KPMG: Wirtschaftsprüfer werden Spezialisten für Steuerschlupflöcher

KPMG: Wirtschaftsprüfer werden Spezialisten für Steuerschlupflöcher

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Schweizer nutzen Fahrten nach Deutschland nicht nur zum Einkaufen, in Deutschland sollen sie auch große Schwarzgeldsummen horten.

von Julia Leendertse

Die Übernahme von Brainnet durch die Wirtschaftsprüfer KPMG heizt die Neuordnung von Lieferketten zwecks Steuerersparnis an – und wird auch den Beratermarkt verändern.

Steueroasen sind nicht nur bei Millionären beliebt. Auch bei den Einkaufsabteilungen der großen Weltkonzerne liegt der abgabenmindernde Ortswechsel im Trend. Der US-Waschmittelhersteller Procter & Gamble hat Teile seiner Beschaffungsabteilung in die Schweiz verlegt. Die Einkäufer des Telekommunikationsriesen Vodafone sitzen in Luxemburg, der Finanzdienstleister Barclays kauft von Singapur aus ein.

Der Grund für den Exodus sind die je nach Land erheblichen Unterschiede bei den Ertragssteuersätzen, der Mehrwertsteuer und den Zollgebühren. Wer die komplizierte internationale Rechtslage kennt und richtig zu nutzen weiß, kann Millionen an Steuern und Abgaben sparen und den Cash-Flow verbessern.

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In diese Bresche will künftig die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und Unternehmensberatung KPMG mit ihrer Neuerwerbung springen: der Consultingfirma Brainnet mit Sitz in Bonn und St. Gallen, die sich mit der Gestaltung von Lieferketten einen Ruf erworben hat.

Selbst in internationalen Konzernen sind solche vielseitigen Fachleute kaum zu finden. Und selbst klassische Einkaufsberatungen sind in der Regel überfordert, wenn es um die steuer- und abgabentechnische Optimierung der Beschaffung geht. „Die wissen zwar, wo Speicherchips oder rostfreie Schrauben am billigsten zu bekommen sind, aber von Steuern oder Zollvorschriften haben sie keine Ahnung“, sagt der Einkäufer eines großen Konzerns.

Die Übernahme von Brainnet wird nicht nur so manchen Konzernlenker unter den KPMG-Mandanten auf ganz neue Standort-Ideen bringen. Der Schritt dürfte zugleich die KPMG-Konkurrenten zum Nachmachen animieren und damit die Beraterlandschaft nachhaltig verändern. „Der KPMG-Brainnet-Deal ist nur der Anfang“, prognostiziert Branchenexperte Dietmar Fink, Professor für Unternehmensberatung an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. „Der Beratungsmarkt formiert sich neu.“

Dabei dürfte die Kombi aus Wirtschaftsprüfung und Spezialberatung das künftig bevorzugte Modell der Consultingbranche sein – und das aus mehreren Gründen:

  • Die Prüfungsgesellschaften können in ihrem Kerngeschäft kaum noch wachsen und suchen dringend ein neues Geschäftsmodell.
  • Viele Spezialberater sind finanziell zu schwach, um ihr Geschäft zu internationalisieren. Globale Wirtschaftsprüfer könnten dabei helfen.
  • Die Nachfrage nach dem Kombi-Service wächst. Vor allem internationale Konzerne sehen darin die Chance, Reibungsverluste zwischen verschiedenen Consultern zu vermeiden.

Geradezu prädestiniert ist dafür der Einkauf in Konzernen, weil das Optimierungspotenzial hier besonders groß ist. Denn je nachdem wie hoch die Einkäufer die internen Verrechnungspreise für die Lieferungen an die Tochtergesellschaften ansetzen, fallen je nach Standort unterschiedlich hohe Steuern an – für die Erträge der Töchter, aber auch für die der Einkaufsabteilung. Wer seine Einkäufer an einem Standort mit niedrigen Steuern konzentriert, spart schnell eine Menge Geld.

Doch was sich in der Theorie einfach anhört, ist in der Praxis eine komplizierte Rechenaufgabe mit vielen Variablen. Wollen Konzerne ihre Lieferketten steuerlich optimieren, müssen sie Einkaufsspezialisten mit den Experten für Steuern und Zölle in den verschiedenen Ländern an einen Tisch bringen. „Jetzt gibt es Beratung aus einer Hand“, lobt Eva Manger-Wiemann die Übernahme von Brainnet durch KPGM. Die Geschäftsführerin der Zürcher Metaconsultingfirma Cardea unterstützt Unternehmen bei der Beraterauswahl.

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Was es bringt, wenn Einkaufsspezialisten und Steuerberater gemeinsam internationale Lieferketten unter die Lupe nehmen, zeigt das Beispiel eines global agierenden Telekommunikationsanbieters. Dort brachten die Bündelung aller Einkäufe, die Reduzierung der Lager von acht auf zwei, die Optimierung der Verrechnungspreise und die Verlegung der zentralen Einkaufsabteilung an einen steuergünstigen Standort mehr als 100 Millionen Euro Ersparnisse.

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