Korruptionsfall: Warum Bilfinger womöglich unter US-Aufsicht bleibt

Korruptionsfall: Warum Bilfinger womöglich unter US-Aufsicht bleibt

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Die amerikanische Justiz droht, Bilfinger noch länger zu beobachten.

von Harald Schumacher

Nach einem Korruptionsfall kontrolliert das US-Justizministerium, ob sich der deutsche Industriekonzern Bilfinger an die Regeln hält. Nun könnte die Überwachung längern dauern als geplant.

Mark Livschitz genießt beim Industrie- und Kraftwerksdienstleister Bilfinger einige Privilegien. Der 47-jährige Schweizer kann sich selbst zu Sitzungen des Aufsichtsrats und des Vorstands einladen. Er darf sich ganz nach Belieben mit seinem dreiköpfigen Team für zwei Wochen in der Mannheimer Zentrale oder in einer der ausländischen Dependancen des MDax-Konzerns einnisten. Was ihm dort suspekt vorkommt, leitet der Rechtsanwalt an das US-Justizministerium weiter.

Bilfinger ist – nach Siemens und Daimler – insgesamt das dritte und aktuell das einzige deutsche Unternehmen, das unter US-Aufsicht steht. Grund ist ein Verfahren wegen eines zwölf Jahre zurückliegenden Korruptionsfalls bei einem Pipeline-Projekt in Nigeria, in den Bilfinger zusammen mit dem texanischen Partner Willbros verwickelt war. Das US-Justizministerium hatte Bilfinger daraufhin 23,3 Millionen Euro Geldbuße aufgebrummt, die der damalige Konzernchef Roland Koch Ende 2013 akzeptierte.

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Die Amerikaner setzten zudem durch, dass ein Anwalt ihres Vertrauens 18 Monate lang überwacht, ob und wie die Deutschen ihr Compliance-System, das Bestechung, Kartellbeteiligungen und andere Delikte verhindern soll, auf Vordermann bringen.

Brasilien-Geschäft Bilfinger findet fragwürdige Buchungen

Im Zusammenhang mit einem Millionen-Auftrag für die Fußball-WM 2014 in Brasilien ermitteln die Behörden gegen eine Tochterfirma von Bilfinger. Es soll um Schmiergelder von über 20 Millionen Euro gehen.

Die Behörden in Brasilien gehen Bestechungsvorwürfen gegen eine Tochterfirma des deutschen Konzerns nach. Quelle: ap

Diese Überwachung, auch Monitoring genannt, könnte nun länger dauern als geplant. Anwalt Livschitz, der zur internationalen Kanzlei Baker & McKenzie mit Hauptsitz in Chicago gehört, denkt laut darüber nach, sein Mandat, das er im August 2014 übernommen hatte, über Januar 2016 hinaus verlängern zu lassen. Als Grund nennt er die zähe personelle Erneuerung an der Spitze des angeschlagenen Dienstleistungsriesen.

„Es ist für meine Aufgabe nicht optimal, dass der künftige Bilfinger-Vorstandschef voraussichtlich erst in der zweiten Hälfte meiner Tätigkeit sein Amt bei Bilfinger übernimmt“, sagt Livschitz im Gespräch mit der WirtschaftsWoche und betont: „Eine enge Zusammenarbeit des Vorstandschefs mit mir ist für die frühzeitige Zielerreichung des Monitor-Programms von großer Bedeutung.“ Ob die Ziele erreicht werden, hänge „zu 90 Prozent davon ab, wie die oberste Führungsmannschaft die Unternehmenskultur vorlebt“.

Die Lernfähigkeit von Bilfinger

Die neue Mannschaft aber wird vor Mai kaum komplett sein. Seit Vorstandschef Koch im Sommer 2014 seinen Schreibtisch räumte, lenkt Herbert Bodner übergangsweise den Konzern. Aufsichtsratschef Eckhard Cordes will Per Utnegaard vom Schweizer Flughafendienstleister Swissport loseisen.

Kommt Utnegaard im Mai nach Mannheim, so wie von Cordes erhofft, hat Livschitz nur noch neun Monate Zeit, um die Compliance-Praxis der neuen Konzernleitung unter die Lupe zu nehmen. Deshalb deutet er jetzt Verlängerung an, abhängig davon, ob „die Zeit für eine zielführende Zusammenarbeit mit dem künftigen Bilfinger-Vorstandschef ausreicht“.

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Zu tun gibt es offenbar genug. Ende März hatte Bilfinger einen neuen Korruptionsfall bestätigt, diesmal in Brasilien. Untersucht werden Zahlungen im Umfeld von Aufträgen für Verkehrsleitzentralen zur Fußball-WM 2014. Der Brasilien-Fall habe nichts mit seinem Nachdenken über eine Verlängerung seines Mandats zu tun, sagt Livschitz. Aber natürlich habe er Washington darüber unterrichtet.

Entscheidend sei nun, ob Bilfinger „die Ermittlungen und die Aufklärung unterstützt und Konsequenzen zieht, gegebenenfalls auch personell“. Gnädig attestiert der von den USA eingesetzte Aufseher seinem Zögling Lernfähigkeit: „Bisher reagiert Bilfinger im Fall Brasilien genau so, wie ich mir das vorstelle.“

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