Keine Preiserhöhungen in der zweiten Klasse: Die Bahn braucht noch mehr Wettbewerb

KommentarKeine Preiserhöhungen in der zweiten Klasse: Die Bahn braucht noch mehr Wettbewerb

Bild vergrößern

Wettbewerb lohnt sich für die Verbraucher. Preiseskapaden kann sich die Deutsche Bahn derzeit nicht leisten.

von Christian Schlesiger

Wegen der Fernbusse traut sich die Deutsche Bahn keine Preiserhöhung zu. Es ist Zeit, dass die Deutsche Bahn auch auf der Schiene mehr Wettbewerb bekommt.

Ulrich Homburg wollte mit seiner diesjährigen Preisrunde ein "Signal in den Markt setzen", sagte der Personenverkehrsvorstand der Deutschen Bahn heute in Berlin – und es ist ihm gelungen. Das Signal lautet: Wettbewerb funktioniert. Und die Botschaft an die Politik: Bitte gebt uns mehr davon.

Natürlich sieht die Bahn das ein wenig anders. Die Fernbusse werden der Bahn in diesem Jahr einen Umsatz zwischen 50 und 100 Millionen Euro abluchsen. Da dem Umsatz keine Mehrkosten gegenüber stehen, schmälert die Fernbuskonkurrenz den Gewinn der Deutschen Bahn um den gleichen Betrag. Der Konzern musste also reagieren.

Anzeige

Echte Konkurrenz Fernbusse wildern bei der Bahn

Die Deutsche Bahn hielt Fernbusse lange Zeit für harmlos. Doch nun zeigt eine Studie, dass sie zahlreiche Kunden an die neue Konkurrenz verliert.

Die Deutsche Bahn versucht verzweifelt mit der Konkurrenz auf der Straße mitzuhalten und greift sich damit selbst an Quelle: dpa

Fernbusse zwingen die Deutsche Bahn zum Maßhalten. Die Zeit, in denen die Bahn ihre Preise unbeeindruckt von öffentlichem Druck quasi automatisch jedes Jahr um ein bis zwei Prozent erhöhte, ist nun vorbei. Und auch Frechheiten wie vor drei Jahren, als die Bahn ihre Ticketpreise um vier Prozent erhöhte, sind damit vom Tisch. Das Unternehmen langte damals doppelt so stark zu, weil die Bahn im Jahr zuvor wegen des Winterchaos von 2010 auf Preiserhöhungen verzichtete.

Der Bahn-Konzern kann sich solche Eskapaden nicht mehr leisten. Der Vorstand weiß, dass das Unternehmen noch mehr Umsatz und Gewinn an die Fernbusse verlieren würde. Die Straßenkonkurrenz verkauft Tickets derzeit für deutlich unter drei Cent pro Kilometer. Bahntickets kosten drei Mal so viel. Der Preisdruck auf der Straße zwingt nun aber auch erste Fernbusunternehmen wie City2City in die Knie.

Die Deutsche Bahn erhöht ihre Preise nur dort, wo sie Wettbewerb durch Fernbusse nicht zu befürchten hat. Fahrgäste in der ersten Klasse beispielsweise werden die Tortur einer deutlich längeren Fahrt mit dem Bus nicht auf sich nehmen. Hier steigen die Preise um drei Prozent. Und Städte, die weniger als 50 Kilometer voneinander entfernt sind, dürfen Fernbusse laut Gesetz gar nicht anbieten. Im Nahverkehr kosten Tickets künftig zwei Prozent mehr.

Weitere Artikel

Die Politik muss erkennen, dass sich der Wettbewerb für die Verbraucher lohnt. Es wäre nun auch an der Zeit, die Wettbewerbsbedingungen auf der Schiene zu verbessern, damit neben dem Interconnex und dem Hamburg-Köln-Express (HKX) noch mehr Bahnunternehmen in den Fernverkehr einsteigen. Geringere Trassenpreise, vereinfachte Vertriebswege und verbesserte Wege bei der Trassenanmeldung könnten Investoren anlocken.  

Dann würden vielleicht auch Fahrgäste in der ersten Klasse von stabilen Preisen oder in Zukunft sogar alle Reisende von sinkenden Preisen profitieren. Die Deutsche Bahn hätte "alle Gründe dieser Welt für nennenswerte Erhöhungen" gehabt, sagte Personenverkehrsvorstand Homburg in Berlin. Doch es reicht eben, wenn es einen einzigen gibt, der dagegen spricht: Wettbewerb.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%