Kliniken in Geldnot: Wie Private den Krankenhausmarkt aufrollen

Kliniken in Geldnot: Wie Private den Krankenhausmarkt aufrollen

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Ein Krankenpfleger schiebt ein Krankenbett durch eine Station

Viele Krankenhäuser haben wenig Personal, Geld für Investitionen fehlt. Die Finanznöte spielen privaten Betreibern in die Karten. Doch die Ökonomisierung der Gesundheit wirft ethische Fragen auf.

Knapp 2000 Krankenhäuser, über 39 Millionen Patienten und ambulante Behandlungen im Jahr, 1,2 Millionen Mitarbeiter: Krankenhäuser sind unverzichtbar für die Gesundheitsversorgung in Deutschland - und eine Branche, die zunehmend unter wirtschaftlichem Druck steht. Wie lange sollten Patienten nach einer Operation im Krankenhaus bleiben, was darf die Verwaltung kosten, wie viel Zeit haben Ärzte für Kranke? Viele Krankenhäuser müssen so hart kalkulieren wie Unternehmen.

Private Betreiber machen aus der Heilung von Menschen ein Geschäft. Gut 5,8 Milliarden Euro Umsatz und 543 Millionen Euro Gewinn erzielte allein Marktführer Helios 2016. Die Tochter des Dax-Konzerns Fresenius betreibt bundesweit 112 Krankenhäuser. Dazu kommen Konkurrenten wie Asklepios, Sana, Schön und das unterfränkische Rhön-Klinikum, das etwa die Universitätskrankenhäuser Marburg und Gießen lenkt. „Etwa 30 Prozent aller Kliniken sind in privater Hand“, sagt Zun-Gon Kim, Partner bei der Beratungsfirma Boston Consulting Group.

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Die Privaten haben in den vergangenen Jahren von den Finanznöten vieler kommunaler und kirchlicher Betreiber profitiert. Gab es 2005 2139 Krankenhäuser hierzulande, waren es 2015 nur noch 1956. „Gerade kleine, wenig profilierte Häuser haben es schwer“, sagt Kim. Denn die Gruppe der Patienten über 65 Jahren wächst - und mit ihnen die Zahl von Altersdiabetes, Lungen- und Darmkrebs oder Gefäßverkalkungen. Die Kosten für Krankenhäuser steigen so schneller als die Einnahmen.

Rhön Klinikum Neuer Chef, gleicher Machtkampf

Seit zwei Monaten führt Stephan Holzinger die Rhön Kliniken. Er will sparen und Krankenhauskonzepte revolutionieren. Seine wichtigste Aufgabe ist eine andere: Die drei Alphatierchen im Aktionärskreis zu bändigen.

Der Schriftzug der Rhön-Klinikum AG. Quelle: dpa

Krankenhäuser in öffentlicher Hand seien unterfinanziert, klagt der Dachverband DKG, ein Viertel schreibe Verluste. Er fordert mehr Geld von den Ländern. Von den jährlich für Investitionen benötigten sechs Milliarden Euro zahlten sie nur etwa die Hälfte. „Investitionen sowohl im baulichen Bereich als auch bei der Digitalisierung sind dringend erforderlich“, erklärt der Verband. Doch die Länder haben oft leere Kassen. Daher herrscht in vielen Krankenhäusern Personalmangel. Laut Verdi fehlen bundesweit 162.000 Stellen.

Private Betreiber reagieren auf die Geldnot der Kliniken, indem sie Verwaltungen zentralisieren, Dienste auslagern und ihre Größe nutzen, um etwa beim Einkauf günstigere Konditionen zu erzielen. Sie kaufen Kommunen etwa Krankenhäuser ab, wenn diese defizitäre Häuser loswerden wollen und sanieren sie mit harten Renditevorgaben. Sana kaufte etwa 2013 in Hessen das Klinikum Offenbach und garantierte im Gegenzug, eine Insolvenz abzuwenden. 2015 gab es wieder Gewinne.

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