Kino: Kapstadt will Filmzentrum Afrikas werden

Kino: Kapstadt will Filmzentrum Afrikas werden

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Blick vom Tafelberg auf die südafrikanische Küstenstadt Kapstadt

Ebrahim Rasool strahlt. „Die Leute kommen immer gern zu uns. Man muss keinen Star lang davon überzeugen, hier einen Film zu drehen.“ Das Filmgeschäft soll nach dem Premierminister der südafrikanischen Provinz Westkap, feste Größe in Kapstadt werden.

Kapstadt gilt als eine der attraktivsten Städte der Welt. Von Rasools Besprechungszimmer aus sieht man keinen Strand, keine Palme. Dafür dröhnt von einer nahen Hotelbaustelle Lärm durch das Fenster.

Kapstadt boomt - und das heißt Bauarbeiten. Hier im Raum erinnern nur die Nationalfahne und ein großes Wandgemälde in kräftigen Orange- und Erdtönen irgendwie an Afrika. Doch Rasool (45) will die vielseitige Schönheit der Gegend zu einem wirklichen Standortvorteil gestalten: „Unser absolutes Ziel ist es, Kapstadt zum Zentrum der ganzen Filmindustrie in Afrika zu machen.“

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Gerade abgedreht wurde hier eine deutsche Produktion mit internationalen Ambitionen: „Die drei ??? - Das Gespensterschloss“. Die Studio Hamburg International Produktion hatte schon den ersten Teil „Die drei ??? und die Geisterinsel“ in Kapstadt und Umgebung gefilmt, mit englisch-sprachigen Stars. Auch das zweite Abenteuer der drei jugendlichen Detektive Justus, Peter und Bob spielt wieder in Südkalifornien, für die Filmleute in Südafrika kein Problem. „Die Motive, das Wetter und das wirklich hervorragende Niveau der Crews - all das spricht für einen Dreh hier“, sagt Produzent Malte Grunert aus Hamburg.

Es gibt noch kein richtiges Filmstudio in Kapstadt. Daher haben die „Fragezeichen“-Macher eine leerstehende Lagerhalle in einem Industriegebiet gemietet. Der Weg dorthin führt an Townships vorbei. Ein paar Kinder spielen zwischen Bretterhütten mit Dächern aus Plastikfolie. Auch 14 Jahre nach dem Ende des Apartheid-Regimes ist die Kluft zwischen Arm und Reich groß, die Kriminalität entsprechend hoch.

Durch ein rund um die Uhr bewachtes Tor im Zaun um das Gelände geht es zur Studiohalle. Das improvisierte Studio ist innen hochprofessionell. Die Zimmer, Flure und Hallen eines gruseligen Schlosses haben verdreckte Tapeten, abgeblätterten Putz und Spinnweben. Die kunstvoll aufgehauchten Schichten von Staub reizen zum Husten.

Kulissen und Technik werden wachsam vor Diebstahl geschützt. Besondere Wachsamkeit gilt dem Stromaggregat. Denn die fast täglichen Stromausfälle in Kapstadt bringen nicht nur den Bau des neuen Fußballstadions für die WM 2010 immer wieder ins Stocken, sondern wären auch für die Kameras, Scheinwerfer, Mikrofone und Monitore eine Katastrophe.

Regisseur Florian Baxmeyer hat schon den ersten Teil der „Drei ???“ vor zwei Jahren rund um Kapstadt gedreht.  „Die Leute sind hier immer besser ausgebildet, das Niveau ist gestiegen. Jetzt sind zum ersten Mal die Leiter verschiedener Abteilungen am Set von hier. Und sie sind gut.“ Giselher Venzke hat sich schon vor 15 Jahren in Kapstadt niedergelassen und war seither mit seiner Firma Two Oceans Production an mehr als 50 Fernseh- und Filmproduktionen mit deutschen Partnern beteiligt.

„Die Infrastruktur muss funktionieren“, sagt Venzke. Noch fehlen neben Studios auch die technischen Möglichkeiten zur Post-Production mit Schnitt und digitaler Bearbeitung. Aber ein Lieblingsprojekt von ihm wäre eine Filmschule am Kap. Damit sich die südafrikanischen Mitarbeiter nicht nur durch „learning by doing“ qualifizieren können, sondern auch durch eine richtige professionelle Ausbildung.

Venzke kennt sich aus. Er weiß genau, wo Veronika Ferres vor der Kamera in der Wüste reiten oder Christiane Hörbiger in Afrika an einem „bayerischen Bergsee“ träumen kann. Das hat er alles schon hier auf die Beine gestellt. Immer wieder erkundet er während seiner Fahrten im Cabrio, stets das Handy am Ohr, neue Orte.

„Südafrika bietet unbegrenzte Möglichkeiten“, schwärmt Venzke, „bis auf Eisberge vielleicht, das haben wir hier nicht“. Die vielseitige Landschaft, die im Prinzip gute Infrastruktur und günstige Kosten, das seien die großen Vorteile des Landes. Zuerst waren es die Fotografen, die den imposanten Tafelberg, die Strände oder die grünen Weinbaugebiete als Hintergrund für Mode- und Werbeaufnahmen genutzt haben.

Dann folgten die Werbefilmer, die Autospots auf der grandiosen Panoramaroute zwischen Kapstadt und dem Kap der Guten Hoffnung in Szene setzten. Dann kamen Fernseh- und Filmteams und brachten durch ihre längere Verweilzeit und Scharen an Mitarbeitern viel Geld ins Land. „Runaway Production“ wird diese Abkehr von Hollywood und anderen Studiozentren genannt, das Suchen nach neuen, günstigeren Orten mit unzersiedelter Natur für Außenaufnahmen.

James Bond am Tafelberg

Der Regisseur und Produzent Peter Jackson hat das mit seiner gigantischen „Herr der Ringe“-Trilogie in seiner Heimat Neuseeland in ganz großem Stil vorgemacht. Danach zog Anthony Minghella viel amerikanischen Unmut auf sich, als er vor fünf Jahren das große US-Bürgerkriegsdrama „Unterwegs nach Cold Mountain“ in Rumänien realisierte.

Osteuropa ist gut im Rennen, weiß auch Venzke über den Konkurrenten. In Rumänien gibt es Ateliers und Studios, für Europäer ist es nicht so weit. „Aber die landschaftlichen Pluspunkte finden sich hier.“ Außerdem sei Südafrika beliebter bei den Stars. Dass es jedoch nicht nur auf Landschaft und Lifestyle ankommt, macht Produzent Malte Grunert von Studio Hamburg klar. „Rumänien ist billiger, aber ein reines Dienstleistungsland“, sagt er kühl kalkulierend.

Es gebe in Rumänien keine eigenen Finanzierungsmöglichkeiten für Filme. In Südafrika hingegen habe ein neues Umsatzrabatt-System für einen Schub in der Branche gesorgt. Dadurch bekomme auch eine ausländische Filmproduktion bis zu 25 Prozent aller Ausgaben vor Ort zurück.

Premier Rasool spricht lieber über den Glanz und künftigen Glamour seines Landes als über Geld. Momentan liefen Verhandlungen mit dem Ziel, dass der nächste James-Bond-Film, der 23. der Reihe, auch in der Western Cape Region gedreht werde. „Wir setzen uns sehr stark dafür ein, das wäre großartig“, berichtet Rasool. „Ich hab' gehört, dass Mr. Bond durchaus Lust hat, mal auf unserem Tafelberg zu landen.“

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