Koenzens Netzauge: Das Geschäft mit der Privatsphäre

kolumneKoenzens Netzauge: Das Geschäft mit der Privatsphäre

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Ein AT&T-Store in New York.

Deutschland blickt neidisch auf die USA, die Geburtsstätte der erfolgreichsten Geschäftsmodelle der Welt. Mit der Privatsphäre hat man jetzt eine neue Einnahmequelle. Ein Geschäftsmodell zulasten der Internet-Nutzer.

Stellen Sie sich vor, die Post macht Ihnen ein unschlagbares Angebot: Ihre Briefe und Pakete werden in Zukunft viel schneller geliefert als die Ihrer Nachbarn. Natürlich kostet das ein bisschen mehr, doch das ist es Ihnen wert. Schließlich ist ein VDSL-Anschluss auch teurer als das langsamere ADSL. Und in der heutigen Zeit ist Geschwindigkeit nun mal Trumpf.

Was Ihnen nicht bewusst ist: Mit der Hochgeschwindigkeitszustellung geben Sie automatisch ein wichtiges Gut auf – Ihre Privatsphäre. Denn von nun an wird die Post jedes einzelne Schriftstück von Ihnen minutiös scannen, um ein wertvolles Kundenprofil zu erstellen. Dieses dient dann dazu, Ihnen frei Haus passende Werbung zu Ihrem Konsumverhalten zu liefern.

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Zustimmung zur Aussage: "Ich sehe meine Privatsphäre durch die Nutzung digitaler Technologien bedroht"

  • Deutschland

    74 Prozent

  • Großbritannien

    78 Prozent

  • Irland

    83 Prozent

  • Italien

    74 Prozent

  • Niederlande

    67 Prozent

  • Portugal

    81 Prozent

  • Spanien

    85 Prozent

  • Tschechische Republik

    68 Prozent

Wenn Sie das nicht wollen, müssen Sie aktiv widersprechen. Und eine monatliche Gebühr zahlen, damit niemand mehr Ihre Post liest und Ihren Briefkasten zum Überquellen bringt. Kurz gesagt, Sie müssen sich Ihre Privatsphäre für teures Geld zurück kaufen.
Klingt paradox? Ist aber Realität. Zumindest im digitalen Amerika.

Der US-amerikanische Internet-Provider AT&T – so etwas wie die „amerikanische Telekom“ – geht genau diesen Weg. In ausgewählten Städten rollt der Quasi-Monopolist derzeit superschnelle Gigabit-Internet-Anschlüsse aus. Wer einen Vertrag abschließt, sitzt in der Privatsphären-Falle. Denn AT&T behält sich vor, alle Internet-Aktivitäten aufzuzeichnen: Besuchte Webseiten, Aufenthaltsdauer, Suchbegriffe, geklickte Links.

Auf Basis der so erstellten Profile erhalten die Kunden dann maßgeschneiderte Werbung. Vom Pop-Up bis zur personalisierten E-Mail, die direkt im eigenen Postfach landet. Der einzige Ausweg? Der aktive Widerspruch (im Fachjargon: Opt-out), verbunden mit der Zahlung einer „Service-Gebühr“ von 29 US-Dollar – jeden Monat!

AT&T tut damit etwas Unerhörtes: Der Provider macht aus einem Grundrecht ein Geschäft. Er dreht anerkannte Prinzipien einfach mal so um. Und macht die Privatsphäre damit zu einem teuren Gut, das sich nicht jeder leisten kann.

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