Krankenhäuser: Öffentliche Kliniken suchen nach der Profitpille

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Krankenhäuser: Öffentliche Kliniken suchen nach der Profitpille

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Laut Experten leiden öffentliche Kliniken unter schwerfälligen Entscheidungsfindungen und politischen Motiven

von Anke Henrich

Die Fusion der Helios- mit den Rhön-Kliniken ist vorerst geplatzt. Doch allein der Gedanke an den privaten Klinikgiganten setzt die maroden öffentlichen Häuser unter Druck. Über Auswege aus einem kranken System.

Katja Bittner verbreitete soeben Aufbruchsstimmung. Die 45-Jährige leitet die Regiomed-Kliniken im bayrischen Coburg, einen Zusammenschluss sieben kommunaler Kliniken plus Wohn- und Pflegeheimen. Regiomed hat gerade das insolvent gemeldete Krankenhaus im benachbarten Neustadt übernommen, was rund 120 Angestellte auf einer Betriebsversammlung um ihre Jobs fürchten ließ. „Letztlich waren sie von den Vorteilen überzeugt“, ging Bittner zufrieden aus der Veranstaltung. „Die Alternativen wären die Schließung oder der Verkauf an eine private Klinikkette gewesen.“

Wie auch immer der vorerst gestoppte Versuch der Helios-Kliniken endet, den Wettbewerber Rhön-Klinikum zu übernehmen: Der seit April bekannte Plan der Helios-Mutter Fresenius, einen privaten Krankenhaus-Riesen in Deutschland zu schmieden, liefert den kommunalen Kliniken Munition für die Schaffung eigener Verbünde.

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Rhön-Kliniken-Übernahme Warum Helios-Kliniken erfolgreicher sind

Fresenius will seine Tochter Helios-Kliniken mit dem Konkurrenten Rhön verschmelzen und zum größter privater Klinikkonzern werden. Schon jetzt ist Helios erfolgreich. Wie machen die das?

huGO-BildID: 3484432 Der Zivildienstleistende Alexander Lux misst den Blutdruck bei dem 75-jaehrigen Patienten Hans Spaeth auf der Station Endokrinologie, Diabetologie und Infektologie des Helios Klinikums am Dienstag, 20. Januar 2004, in Erfurt. Der 20-jaehrige leistet noch bis Ende Juli 2004 seinen Zivildienst auf dieser Station. Das Deutsche Rote Kreuz warnt vor einer Abschaffung des Zivildienstes. Eine 'drastische Reduzierung" oder gar Streichung wuerde eine 'wichtige Luecke in das Wohlfahrtssystem reissen", sagte der Praesident der groessten deutschen Hilfsorganisation, Rudolf Seiters, am Dienstag in Muenchen. (AP Photo/Jens Meyer) Quelle: AP

„Fresenius hat die ganze Szene aufgerüttelt, jetzt kommen neue Zusammenschlüsse ins Laufen“, sagt der Hamburger Unternehmensberater Heinz Lohmann. Bei ihm meldeten sich seitdem immer mehr Klinikmanager.

Einfluss opfern

In welche Richtung die aufgeschreckten kommunalen Spitäler gehen könnten, machen ihnen die Regiomed-Kliniken vor. Das Netzwerk umfasst Häuser in vier Landkreisen, die in zwei Bundesländern liegen, in Bayern und Thüringen. Damit vereint die Kette gleichzeitig sogar die Tradition in Westdeutschland mit verbliebenen Reminiszenzen an die DDR. „Komplizierter geht es kaum“, sagt Bittner. Aber es hilft gegen steigende Kosten und sinkende Investitionszuschüsse der Landesregierungen.

Zahl der Krankenhäuser nach Träger und Anteil am Gesamtumsatz 2010 Quelle: Deutsche Krankenhausgesellschaft, Interessenvertretung kommunaler Krankenhäuser

Zahl der Krankenhäuser nach Träger und Anteil am Gesamtumsatz 2010 (Klicken Sie für eine detaillierte Ansicht bitte auf die Grafik)

Bild: Deutsche Krankenhausgesellschaft, Interessenvertretung kommunaler Krankenhäuser

Zwar geht der Trend auch bei den öffentlichen Kliniken in Richtung Konzentration. 1992 gab es in Deutschland noch 1110 kommunale Kliniken, 2010 waren es nur noch 630. Die Verschwundenen wurden geschlossen oder geschluckt. Doch gleichzeitig wuchs die Konkurrenz durch private Anbieter. Und während diese profitabel arbeiten und eine Eigenkapitalrendite von durchschnittlich acht Prozent erwirtschaften, kränkeln die öffentlichen weiter vor sich hin. Jedes fünfte, schätzt das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung, sei insolvenzgefährdet.

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