Klinikkette: Hauen und Stechen im Rhön Klinikum

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Klinikkette: Hauen und Stechen im Rhön Klinikum

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In dem Klinikkonzern geht es gerade mächtig rund.

von Jürgen Salz

Rasante Vorstandswechsel, Gewinnwarnung, Streit um die Finanzen: Bei der Klinikkette Rhön überschlagen sich die Negativmeldungen. Zudem beäugen sich auch noch die Eigentümer – drei gestandene Patriarchen– misstrauisch.

Alle drei haben Großes aufgebaut. Eugen Münch gründete die private Klinikkette Rhön, Bernard große Broermann den Konkurrenten Asklepios. Ludwig Georg Braun schuf aus dem kleinen Medizintechnik-Hersteller Braun ein Weltunternehmen. Das Problem ist nur: Alle drei sind eigensinnige Patriarchen. Im Eigentümerkreis des kriselnden Klinikkonzerns Rhön beäugen sie sich misstrauisch: Münch hält gemeinsam mit seiner Frau siebzehn Prozent, Asklepios 18 Prozent, Braun bis vor kurzem 20 Prozent.

In dem Klinikkonzern aus dem fränkischen Bad Neustadt an der Saale, der es immerhin auf gut eine Milliarde Euro Umsatz bringt, geht es gerade mächtig rund. Im Januar veröffentlichte Rhön eine Gewinnwarnung, da vor allem das konzerneigene Uniklinikum Gießen-Marburg finanzielle Probleme bereitet. Vorstandschef Martin Siebert wurde ins zweite Glied versetzt. Statt seiner übernimmt der Kommunikationsberater Stephan Holzinger, ein Vertrauter des nach wie vor mächtigen Gründers Münch, der dessen Vision von einer IT-getriebenen High-Tech-Klinik teilt.

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Nach der Aufsichtsratssitzung am 23. Februar werden wohl auch Finanzchef Jens-Peter Neumann, der den IT-Plänen von Münch skeptisch gegenüberstehen soll, sowie Vorstandskollege Wolfgang Menger ihre Ämter aufgeben müssen.

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In dieser aufgeheizten Situation versucht nun Mit-Eigentümer Braun, seinen Einfluss kräftig auszubauen. Mit den aktuellen Zahlen, die das Rhön Klinikum am 24. Februar vorlegt, dürfte das kaum zu tun haben. Vielmehr, so wird im Umfeld von Rhön vermutet, treibt Braun das Misstrauen gegenüber seinen Mit-Eigentümern.

Braun könnte bald eine Sperrminorität erreichen

Seit Dezember dürfte Erfolgsunternehmer Braun, einst auch Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, rund 1,6 Millionen Rhön-Aktien zum Preis von etwa 25 Euro gekauft haben – macht insgesamt Ausgaben von vierzig Millionen Euro. So hat es der Frankfurter Wirtschaftsprofessor Olaf Stotz errechnet. Brauns Anteil dürfte derzeit bei 22 bis 23 Prozent liegen. Wenn er in dem Tempo weiter macht, könnte er Ende März 25 Prozent erreicht haben – eine Sperrminorität, mittels derer er wichtige Entscheidungen blockieren könnte.

Braun, Münch und Broermann sind vor mehr als vier Jahren aneinandergeraten – darin liegt der Grund für das Misstrauen zwischen den Eigentümern. Münch wollte damals sein Lebenswerk an den Dax-Konzern Fresenius und dessen Kliniksparte Helios verkaufen. Braun und Broermann, die um ihren Einfluss fürchteten, blockierten die Entscheidung. Münch düpierte Braun jedoch, indem er bei einer Abstimmung auf der Rhön-Hauptversammlung die Stimmen des Braun-Anwalts nicht mitzählte, da dieser sich angeblich nicht korrekt ausgewiesen habe. Später drohte Münch Braun im WirtschaftsWoche-Interview auch noch damit, dessen Medizintechnik-Produkte aus den Rhön-Kliniken auszulisten.

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Inzwischen sollen sich Braun und Münch durchaus wieder einander angenähert haben,  heißt es aus ihrem Umfeld; Braun sei von den IT-Visionen Münchs durchaus angetan. Daneben hat Braun allerdings auch Gründe, um Asklepios-Gründer Broermann zu misstrauen. Über Broermann heißt es in der Branche immer wieder, er würde bei einem Aktienkurs von unter 22 Euro bei Rhön zuschlagen und versuchen, sich das Unternehmen einzuverleiben. Dagegen will Braun wohl gewappnet sein. Derzeit notiert das Klinik-Papier bei rund 25 Euro. Asklepios erklärt dazu nur kurz und knapp, sich bei Rhön „alle Gestaltungsmöglichkeiten offen“ zu halten; die Beteiligung sei ein „langfristiges strategisches Investment“.

Im Eigentümerkreis der drei Patriarchen scheint sich derzeit allerdings Braun durchzusetzen. Der Medizintechnik-Unternehmer selbst ist seit Jahren mit Sitz und Stimme im Aufsichtsrat vertreten. Für den neuen Vorstandschef Stephan Holzinger, der zuvor im Kontrollgremium saß, rückt nun Braun-Finanzchefin Annette Beller ein. Die Zahl der Sitze, die Asklepios und dessen Gründer Broermann zuzurechnen sind, liegt dagegen exakt bei Null.

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