebsorganisationen bei HRS und deren Mitbewerber listen.

Zur Existenzfrage wird der Vertrag mit Portalen wir HRS für die zahlreichen kleinen und mittleren Inhaber-geführten Hotels, die in Deutschland den weitaus größten Teil der Hotelkapazität stellen. Die Hotelpension 'Zum Goldenen Anker' in Heide/Holstein hat heute sicher ihre eigene Homepage – aber da die kaum jemand kennt und bei der Suche nach einem Hotel auch nur durch Zufall findet, hat der Goldene Anker auf sich allein gestellt im Internet kaum Chancen. Schon gar nicht, falls sich mal ein Gast aus Italien, Japan oder den USA nach Heide verirren sollte und dort ein Zimmer braucht.

Weltweite Vertriebspräsenz ist nur über die Portale zu schaffen und das wissen die Hoteliers. Genau darum unterschreiben sie Verträge mit HRS und Co. Ärgerlich für diese Hotelunternehmer ist, dass sie ihren Zimmererlös mit den Portalen teilen müssen, wenn eine Buchung auf diesem Wege ins Haus kommt. 15 Prozent und mehr Provision schmerzen, besonders, wenn der Wettbewerb ohnehin hart und das Preisniveau über die meisten Wochen im Jahr eher niedrig ist. Sich über HRS und dessen Macht aufzuregen gehört darum zur üblichen Geräuschkulisse der Branche.

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